Aus dem Nähkästchen geplaudert: Camping-Episödchen..

1_Gatto

Hunde und Menschen. Und Schlüssel..

Auf der übernächsten Parzelle ist ein altes Paar in einem neuen Wohnmobil angekommen. Beide sind klein und dicklich und gehen etwas gebeugt.
Die ‘Fernsehschüssel’ auf dem Dach drehte zehn Minuten lang, währenddem der Mann immer mal wieder ein paar Zentimeter vor- und zurücksetzte. Dann war es soweit: TV läuft, das Wichtigste ist geschafft ! Eine Stunde später fuhren drei Platz-Mitarbeiter vor und sägten das diebstahlsichere zweite Schloss an der Türe auf, für welches das Paar den Schlüssel daheim vergessen hatte..

2_TürschlossLinks von der Tür hängt noch die eine Schlosshälfte, die nun nichts mehr nützt

Nun konnte es also endlich losgehen mit dem Entspannen: die Frau liess sich sogleich von einem grossen Hund über den Platz schleifen und kam zehn Minuten später völlig erschöpft zurück und zog nun ihrerseits den Hund hinter sich her, denn der Wuffi war offensichtlich noch nicht fertig mit Spazierengehen und liess sich wie ein Schlitten über den Platz ziehen.
Falls das Paar den Hund zur Förderung ihrer Fitness gekauft haben sollten, dürften sie ihr Ziel bereits erreicht haben. Vielleicht sollten sie den Besuch einer Hundeschule aber dennoch in Betracht ziehen, denn der Hund wird noch grösser und stärker, sie jedoch eher nicht..

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Familienwochenende – zur Nachahmung empfohlen !

Gestern Samstag Morgen parkierten zwei grosse Alkoven-Mobile so, dass die ‚Wohnungstüren‘ einander gegenüber standen. Dann ergossen sich vier Kinder und ebenso viele Erwachsene, vier Fahrräder, zwei Markisen, eine abschirmende Rückwand, ein Heizstrahler, ein Grill, ein Tisch, acht Stühle – und ein grosses Radio auf den Platz. Und ! In weniger als einer halben Stunde stand alles tadellos – ich war beeindruckt.

Die beiden Familien sind aus Neapel und verbringen öfter solche Wochenenden miteinander, daher die Routine. Die Kinder hörte und sah man nur zu Essenszeiten (Abendessen gabs um 21.30 Uhr), alle sahen sehr zufrieden aus, und der unaufgeräumte Keller daheim spielte offensichtlich überhaupt keine Rolle mehr.
Sehr zur Nachahmung empfohlen ! (ich würde allerdings das Radio daheim lassen: acht Leute und ein Sportreporter, die gleichzeitig reden, sind mindestens einer zuviel)..

Touristenstädte meiden am Wochenende !

Das Innerschweizer Paar wollte gestern Samstag die Sixtinische Kapelle besuchen. Sie stellten sich in die Warteschlange und erfuhren dort, dass es von diesem Punkt aus voraussichtlich drei Stunden dauern würde bis zum Einlass. Offenbar sind also die Touristen zurück im Land. Die Beiden haben beschlossen, sich vorläufig mit den Online-Bildern zufrieden zu geben…

4_OttavoColleIm Restaurant Ottavo Colle oben auf dem Hügel kochen sie gut ! Die Pizza von hier war tadellos !

Rendezvous mit Gino

Gerade als ich gestern fertig geworden war mit meinem Haushältchen, kam Gino vorbei und hat mich spontan zum Pizza-Essen bei sich eingeladen. Wir haben schon ein paarmal miteinander geplaudert, wenn er sein Elektrogefährt kurz angehalten hatte.  Und da er ein unterhaltsamer, interessanter Gesprächspartner war, sagte ich: „Ja gerne“, denn etwas  Gesellschaft hin und wieder ist einfach nett.

Er ist einer jener Angestellten, die neun Monate durcharbeiten und danach drei Monate lang frei haben, deshalb wohnt er in einem Bungalow auf dem Platz.
Er fuhr also gegen neun Uhr abends bei mir vor mit der Pizza, und ich sagte, wir könnten sie auch gerne bei mir essen. Nein, nein, meinte er, in seinem Haus hätten wir viiiel mehr Platz! Also fuhren wir mit der Pizza und flatternden Seitenvorhängen aus Plastik auf den Hügel zu seiner Villa.

Mehr Platz ? Ha ! Vom niedrigen Tisch vor dem Sofa (der einzige Sitzplatz und gleich vor der Küchenzeile) war gerade mal ein knapp pizzaschachtelgrosses Feld nicht belegt mit Zeitungen, Werkzeug und Ramsch. Auf einem Regal stapeln sich die Nippes, die er von Gästen erhalten hat: Eifeltürme, Schneekugeln, Sphinx, Plastikpferdchen, Teddybären und Pyramiden. Jede Oberfläche ist vollgestellt mit Dingen, und über allem liegt ein grauer Schleier. Wahrscheinlich von der Heizung. Der Wasserhahn tropft beharrlich und die Vorhänge sehen aus, als wären sie vor zwanzig Jahren zum letzten Mal gewaschen worden.

Gino goss kupferroten Wein aus einer (wahrscheinlich vor einem Monat geöffneten) Flasche in zwei beinahe undurchsichtige Biergläser und reichte mir einen Teller, der noch die Spuren von mindestens zwei Mahlzeiten aufwies. Wir sassen nebeneinander auf dem Sofa und unterhielten uns, währenddem ich versuchte, die schwarzen Flecken rund um die Griffe der Küchenschubladen nicht anzustarren. Ich ass tapfer zwei Stück Pizza und trank den schlechtesten Wein meines Lebens aus.

Und dann sagte Gino unvermittelt, dass er die Arbeit hier lange genug gemacht hätte und eine nette Frau suche, mit der er in Zukunft ein einfaches Leben führen würde in einem kleinen Häuschen weit draussen im unberührten Land; alles kein Problem, da er Agrar-Ingenieur sei.. Er brauche wirklich nicht mehr als das hier zum Glücklichsein, fügte er hinzu, und seine Rundum-Geste schloss den gesamten Abfallhaufen in den vier Wänden mit ein.
Ich war ganz plötzlich ganz furchtbar müde und musste dringend nach Hause.

Zurück in meinem Wagen war ich mit einem Mal froh, dass ich keine Münze über die linke Schulter in den Trevibrunnen geworfen hatte. Die Legende besagt nämlich, dass man für die erste Münze zurückkomme nach Rom, sich für die zweite in einen Römer verliebe und diesen für die dritte Münze heirate ! 😊

5_OttavoColleNight

7 Gedanken zu “Aus dem Nähkästchen geplaudert: Camping-Episödchen..

  1. Avatar von Henriette Streuli Henriette Streuli

    Liebe Rösli, hahaha….Gott sei Dank bist du bei Gino sehr müde geworden!! Bravo dass du tapfer die Pizza gegessen hast und den Wein getrunken….ich hätte rechtsumkehrt gemacht wenn ich das gesehen hätte….brrrr. …
    Wünsche dir gute Weiterreise! Wir waren vorgestern bei Miesli (Ernst Schellenberg) den 71. Geburtstag feiern, das war sehr lustig, viele Leute, feinen Wein und Fleisch- und Käseplättli, sehr gemütlich!
    Heute gehe ich zu Rägi Hiltebrand, die auch Geburtstag hat und morgenmittag zu Françoise Senn es Bsuechli machen, eifach so….
    Ganz liebe Grüsse uus Oberrüti mit 25 Lämmer im Stall….

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  2. Avatar von Barbara Barbara

    Mikrokosmos Campingplatz – so viele verschiedene Lebensweisen überschaubar präsentiert zu bekommen hat wahrlich seinen eigenen Reiz – da brauchts nicht mal WLAN, man wird analog bestens unterhalten 🤓😂.

    Der Gino scheint mir ein veritabler Grüsel zu sein. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es um seine eigene Sauberkeit bestellt ist… oder noch schlimmer: wenn seine Griffel sich Dir in ungebührlicher Weise genähert hätten!

    Danke für den Aufsteller. Bei uns ist es dermassen grusig, dass solche Geschichten einen Sonnestrahl ins Leben schicken.

    🧡 Barbara

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    1. Hihi.. Ja, das hat was, die Unterhaltung im Mikrokosmos. Auch Herausforderungen werden geboten, hier in Pompeii sind es die Duschen, die nicht allzu einladend aussehen (duster und zum Teil ohne Duschköpfe). Aber da hilft nichts – ich will heute ja die Ausgrabungen besichtigen – also los (vielleicht gibt’s ja warmes Wasser..).
      Einen guten Tag wünsche ich dir 😊

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      1. Avatar von Barbara Barbara

        VOR dem Besichtigen der Ausgrabungen brauchst Du eh nicht zu duschen – und nachher kannst Du die Regenwalddusche im PÖSSL in Betrieb nehmen… Das wäre dann die Premiere, oder? Immerhin ist Deine Dusche mit Duschkopf ausgerüstet!

        Saubere Grüsse 🐬

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      2. Ich habe mir deinen Kommentar zu Herzen genommen, mich in meine Wellness-Oase gestellt und meine Regendusche betrachtet.
        Ich befürchte, eine Regendusche findet höchstens DANN statt, wenn es regnet. NEBEN dem Pössl… 😊
        Wenn man in den Duschen hier das Wasser voll auf kalt stellt, kommt es schön heiss – und dank fehlender Brause mit Massage-Effekt. Geht doch ! 😊

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