
Also das war so: Málaga ist eine der ältesten Städte Europas. Sie wurde ca. 1000 v.Chr. von Phöniziern gegründet, war danach während ein paar Hundert Jahren in römischen Händen, schliesslich zogen germanische Vandalen (aha, daher !) durch die Gegend und schliesslich besetzte auch ein westgotischer König Leovigild sie noch.
Aber dann, um das Jahr 711 herum, kamen die Mauren aus Nordafrika über Gibraltar und islamisierten nach der Eroberung beinahe die gesamte Iberische Halbinsel (der grösste Teil dieser Truppen waren allerdings keine arabischen Muslime sondern Berber aus dem Atlas-Gebirge des heutigen Marokkos. Knapp 800 Jahre lang, bis zum Ende des 15. Jahrhunderts, konnten sie sich behaupten, und Malaga als Handelszentrum erlebte ein goldenes Zeitalter unter der Herrschaft der Araber.
Und jetzt kommts: die Zeit unter maurischer Herrschaft war geprägt von einer großen Toleranz gegenüber der christlichen und jüdischen Bevölkerung, denn die Kalifen sahen sich als Herrscher dreier Religionen (na also – es ginge also auch anders). Sie erlaubten zum Beispiel auch weiterhin den Weinanbau.
Die christliche Wiedereroberung (Reconquista) nahm gegen Ende des 11. Jahrhunderts die Unerbittlichkeit eines ‘Heiligen Krieges’ an. Die Kirche kämpfte inzwischen gegen alle Andersgläubigen, auch gegen die in Andalusien lebende Minderheit der Juden. Ausgrenzung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung besiegelte nicht selten deren Schicksal (………). 1492 fiel schliesslich die letzte Bastion Córdoba zurück in die Hände der Christen – und an die spanische Krone.
Mitteleuropa war zu der Zeit ein noch wenig zivilisiertes Gebiet, und das maurische Spanien bescherte dem Abendland die wertvollen Schriften arabischer Gelehrter und antiker griechischer Philosophen.
Auch heute trifft man immer wieder auf Hinterlassenschaften der maurischen Kultur – wie eben die Alcazar (=Festung, Zitadelle) in Málaga, die gleichzeitig ein Kalifenpalast war.
Die Anlage wird mit viel Aufwand gepflegt und bietet wunderschöne Ansichten

Der Hafen von Málaga – von der Alcazaba aus gesehen

Arabische Details in der Säulengestaltung und in den Raumdecken (unten)

Und immer wieder ganz besonders bezaubernden Ansichten




Pablo Picasso, ein Sohn Málagas
* 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien; † 8. April 1973 in Mougins, Frankreich
Das Picasso-Museum liegt mitten in der Altstadt von Málaga und ist in einem schönen Gebäude aus dem 16. Jahrhundert untergebracht, das duch seinen Stilmix auffällt.

Da ich auf der Alcazaba schon sehr viel Zeit mit ‘Schauen’ verbracht hatte, wäre ein Konzert wahrscheinlich besser angekommen als noch mehr visuelle Reize.
Dennoch war es interessant, Picassos Schaffen von beinahe acht Jahrzehnten in einer Art chronologischer Reihenfolge anzusehen.
Dabei hatte ich auch den Geistesblitz des Tages: das wäre doch die Gelegenheit, ganz einfach Sprachen zu üben, denn die Bilder sind alle in Spanisch und Englisch angeschrieben, und mit der Unterstützung der Bildes selber haben wir spielerisch Sprache und Kultur gleichzeitig.
So ungefähr hatte ich mir das vorgestellt (die Jahreszahl sollte es als Kunst-Bonus dazugeben):

Ich zückte also mein Handy und machte begeistert die ersten zwei Fotos von Text und Bild – und zack – stand da eine Museums-Polizistin und verbot mir den Fotografier-Spass für den Rest meiner Museums-Visite.
Ich habe mich natürlich sofort beleidigt in den sonnigen Museum-Innenhof verzogen und dort einen Espresso getrunken. Leider hatte ich es versäumt, eine volle Tasse zu bestellen, und so war der Trost nach einem knappen Fingerhut Kaffee bereits wieder vorbei – und ich habe mich mangels Alternativen wieder der reinen Kunst gewidmet 🙂
