
Ich geniesse meine Sommerpause in vollen ZĂŒgen.
Erst noch war ich in Warschau und wartete ab, ob mich das Wetter nach einem Regentag animieren wĂŒrde fĂŒr einen Stadtbesuch. Nach den langen Fahrtstrecken im Norden war ich allerdings bereits etwas reisemĂŒde und fing an, mich auf die Pause zu freuen.

Die Landschaft Polens ist nicht aufsehenerregend, aber sehr hĂŒbsch. Ich kam an vielen Storchennestern vorbei, und auf den Wiesen waren grosse Gruppen der Langbeiner auf der Futtersuche zwischen frisch geschnittenen Grasmahden.
In Polen sieht es ein wenig aus wie bei uns im Flachland: Felder, WĂ€lder, kleine Dörfer, dazwischen Baumreihen, manchmal etwas grössere StĂ€dte, die ich jeweils gerne umfahre. Ich habe auch einzelne, von Eseln gezogene, Holzkarren gesehen. Aber obwohl die HĂ€user auf dem Land oft etwas bescheidener aussehen als bei uns, waren die Dörfchen blitzsauber und hĂŒbsch, die HĂ€uschen in verschiedenen Farben bemalt und von gepflegten VorgĂ€rtchen eingefasst. Auch die Strassen selber waren sauber, und an den Bushaltestellen habe ich keinen herumliegenden Abfall gesehen.
Ich stelle immer wieder fest, dass die meisten meiner Vorurteile schlicht falsch waren (vielleicht mit Ausnahme jener, welche die Russen betreffen… đ)

Kein sehr typisches Haus auf dem Land – aber ein schönes polnisches Beispiel fĂŒr ein kunstvoll gearbeitetes Schindeldach

Es ist seltsam, wie beharrlich wir entgegen allen Erfahrungen hoffen, dass uns Freunde und Familienmitglieder fĂŒr immer erhalten bleiben. Einfach, weil das so schön wĂ€re.
Wir wĂŒssten âesâ zwar besser, aber die Illusion hĂ€lt sich beharrlich. Und eines Tages beginnen sich die Reihen zu lichten, und die grösseren und kleineren Kreise von Menschen, zu denen man gehört und in welchen man sich so daheim gefĂŒhlt hat all die Jahre, werden kleiner. Und immer wieder geht im Bild der ureigenen Welt ein Lichtlein aus, von dem man glaubte, dass es immer leuchten wĂŒrde in seinem Winkel.
Noch in Warschau erhielt ich die Nachricht, dass eine Freundin im Sterben liege â und beschloss, die Heimfahrt nicht weiter aufzuschieben. Ich durchquerte Polen und Deutschland in kĂŒrzester Zeit â und kam um ein paar Stunden zu spĂ€t hier an. Nachdem ich in diesem Jahr schon weitere Freunde und Bekannte verloren habe, muss ich erkennen, dass unsere Generation so etwas wie nachgerutscht ist im âCircle of Lifeâ. Ich bin froh, dass wir die Feste gefeiert haben, als wir dies noch gemeinsam tun konnten.



Unterm Kirschbaum
Und dann stand ich wieder im Schatten des Kirschbaums auf dem Hof meines Bruders und seiner Frau und freute mich ĂŒber die vielen Katzen vor der Scheune, die FĂŒchse auf der Feldstrasse, das KĂ€uzchen im Haselnussstrauch und die Pferde auf der Wiese. Nachdem ich so lange gejammert hatte ĂŒber die relative KĂ€lte im Norden, schwenkte ich nun nahtlos um und beklagte mich ĂŒber die unglaubliche Hitze (manchmal kann man es den Leuten einfach nicht recht machen).. đ

Als es aber gar zu heiss wurde, liessen wir uns von Wasserauen aus auf den 2262 Meter hohen ChĂ€serrugg fahren mit Zahnrad- und Luftseilbahn, und wir freuten uns ĂŒber die angenehmen 22 Grad dort oben ebenso wie ĂŒber eine dramatisch schöne Aussicht auf die Berge und auf Walenstadt hinunter.

Das luftige Gipfelrestaurant aus viel Holz nach PlÀnen von Herzog & de Meuron ist ebenso einen Besuch wert wie die Blumenwanderung mit Schautafeln auf dem Rundweg. Sehr lehrreich.


Bei einem âEhemaligen-Treffenâ der Swissair Ăbermittlungszentrale Mesco (lang, lang istâs her..) im Limmatclub ZĂŒrich kamen wir in den Genuss einer Weidling-Fahrt und schönen Ansichten von der Stadt. Und zu einem vergnĂŒglichen Essen auf der Terrasse am Flussufer.

WĂ€hrend meinem allerersten âHousesittings mit Pflanzen und zwei Katzenâ fĂŒr eine Freundin hatte ich eine Woche lang ein schönes Haus und einen Park fĂŒr mich allein. Herrlich! Das ist eine Arbeit, die mir gefallen könnte.

Im Restaurant der Tössegg, wo der Rhein einen Knick macht, gab es die besten Fischknusperli des Jahres â und einen feinen Riesling aus der Gegend fĂŒr mich und meine Freundin Susy..

..und im âStĂŒtzlifĂŒffzgâ in Winkel zum Abschluss des fröhlichen Nachmittags ein SpeckplĂ€ttli.. Schön warâs !

Bei Andy und Urs habe ich mich wieder einmal an selbstgemachte Nudeln gewagt und weiss nun auch wieder, dass die Putzerei danach das Anstrengendste ist daran.. đ

Mit Urs habe ich im Hiltl Restaurant in ZĂŒrich meinen ersten âChaiâ getrunken und ĂŒberrascht festgestellt, dass der richtig gut schmeckt und irgendwie ,Kaffee und Kuchen, in einem ist…Â

Vom Lindenhof aus haben wir ZĂŒrichs Altstadt von oben bewundert..

..und uns danach im Innhof des ZĂŒrcher Landesmuseums von der sommerlichen Feststimmung mit Musik, Bars und Beizlein anstecken lassen.

An einem heissen Sommertag waren wir auf dem Bodensee unter der kundigen FĂŒhrung unseres Captains Andy auf seinem Boot, welches es hier mit Geschick aus dem Hafen von Altenrhein fĂ€hrt nach einem erfrischenden Zwischenstopp.

Die Weite des Bodensees ist wunderschön ! So ein gemĂŒtlicher Nachmittag auf dem Boot in einer seichten Bucht, danach den Wind in den Haaren und die Vorfreude auf ein Essen im Hafen-Beizli von Steinach – traumhaft !
(Hm. Inzwischen bereue ich es doch ein wenig, dass ich nicht schwimmen gegangen bin. Vielleicht kann ich mich ja nĂ€chstes Mal ĂŒberwinden, in die kalte Frische des Wassers einzutauchen..).

Auch in Augwil, wie unter dem Kirschbaum, ist es jedes Mal wie ein Heimkommen. In den BĂ€umen ums Haus hĂ€mmert tĂ€glich ein Specht, unten im Tal dreht ein Milan-Paar seine Runden ĂŒber der Pferdewiese, und auch ein MĂ€usebussard hoch ĂŒber den DĂ€chern gehört zu den StammgĂ€sten. Weit unten hinter den BĂ€umen startet hin und wieder ein Flugzeug der Edelweiss Air und vervollstĂ€ndigt die Ferienidylle.
Ich habe bisher die Zeit vorbeiziehen lassen, als ob ich endlos davon zur VerfĂŒgung hĂ€tte.
Nun zeigen sich aber die ersten Herbst-Vorboten; es wird Zeit, dass ich Dinge wie den grossen Autoservice oder meine geplanten Besuche anpacke.
Schon versammeln sich nĂ€mlich die ersten Stare auf den BĂ€umen; die Morgenwiesen sind feucht, und die ĂŒberreifen Zwetschgen und Mirabellen hinter dem Haus fallen mit feuchtem Klatschen auf den Gehweg.
