Hasta luego, Tarifa !

22. März 2026. Der Campingplatz Torre de la Peña ist einer von der Sorte, die man nur sehr ungern verlässt, weil man sich hier so daheim fühlt.   

Ich kenne inzwischen etliche meiner Surfer-Nachbarn, die seit Jahren für sechs Monate hierherkommen, und mit einigen der kürzer Verweilenden habe ich deren letzten Abend auf dem Platz mitgefeiert. Bei einigen war ich froh, dass sie abreisten, bei anderen tat es mir richtig leid.  Also genau wie im richtigen Leben. 😊 

Ich weiss, in welchem Laden ich am besten was einkaufe, wo ich gerne wieder hinfahre mit dem Velo, wo man gut isst und wen ich bestimmt antreffe beim Apéro im El Chozo.
Ich habe ausserdem die Erfahrung gemacht, dass die beiden Waschmaschinen morgens meistens besetzt sind und ich meine Wäsche besser auf den Nachmittag plane.

Und ich habe diese Traumsicht direkt aufs Meer und bis nach Afrika, wenn ich am Tisch sitze (oder in meiner Beifahrersitz-Lounge 😊).
Links sehe ich an klaren Tagen Tarifa City, über dessen Strand nachmittags Schwärme von Kite-Surfern flattern – und rechts drüben wartet das El Chozo, wo es auffällt, wenn ich einmal nicht zum Apéro komme. Das ist Daheimsein !

In der ‘Braseria Vaca Loca’ haben Cornelia und ich an der Bar beim Grillieren ihres Gemüsespiesses und meines Filets zugeschaut und sind dabei ganz selbstverständlich ins Plaudern geraten mit unseren Barstuhl-Nachbarn. Es ist immer sehr unterhaltsam in diesen engen Bars.

Ich habe zwar meine Abreise immer wieder um eine Woche verschoben, aber demnächst sollte ich den Absprung endlich schaffen – nach nicht einmal ganz vier Monaten… 😊

Vorher gibt’s hier noch ein paar Augen- und Rückblicke:

Cornelia aus dem Thurgau und die einstige Balletttänzerin Annamaria aus Amsterdam bieten uns hier einen Silhouttentanz im Abendlicht.  

Samstag-Flohmarkt in Chiclana

Diese Warenhaufen-Wiese gehört den Afrikanern. Suchbild: Annamaria mit Hündchen Chica… 😉

Es gibt aber auch viele schön präsentierte Stände.
Wie gut, dass ich schlicht zu wenig Platz habe für die Dinge, die ich sonst gerne gekauft hätte..

Danach gab’s Kaffee und Kuchen gleich neben dem Flohmarkt – mit einer müden Chica nach all den spannenden Markt-Gerüchen.
Chica ist übrigens ein Tibet Terrier und per Bestimmung ein Hütehund für Viehherden auf bis zu 5000 Metern Höhe, und ihre Zottelhaare sind eine praktische Ganzjahres-Klimaanlage.

Auf dem Camping Torre de la Peña lebt seit Monaten ein grauhaariger Deutscher, der tatsächlich mit nur seinem Fahrrad und Zelt hier eingetroffen ist.
Die verregneten Wochen hat er ganztags im gemeinsamen Aufenthaltsraum neben dem El Chozo verbracht und lautstark Verschwörungstheorien angehört auf seinem Handy.
Auf den höflichen Hinweis auf Kopfhörer meinte er, dass Kinder ja auch laut seien und er bestimmt kein Geld ausgebe für den Komfort von anderen..
Ach ja ? Kinder machen aber fröhlichen Lärm und verbringen nicht täglich acht Stunden damit, hustend die Nase hochzuziehen und Negativismus zu verbreiten. Pffft !

Sonntag, 8.3.2026, Weltfrauentag.
Anderswo sind die Mimosen längst verblüht, und hier beginnt die Blüte erst, was nicht wirklich überrascht nach dem kalten Regen der letzten Wochen.

Ich habe unserem Platzchef Juan mein Mitgefühl darüber ausgedrückt, dass es keinen Weltmännertag gibt, worauf er trocken meinte: «Ach weisst du, die anderen 364 Tage des Jahres sind ja Männertage; das reicht uns schon !» 😄

Heute war auch Flugwetter. Ein ganzer Schwarm dieser Kite-Vögel zog oft gefährlich nah an unseren Laternen vorbei und drehte Runden im Windkreisel vor unseren Plätzen. Doch, hier wird ganz schön was geboten !

Apropos.: Dieser deutsche Fahrer hat beim Abreisen die Kurve etwas zu eng genommen und ist mit dem rechten Hinterrad in ein Loch gefallen. Glücklicherweise fanden sich augenblicklich jede Menge Experten vor Ort, die das Anschleppen und Unterlegen von Steinen und Balken mit Kennerblick, guten Ratschlägen und den Händen in den Taschen verfolgten, bis das Ding wieder flott war.

Faro di Trafalgar bei Los Caños de Meca
Dieser verträumte Pinienwald liegt 60 km nördlich von hier.   
Cornelia hat mich eingeladen auf eine Exkursion zum Leuchtturm dort. Toll !

Auf dem Leuchtturm-Inselchen selber ist es richtig idyllisch trotz der unansehnlichen Wohnblöcke im Vordergrund.

Diese uralten Felsen bestehen aus Sand- und Kalkstein und werden schichtenweise ausgewaschen, bis sie an alte Buchseiten erinnern.  

Zurück im Bar-Viertel der Insel vor dem Leuchtturm. Es ist Freitag; für viele Spanier beginnt nun das Wochenende, und die Bars und Restaurants füllen sich.

Wenn man sich einen Leitspruch aufs Auto malt, ist es eine gute Idee, dies in einer Sprache zu tun, die man beherrscht – oder sich vorher zu erkundigen, wie es richtig heisst.. Ausser natürlich, man ist too old, too young or too arrogant to ask..


Andrerseits bin ich vielleicht nur neidisch, weil dieser Pössl viel schönere Felgen hat als meiner.. 😊.

AlternativVorschlag:
Z’alt zum Schaffe, z’jung zum sterbe
Ich reis’ mit mim Büssli statt öppis z’vererbe..

(wobei das mit dem Nichts-Vererben auch nicht so doll klingt).

Der Wohnmobilist links macht sich sicher ungemein beliebt bei seinen (ebenfalls !) Sprücheklopfenden WoMo- Artgenossen..

Genau WEIL der Verwahrlosungs-Spruch der Wahrheit entspricht, sollten wir ihn unbedingt für uns behalten ! 😊

Mir fällt gerade ein, dass es vor ein paar Jahren nur so wimmelte von ‘Carpe Diem’ bemalten Mobilen (es gab sie auch in Staus, auf der Autobahn oder im Strassengraben zu sehen). Nutze/Geniesse den Tag. Gut zu wissen !

Mir selber gefallen die meisten Windrosen-/Kompassbilder. 
Also gut: es ist halt ganz vieles Geschmacksache ! Und deshalb sage ich nichts zu den anderen, versprochen !
Nicht einmal dann, wenn ich die Gelegenheit dazu hätte ! 😊

Dieses Mal nahmen Cornelia und ich uns den etwas näher bei Tarifa gelegenen Leuchtturm beim Cabo de Gracia vor.

Der Leuchtturm ‘Faro Camarinal’ ist in der Nähe des Dorfes Zahara de los Atunes zu finden.
Auch hier dient das Leuchtfeuer der Schifffahrt auf der Strasse von Gibraltar, und hier – wie oft entlang der Küste – stehen noch einige Bunker aus dem zweiten Weltkrieg.

Von der Turmplattform aus hat man einen herrlichen Blick auf die ‘Playa de los Alemanes’.
Es gibt verschiedene Theorien darüber, warum er Strand der Deutschen genannt wurde. Die eine besagt, dass sich hier einst Nazis vor dem Vormarsch der Alliierten versteckten; eine andere, dass die Deutschen hier eine Basis unterhielten – und eine weitere, dass sich in den Sechzigerjahren eine grosse Gruppe von Deutschen hier niederliess.
Was auch immer: der Strand ist wirklich schön !

Die Aussichten von hier oben sind auf jeden Fall traumhaft, und weil man nur zu Fuss hierher kommt vom anderthalb Kilometer entfernten Parkplatz, ist die Stelle selten überbevölkert.      

In dieser riesigen Felswand weiter oben am Hang brüten die Gänsegeier, für welche die Gegend bekannt ist.
Wir sahen sie zwar fliegen, aber sie waren nie nah genug für doch eher bescheidene Handy-Aufnahmen.  

Ein Franzose, der oben an der Strasse parkiert hatte, zeigte uns seine Aufnahmen mit dem Riesen-Objektiv.
Er erzählte, dass er sehr oft hierher kommt zur Geierbeobachtung.
(Ich staune immer wieder, wie viele «Parallelwelten- und Leidenschaften» es gibt, von denen man meistens nie erfährt). 

Zurück in Tarifa City…

Der wirklich südlichste Punkt des europäischen Festlandes liegt dort hinten zwischen Mittelmeer und Atlantik auf der kleinen Isla de las Palomas neben Tarifas Hafen.

Ein Besuch beim Leuchtturm dort wäre bestimmt toll.
Habe ich schon erwähnt, dass ich Leuchttürme (bzw. ihre Standorte) total faszinierend finde ? 😊

Leider ist der Insel-Zugang durch die Festungs-Ruine momentan geschlossen.

Wer dennoch eine Burg besichtigen möchte, kann das Castillo Guzman el Bueno in Tarifa besuchen. Ein Kalif liess es im Jahr 960 erbauen.   

Vom Inselchen aus eröffnen sich einem auch so ganz neue Perspektiven.

15. März 2026 Le Petit Bistro de Paris hat heute die Saison eröffnet.

Annamaria und ich haben unser französisches Essen in der Sonne einfach nur genossen !

Auch Pizza wird in Tarifa an jeder Ecke angeboten, hier in der Pizzeria Pueblo Nómada.

Die Pizza schmeckt gleich nochmal so gut mit so einem Sonnenuntergang im Hintergrund.

Auch hier ist es ganz plötzlich Frühling geworden mit einem sonnigen Farbenrausch und angenehmen Temperaturen.
Die Vögel halten nordwärts, und ich werde es ihnen demnächst (bestimmt, vielleicht sogar wahrscheinlich) gleich tun.😊  

Ich wünsche euch einen sonnigen, wonnigen Sonntag