Ypres und sein ‘Last Post’, ein Ploegsteert im Logo, Champagner und ‘Aazelle, Bölle schelle..’

 

Der Campingplatz Hooghe Moote in Uxem (Frankreich mit flämischem Einschlag) schien mir anfangs etwas gar ‘siffig’ mit  seinen vielen, halb verfallenen Bungalows zwischen den Mobilen und Zelten (mein Platz war vor so einem Bungalow). Ausserdem war das WC eine halbe Wanderung entfernt und ständig belagert von einer Horde Teenagers. Ja klar, die Ferien hatten begonnen !

Am bald ausgetrockneten Weiher nebenan liefern sich zwei Gockel allabendlich ein Kräh-Duell…

..was die Enten dort nicht sonderlich zu stören schien. 

Das Essen im Restaurant auf dem Platz war jedoch vorzüglich, der Wirt sehr charmant, und ich lernte ein paar nette Leute kennen. Und ehe ich mich versah, gefiel es mir richtig gut hier (so einfach ist das nämlich..).
Ach ja, und hier ist ein neuer Restaurant-Name: Queue de Charrue oder Ploegsteert oder Pflug-Schwanz, -Sterz oder -Secht. Gemäss Wirt ist dies das rote Messer auf seinem Logo, welches eine Furche für den Pflug vorschneidet und damit den Kraftaufwand beim Pflügen verringert. Was man nicht alles lernt..   

Auf dem Feld nebenan ging es ebenfalls zur Sache !

Ich habe tatsächlich festgestellt, dass ich die leicht unordentlichen Campingplätze mit vielen Freiheiten oft besser mag  als die überaus gepützelten mit 100 Regeln an allen Wänden. Vorausgesetzt, die Leute an der Rezeption und meine Nachbarn sind einigermassen freundlich und die Toiletten und Duschen einigermassen sauber, versteht sich.

9.Juli 2026 – WM Spiel Frankreich – Marokko (auf einer grosser Leinwand im Restaurantgarten)
Dieser Franzose hat laut, begeistert und ziemlich daneben mitgesungen bei der Nationalhymne: Aux armes, les citoyens !
Sein amüsierter marokkanischer Freund im roten Fussball-Shirt sang seine eigene Hymne deutlich melodischer und deutlich zurückhaltender mit. Beklatscht haben wir beide Darbietungen ähnlich enthusiastisch.

Ich sass draussen mit Martine. Sie hat sich hier vor Jahren einen Bungalow gekauft und verbringt viel Zeit auf dem Platz: «Immer, wenn ich Gesellschaft brauche, komme ich aus der anonymen Stadtwohnung hierher». Das Restaurant war inzwischen voll, und da etliche Leute nach Zuschauerplätzen suchten zog ich (Fussballbanause) mich zurück und hörte später, dass Frankreich gewonnen hat. Schön für sie.

Dieser Weiher hat noch etwas mehr Wasser als der andere, passt aber offenbar dem Federvieh nicht so recht..

Zeit zum Aufbruch: das war mein Standplatz – schön im Schatten vor dem innen ziemlich ramponierten Bungalow (ich weiss das, weil die Türe offen stand).

Ypres/Belgien. Ein wunderschönes Städtchen !

Von Ypres wusste ich nur, dass es öfter genannt wird im Zusammenhang mit dem 1. Weltkrieg.
Inzwischen weiss ich, dass von 1914 bis 1918 Soldaten des British Commonwealth in Ypres stationiert waren, und dass 54’896 von ihnen hier starben bei den Flandernschlachten.     

1927 wurde das Gedenktor Menentor eingeweiht zu Ehren dieser vermissten Gefallenen.

Auf den beiden Seitenwänden sind die Namen eben dieser 54’896 Vermissten aufgeführt, die wahrscheinlich in Massengräbern endeten.    

Seit 1928 spielen Musiker jeden Abend das Signal ‘Last Post’ zu Ehren dieser Männer.
Einen Unterbruch der Tradition gab es von 1940 bis 1944, aber schon am Tag der Befreiung 1944 wurde sie wieder aufgenommen. Inzwischen ist der Ehrenabschied über 33’000 Mal gespielt worden unter diesem Bogen. 

Freitag, 10. Juli 2026. Gegen 19.50h kam eine Jugendmusik-Band anmarschiert.

Die Musik endete bei ihrer Ankunft unter dem Bogen. Dann standen sie einfach nur da – beinahe 10 Minuten lang, und es wurde ganz still, während Musiker und die vielen Zuschauer auf 20 Uhr warteten. Beeindruckend.

Punkt 20 Uhr erklang das kurze, melancholische Horn-Solo ‘Last Post’, dann spielte die Kappelle ‘Nearer my God to thee’, gefolgt von ‘Amazing Grace’ – beides Stücke, die die meisten von uns auch dann berühren, wenn uns keine eigene Geschichte mit dem 1. Weltkrieg verbindet.  

Graham aus Newcastle traf ich nach der Zeremonie vor der kleinen Bar an der Ecke (er sass dort an einem Zweiertisch mit dem einzigen freien Platz draussen). Auch er wohnt auf dem Campingplatz um die Ecke, und wir genossen eine sehr kurzweilige Stunde bei Bier und Wein und spazierten dann gemeinsam zurück. Hier erzählte er mir, dass auch sein Grossvater auf der Tafel hinter ihm verewigt ist. 

Graham ist mit diesem (nicht motorisierten !) Fahrrad unterwegs – und mit einem viel zu schweren Gepäckanhänger, wie er sagte, und er ist bereits beinahe 1000 Kilometer weit gefahren. Demnächst muss er zurück zur Arbeit, aber vor seiner neuerlichen Fährenüberfahrt nach Dover bewältigt er noch ein paar weitere Hügel und schlägt sein kleines Zelt noch ein paarmal mehr auf.

Samstag, 11. Juli 2026, abends. Tagsüber war es kochend heiss überall – ausser an meinem herrlich schattigen Platz.
Ich stehe auf dem letzten von drei (!) Plätzen auf dem festen Stück bis zur Wiese links ! Eine enge Sache hier – Stadt halt !

Eine belgische Schokoladengeschichte 😊
In der Chocolaterie ‘t Hemelryck in der Nähe des Menentor Denkmals habe ich mir 10 Pralinés gekauft und sie kritisch verkostet ! Natürlich immer im Wissen, dass die Belgier – im Gegensatz zu uns – keine Ahnung haben von Schokolade !

Und wisst ihr was ?
Diese Pralinés stehen – völlig unerwartet ! – auf derselben Qualitäts- und Köstlichkeitsstufe wie jene unserer Läderachs, Sprünglis und weiteren Meister-Chocolatiers ! Wer hätte das gedacht ! Unglaublich ! Stimmt aber ! Also gut: Ein Riesenkompliment an die belgischen Chocolatiers ! (sowas aber auch😊).
Der nette Besitzer fand, Belgier und Schweizer seien keine ‘Schokolade-Gegner’, sondern Partner für die gute Sache. Er ist offensichtlich von edlerer Gesinnung als ich.. 

Direkt vor dem Campingplatz. Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich Schafe
Ach ja ? Gut, dann lassen wir das vorläufig..
😊

Als ich gegen zehn Uhr abends zurück auf den Platz kam, war dieser Holländer mit seiner schicken Royal Enfield Maschine mit dem Motto ‘Don’t Panic’ auf dem Heck eben dabei, sein Zelt aufzubauen. 

Ich wollte eigentlich noch ein paar weitere Ziele in Belgien ansteuern und einen Zwischenhalt in Luxemburg einlegen, aber es ist schlicht zu heiss geworden für solche Pläne, und die Plätze sind zu voll.
Meine Weiterreise Richtung Reims (und Richtung Schweiz) führte durch eine der Kornkammern Frankreichs: Hügel und Ebenen waren voller goldener Felder, Strohmahden oder Strohballen, und manchmal trieb ein kleiner Windwirbel oder ein Traktor auf dem Feld riesige Staubwolken auf.  

Und schon war ich in der Champagne bei Reims gelandet ! (online pic)
Nachdem mir drei Campings die Antwort ‘ausgebucht’ mitgeteilt hatten, fand ich in Pouillon einen Champagner-Produzenten, der noch freie Plätze hatte.

Na ja: ZWEI Plätze, um genau zu sein.. 😊 Kein Strom, kein WC, nichts als ein Übernachtungsplatz, Aber gratis !  

Na ja, theoretisch gratis, weil ja auch beim Gastgeber ein Hintergedanke mitspielt… Also gut, ich kaufte also ein paar Flaschen Champagner (was ja nie ganz falsch ist) und habe wieder einmal ziemlich viel bezahlt für einen ‚Gratis-Platz‘. Ich habe aber immerhin eine Ecke beim Schopf gefunden mit wachsendem Schatten und liess die heisse Brise bei offenen Fenstern und Türen ihr Ding tun.. Geschlafen habe ich dort wunderbar !

Nun gab es ausser Kornfeldern auch Reben zu sehen. Brot und Wein also. Passt !

Nach einer unspektakulären, aber heissen Fahrt (wie gut, dass es Klimaanlagen gibt in Autos !) bin ich immer noch in der Champagne – auf dem Ferme Fromentel in Dosches bei Troyes – dieses Mal mit grosszügigen Plätzen unter Bäumen und einer tadellosen Sanitäranlage. Mein Handy sagt mir, wir hätten im Moment 36.4 Grad ! (Montag, 13.Juli, 15.30h). Wahnsinn !
Hier gefiel es mir richtig gut dank lockerer Platzbelegung. Die Chefin fand das Lockere an der Belegung eher weniger toll.

Meine englischen Platz-Nachbarn Nikola und Michael mit Sohn und ich haben etwas Wein gekauft beim fliegenden Händler, dem es heute nicht besonders gut lief bei den wenigen Kunden vor Ort.
Der selbst ausgebaute Ford Transit der Familie hat doch tatsächlich keine Klimaanlage, weshalb die drei so früh wie möglich abreisten am nächsten Morgen.

Irgendwo dort drüben fand am 13. Juli gegen 23 Uhr ein Feuerwerk statt. Ach du meine Güte: morgen ist ja Frankreichs Nationalfeiertag, der Quatorze Juillet !

In den Vogesen wurden aus Korn und Reben langsam dunkle Wälder und Berge, und dann war ich an der Mosel / Moselle.

14.7.2026. Ich stehe direkt am Fluss. Oder am Flüsschen. Ich hatte mir DIE MOSEL schon deutlich breiter vorgestellt.

Die Nachbarn erklärten mir dann, dass La Moselle in der Nähe entspringt und hier halt noch sehr jung ist.
Das gibt sich aber im Laufe ihrer 544km-Reise durch Frankreich, Luxemburg und Deutschland dank etlichen Zuflüssen, und was schliesslich bei Koblenz in den Rhein mündet, kann sich scheint’s sehen lassen ! Vom Nationalfeiertag hat man hier übrigens rein gar nichts bemerkt.

Ich bin in der Schweiz angekommen nach 10 Monaten unterwegs. Schön war’s.

Schön ist es auch hier in Wallisellen bei Anny ! 😊 Hurra, JETZT ist Sommer !
Habt alle einen sehr erfreulichen solchen
!