Stirling’s Hexenfelsen, Braveheart’s Denkmal, Hoddom’s Schlosspark und eine Prise schottisch..

Eigentlich wollte ich nach Monifieth bei Dundee noch weiter in den Norden reisen und mir Inverness ansehen, Nessie besuchen und mich von Ben Nevis beeindrucken lassen, dem höchsten Berg Englands mit seinen 1345 Metern (nicht vergessen: hier beginnt der Berg auf Meereshöhe !)
Dann sah ich mir die unrühmlichen Wetterprognosen an, erfuhr, dass Schottland regelmässig (und nicht überraschend) die kältesten Temperaturrekorde für Grossbritannien aufstellt und erkannte, dass ich in Zeitdruck geraten würde, wenn ich Mitte Juli in der Schweiz ankommen möchte. Also habe ich mich für zurück in den Süden entschieden.

Witches Craig Caravan Park in Stirling

Die jetzige Besitzerin an der Rezeption erzählte,dass der Name Witches Craig nicht etwa der Fantasie ihrer Eltern entsprungen sei, sondern einem Felsen in den Hügeln hier zu verdanken ist, der schon immer so hiess: Witches Craig, also Hexenfels. Ihre Hexensammlung ist beachtlich, wie man sieht. Es sind vor allem Geschenke von Stammkunden.   

Auch ein verwunschenes Kirchlein steht im Wald neben dem Camping.  

Braveheart !
Dieses Denkmal um die Ecke ist dem schottischen Freiheitskämpfer William Wallace gewidmet. Hier gewann er im Jahr 1297 mit seiner Truppe die Schlacht von Stirling Bridge.

Viele kennen Wallace’s Kampf der Schotten gegen die Engländer Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Kinofilm von und mit Mel Gibson.

Weiter ging’s. Ayr. Die Aussicht vom Heads of Ayr Camping Richtung Küste.

Wie immer und überall in Schottland: Schafe ! Ich mag diese hell getüpfelten Wiesen, die nachgerade ruhevolle Zufriedenheit ausstrahlen.   
Die Tiere müssen hart im Nehmen sein, denn es ist oft kalt und windig ! Und deshalb ist wohl auch die schottische Wolle besonders warm.

Eine raffinierte Schleuse für den Fussweg zum Strand in Ayr: Man stösst das nur angelehnte Gatter nach innen auf, stellt sich links in die Ecke und schiebt es am eingezogenen Bauch vorbei wieder zu. Schafe würden das nur schaffen, wenn sie das Männchen machen in der Ecke, und dafür sind sie wahrscheinlich schlicht zu wenig interessiert am grüneren Gras auf der anderen Seite.. 😊

Ich dachte, die Schotten sprächen das gängige Englisch bloss anders aus als andere Leute. Es ist aber anders, wie es scheint ! Da ich gälisch nicht verstehen würde, kann es eigentlich nur ein englisch-schottischer Dialekt sein – also so ähnlich wie Hoch- und Schweizerdeutsch vielleicht ? Aso guet, mir sammled üsen Abfall und nämed ihn mit hei !

Dieses Paar war am Achat-Suchen im Seegras. Sie hatten bereits eine kleine Handvoll gefunden und werden sie daheim schleifen, polieren und im Setzkasten präsentieren. Auch ein nettes Hobby, nicht ?

Das kleine, beinahe durchsichtige Hügelchen rechts vom Busch gehört zur Isle of Arran (gälisch: Eilean Arainn) im Firth of Clyde. Die 32km lange Insel gehörte während der Vikingerzeit zur norwegischen Krone und lebt heutzutage vor allem vom Tourismus. 

Wenn ich einen eigentlich britischen Ort in Google Maps suche, schlägt es mir manchmal Dutzende von Orten mit diesem Namen weltweit vor.

Dover zum Beispiel gibt es je 1x in England, Singapur und Kanada und 11 x in den USA ! Sogar das exotisch anmutende Ayr findet man in 4 verschiedenen Ländern. Bristol gibt es weltweit 35 x, Manchester 36 x, London 46 x und Richmond 55 x, und es gibt ganz viele weitere solche Beispiele. 

Die Erklärung ist einfach: die meisten Auswanderer suchten damals nicht das Abenteuer, sondern ein Überleben und eine wirtschaftliche Zukunft – und sie nannten in ihrem jeweiligen Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihre Niederlassung nach dem Ort, den sie in der Not und ungern verlassen hatten.

Schottland ist wild und wunderschön !
Wieder unterwegs am Mittwoch, 17. Juni 2026.
Ich folgte der Küstenstrasse südwärts von Ayr nach Stranraer und war überwältigt von den Ansichten unterwegs. Da die Strasse ausserhalb von Ortschaften recht schmal war, habe ich die Bilder einfach nur genossen statt Fotos beim Fahren zu versuchen. Für  dieses gälische ‘Willkommen’ (rechts oben im Bild) bin ich aber doch kurz und aus Versehen auf den Randstein gehüpft..

Hier habe ich die Gelegenheit für eine kurze Pause genutzt und die herrliche Küstenlandschaft bewundert.

Ein Fels, ein Fels ! Dieser hier heisst Ailsa Craig, liegt ungefähr mittig zwischen Glasgow und Belfast und wird auch ‘Paddy’s Milestone’ genannt (Paddy = Ire).

Die Insel ist unbewohnt und deshalb ein Brutparadies für Basstölpel und Papageientaucher.
Bekannt ist sie allerdings auch als Lieferantin von hochwertigen Curling-Steinen, weil ihr spezieller Granit nicht so leicht kaputtgeht bei Kollisionen mit anderen Steinen auf dem Eis.

Angekommen bin ich auf dem Aird Donald Caravan Park in Stranraer. Am ersten Tag fuhr ich einkaufen mit dem Velo (dramatisches Abendlicht, wie man sieht – unbearbeitet !), und am zweiten hat es durchgehend geregnet. Also doch keine Hafenbesichtigung und Flanieren im Ort. Schade.

Mein nächstes Ziel wäre Kircudbright gewesen, aber dort wird die Brücke repariert und ist gesperrt für Schwerverkehr wie mich 😊 (beim nächsten Versuch lehnte unten sogar eine Tafel mit ‚No camper vans !‘)  Und deshalb ging es weiter bis nach Hoddom. Es hatte zu regnen aufgehört, aber schön wäre anders.. Das hier sieht immerhin ziemlich stimmungsvoll aus für diejenigen, die  Novemberstimmung im Juni mögen..

19.6.2026. Hoddom Castle Caravan Park

Ich wohne doch tatsächlich in einem Schlosspark ! Das Schloss stammt aus dem 16. Jahrhundert und beherbergt die Rezeption, einen kleinen Laden, Sanitäranlagen und eine Waschküche.

Eine so alte Geschichte hat natürlich auch Nachteile: Es muss zum Beispiel ständig etwas bröckelndes renoviert werden…

..und heisses Wasser in den uralten Mauern gibt es nur dank diesem Holzofen, den die beiden Angestellten (sie arbeiten auch an der Rezeption) gerade am Befüllen sind. Deshalb sind die Duschen hier unten zu finden – und damit gut 350m von meinem Platz entfernt (WCs gibt’s zum Glück in der Nähe). Mit meinem Duschgang, einer Wäsche und Tumbler-Trocknen, Nachtessen im Restaurant und einer kleinen Platzrunde habe ich doch glatt 5 Kilometer zu Fuss gemacht, ohne den Platz zu verlassen !

Geradeaus die Strasse hoch und dann nochmals so weit nach rechts ist mein Weg nach Hause – keuch…

Hier oben bildeten wir ein ‘Schweizer Zufalls-Trio’: vorne Hanspeter aus Embrach und in der Mitte ein Aargauer Paar, das heute früh fröhlich winkend abgereist ist – noch unbekannterweise, weil man beim gestrigen Dauerregen niemanden draussen antraf.   

Der Platz ist riesig und wird sehr gepflegt. Unter dieser Brücke hindurch geht es auf einen grossen Golfplatz.. Noblesse oblige.. 😊

20.6.2026. Unser Schlossrestaurant !
Heute bei herrlichem Wetter ! Die Pizza aus dem Holzofen war einfach perfekt ! Damit ich wieder einmal Gemüse gegessen hätte, bestellte ich die vegetarische Version mit zusätzlich Schinken drauf😊   

Übrigens gibt es auch hier Dutzende von Bungalows. Sie – und der Campingplatz – sind geschlossen von November bis März. Die Besitzer der Häuschen benötigen also eine zweite Residenz für den Winter.

Dies gilt für beinahe alle Bungalow-Arrangements, wie ich inzwischen gelernt habe. Es gibt auch viele Bungalow-Plätze, die nicht zusätzlich als Campingplatz dienen.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass die meistens alten Dauerbewohner das bunte Treiben durch Campinggäste schätzen, weil damit auch einmal Junge auf den Platz kommen – und fröhlich spielende Kinder oder Hunde, mit denen sich ihre eigenen verstehen könnten.  

21.Juni 2026. Der längste Tag des Jahres ! Das ging ja rasant !
Ich rutsche ein Stück weiter nach unten – und tausche damit die schottische wieder gegen die englische Flagge ein.

Apropos: Hast du gewusst, dass der ‘Union Jack’ in seiner jetzigen Form seit dem Jahr 1801 die Kombination aus Englands St. George’s, Schottlands St. Andrew’s und Nordirlands St. Patrick’s Kreuzen darstellt ? Nein, ich auch nicht.. 😊

Dass der Drache von Wales auf dem Union Jack fehlt, liegt daran, dass Wales 1801 ein Teil Englands war.
Beim Vorschlag rechts für einen neuen Union Jack würde sich Wales’ Drachen zwar gut machen, wäre den anderen drei Regionen aber wohl etwas zu zentral und augenfällig..

Wie auch immer: weiter geht’s !
Ich wünsche euch eine nicht ganz so feuerspeiend-heisse Woche wie die Vergangene es offenbar war ! (ich finde meine 24 Grad von heute bereits ziemlich warm ! 😊)

5 Gedanken zu “Stirling’s Hexenfelsen, Braveheart’s Denkmal, Hoddom’s Schlosspark und eine Prise schottisch..

  1. Avatar von Holger Busch Holger Busch

    Wir finden dein Wetter super!

    Da wir gerade in Frankreich am Atlantik auf der Höhe von Bordeaux sind und bei 40 Grad im wenig vorhandenem Schatten leben müssen!

    LG Heike und Holger

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    1. Ach du meine Güte ! Ihr Armen !
      Da köchelt man dann wohl im eigenen Jus vor sich hin, oder ?
      Nichts wie ab in den Atlantik !
      Zum Schwimmen ist es mir hier zu kühl.. Wie man’s hat, ist es nicht recht, oder ?
      Liebe Grüsse und ein laues Nacht-Windchen schicke ich euch !

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      1. Ist Geschmacksache. Ich finde es strukturierter, man kann schauen (wenn von Reisenden zugelassen) was andere so in der Umgebung machen. Besonders schätze ich den Routenverlauf, den deine Freunde mitverfolgen können. Übersichtlich auf der Landkarte dargestellt. Mitverfolgen kann man, wenn man einen Link bekommt für eine Reise.
        Man kann auch einfach Mitglied werden und bei seinen Freunden ohne Link mitreisen oder auch bei unbekannten Personen stöbern, wenn diese das zugelassen haben.

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