APULIEN !😊 Von Bisceglie, Bari, Triggiano und Gallipoli. Und von Glück !

Bisceglie liegt etwas nördlich von Bari und ist hübsch bei solchem Wetter (online pic)

Savino’s House, Bisceglie
Savino spricht oft dramatisch polternd (wie viele Süditaliener), ist aber eine Seele von einem Mann.
Er und seine Frau Francesca bieten auf ihrem Hofcamping ein paar wenige Camper-Plätze an zwischen den Oliven- und Obstbäumen. Ich plante dort zwei Tage ein, um in Ruhe mein Lager um- und aufzuräumen.

Noch nicht ganz reife Oliven, daneben saftig-reife Kakis zum Selberpflücken. Ein Genuss !

Die Holländer Marianne und Jan mit ihrer freundlichen Hündin Katie, einem Flat-coated Retriever, waren meine einzigen Nachbarn hier und standen etwa 50 Meter weiter vorne.

Am Nachmittag vor ihrer geplanten Abreise war zum allgemeinen Schrecken ihr Hund verschwunden !

Katie war durch das kurz offenstehende Eingangs-Gatter geschlüpft und hatte sich davon gemacht.

Hier berät Francesca Jan, wo er als nächstes nach Katie suchen könnte.

Nach einer ergebnislosen Suche in der Nachbarschaft zogen Marianne und Jan immer weitere Kreise und erfuhren, dass Katie mitten auf der Hauptstrasse gesehen worden war, und dass ein Mofafahrer angehalten und Katie kurz darauf in ein Auto geladen hatte. Da danach sein Mofa nicht mehr ansprang, fuhr er im Auto mit.

Eine Polizeistreife sah etwas später zufällig das Mofa an der Strassenseite und registrierte es für den Fall, dass es gestohlen worden war, und die beiden Hundebesitzer meldeten sich nach ihrer stundenlangen, vergeblichen Suche noch später ebenfalls bei der Polizei – und berichteten von der Mofa- Sichtung durch Anwohner.

Als zwei Polizisten etliche Stunden nach Katies Verschwinden an der Adresse des Mofa-Fahrers vorfuhren, versicherte ihnen dieser, dass er den Fund natürlich demnächst gemeldet hätte, und er übergab ihnen den Hund.
Dass Katie inzwischen gebadet worden war – und ein grosser Sack Futter sowie ein neues Hundebett noch beim Hauseingang lagen, deutete allerdings auf eine andere mögliche Absicht hin. Glück gehabt !

Ende gut, alles gut ! 😊
Jan war früher Zugführer und Bus-Chauffeur und hat überhaupt keine Mühe damit, seinen Riesen-Camper mit Anhänger um eine enge Kurve zu steuern… Ja, so eine Vorbildung hilft bestimmt..

Noch auf Savinos Stellplatz kontaktierte mich überraschend Corinna. Ich kannte sie bisher nur von ihrem sehr interessanten Apulien-Blog: https://meinapulien.blog/
Die deutsch-stämmige Corinna ist hier Deutschlehrerin für Tourismus-Studierende an der Hochschule, und sie lud mich spontan zum Mittagessen ein mit ihrer Famile in Triggiano, einem Vorort von Bari. Wie schön ! Gerne !

Ich blieb deshalb gerne zwei weitere Nächte bei Savino und sah mir das Städtchen Bisceglie vom Fahrrad aus an nach dem Einkauf im nahen Supermercato.

Um näher bei Triggiano zu sein für die Uber-Fahrt und das Mittagessen, reiste ich am Samstag 40 Minuten weiter nach Bari in die Hauptstadt Apuliens. Dort stellte ich mich auf den Parcheggio Alberotanza.

Es stellte sich heraus, dass das hier ein beinahe reiner Winter-Abstellplatz für Wohnmobile und Wohnwagen ist – mit gerade einmal drei Plätzen mit Stromanschluss für Durchreisende. Ich war die einzige ‘live-Kundin’ vor Ort.
Der Parkplatz ist eingezäunt und wird rund um die Uhr bewacht, und das ist ja auch schon sehr beruhigend.

Das Sonntag-Mittagessen bei Corinnas Familie war eine Freude ! (das oben ist ihre Titelseite zum Blog)
Der Uber-Fahrer Andrea holte mich pünktlich ab beim Parkplatz, und Corinna, ihr Mann Luigi und ihr 11jähriger Sohn Davide hiessen mich willkommen in ihrer grossen, schönen Wohnung mit dem üppigen Garten auf der riesigen Dachterrasse
– und nach einem gemütlichen Plauderstündchen gab es Mittagessen.

Und was für eines ! Ich war begeistert über die würzige Kürbissauce auf Pasta mit Hackfleischbällchen und Reibkäse ! Nach knusprigen Würfelchen aus Bratkartoffeln und Kürbis folgten verschiedene Frischkäse mit Brot. Ein Mozzarella hatte die Form eines festen Knotens, ein anderer bestand aus schnurdicken ‘Spaghetti’ und wird ‘Stracciatella genannt, und der Ricotta war ein luftig-zartes Wölkchen auf der Zunge. Nach der Schokoladentorte mit Birnen war ich dann endgültig kugelig-satt und glücklich !

Junior Davide hatte mich inzwischen eingeführt in die aktuellen ‘Lego-Fortschritte’ mit sprechendem Mario und licht- und soundhinterlegten Zügen, und ich war überrascht und beeindruckt von der Entwicklung der einst simplen Steck-Klötzchen.

Gegen drei Uhr nachmittags fuhr mich die Familie sogar noch zurück zum Parkplatz, von wo aus ich gleich nach Gallipoli abreisen wollte, um dort noch bei Tageslicht anzukommen.

Das mit dem Tageslicht hat nicht so planmässig geklappt, denn nach einer knappen halben Stunde unterwegs leuchtete (zum ersten Mal überhaupt) die orange Motorenlampe auf. Hilfeee !

Ich steuerte die nächste Tankstelle an, um herauszufinden, was es damit auf sich hat, und lernte: «Motor kontrollieren ! Es könnte sich um einen ernsthaften Motorenschaden handeln oder um einen sich anbahnenden solchen ! Im besten Fall ist es ein harmloser Wackelkontakt.» Da ich keine Ahnung von Motoren habe, beschloss ich zu meinen Gunsten, dass es sich um einen Wackelkontakt handeln müsse – und fuhr weiter. Schon weil weder das graue Wetter noch die graue Umgebung besonders anziehend waren.

Als Folge reiste ich immerhin etwas langsamer als sonst und nahm mir vor, auf der Stelle anzuhalten, falls die Motoren-Temperatur gefährlich ansteigen oder die gelbe Warnung durch die rote abgelöst würde. Dies brachte mich jeweils arg ins Schwitzen auf den zahlreichen Baustellen mit einer einzigen, schmalen Fahrspur zwischen Leitplanken und Betonklötzen.

200km und etliche Regenschauer später kamen mein Fiat ‘Dügg’ und ich zwar erst in stockdunkler Nacht, aber wohlbehalten an auf dem Camping Torre Sabea – und Fabio von der Rezeption hat mich doch tatsächlich noch erkannt nach drei Jahren !
Die Erleichterung und Freude, es geschafft zu haben, kann nur ein Motorenbanause nachfühlen, der weiss, dass er einfach nur Glück hatte..

Mein Stellplatz hier ist super – ausser dann, wenn es regnet wie in der Nacht meiner Ankunft.
Am Morgen danach stand ich in meinem eigenen See. Eine gute Ausrede, um einfach nur daheim herumzusitzen.

Inzwischen herrscht wieder eitel Sonnenschein,..

..und ich habe Gallipoli meine Aufwartung per Fahrrad gemacht.

Bei einem Glas Vino Rosato genoss ich die Sonne im Gesicht und sah dieser windzerzausten Möwe zu bei ihrer Brosamen-Jagd unter den Tischen.

Das ist Luigi, unser Wirt.
Was für ein charmanter Dandy !

Luigi führt mit seiner Frau Concetta das Restaurant auf dem Platz, und man isst wirklich gut bei ihnen.
Wie schön, dass die Beiden noch hier sind.

Pitule heissen diese heissen, frittierten Köstlichkeiten. Es sind luftig-knusprige Kartoffelkroketten und mit Oliven oder Gemüse gefüllte Pizzateig-Kugeln. Die Parmigiana danach war auch sehr gut, aber ich könnte mich locker nur von diesen frittierten Dingern ernähren. 😊

Ineke und Jort waren ebenfalls im Restaurant an diesem Abend.
Die jungen Holländer haben vor zwei Jahren einen Campingplatz übernommen in der Marche bei Ancona: www.campinglaluna.com. Die Feedbacks klingen durchs Band begeistert; vielleicht sehe ich ihn mir ja mal an bei Gelegenheit. Die beiden nutzten die Gelegenheit für ein paar Tage Zeltferien während ihrem für die Saison geschlossenen Platz, ehe sie sich an die Unterhaltsarbeiten dort machen.

Ach ja: ich war in der Multi-Car-Werkstatt um die Ecke. Der Chef hat eine halbe Stunde lang Daten ausgelesen und den Motor kontrolliert. Dann hat er mich informiert, dass mein Alarm von einem Airbag ausgelöst wurde. Er teilte mir bedauernd mit, dass er keine elektronischen Reparaturen mache, ich aber im Prinzip weiterfahren könne, und dann wollte er 10 Euro für die geleistete Arbeit… 😊

Claudia, meine Nachbarin in der Parallelstrasse, ist mit Ginger unterwegs, einer Hündin aus einem griechischen Hundeasyl. Sie ist eine grosse Hundenärrin und hatte auch schon drei Hunde gleichzeitig. Schon deshalb ist ihr Wohnmobil deutlich grösser ist als meines.

Achtung ! Katzenkreuzung ! Auf dem Platz hier wimmelt es von Katzen in allen Farben, und wenn sie es schaffen, quartieren sie sich gerne ein bei den Campern, am liebsten auf gepolsterten Stühlen im Vorzelt. Es geht ihnen allen gut, wie man beim Tiger rechts sieht.

Ich wünsche euch ein sehr erfreuliches, gänzlich dornenfreies Wochenende !

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