Novamatic und Novus Mundus

Es gibt doch tatsächlich Campingplatz-Waschmaschinen für 12 Kilo Wäsche.
Da drängt sich irgendwie der Verdacht auf, dass manche Leute ihre Schmutzwäsche mit in die Ferien bringen, um mal so richtig aus dem Vollen zu schöpfen.

Ich selber habe für meine bunt gemischte Wäsche die kleinste Maschine ausgewählt, sie befüllt, die verlangten 3 Euro 50 eingeworfen und die Maschine erfolgreich gestartet.

Dann setzte ich mich mit meinem eReader auf das warme Mäuerchen vor der Waschküche und las die kuriose Geschichte um die Benennung Amerikas durch einen Provinzgeographen und darüber, ob die Ehre für die Entdeckung der Neuen Welt denn nun Columbus oder halt doch Vespucci gebührt – und wer allenfalls wen betrogen hat.

Beim nächsten Kontrollbesuch bei der Waschmaschine stellte ich fest, dass ich vergessen hatte, ein Programm zu wählen – und dass die Voreinstellung auf Kochwäsche lautete. Ich hab’s versucht, aber die Maschine liess sich nicht mehr stoppen.

Da es nun auch nicht mehr drauf ankam, habe ich weitergelesen und danach alles unbesehen in den Riesen-Tumbler geworfen für weitere zwei Euros. Und nun habe ich zwei schnuckelige Filz-Pullis für mittelgrosse Bäbis, ein T-Shirt, das ich in Zukunft bauchfrei tragen werde (ha !) und den Rest, dem das Geköchele offensichtlich nichts ausgemacht hat – und alles ist keimfrei für 5 Euro 50. Wenn das kein Schnäppchen ist.

Columbus BCN Hafen.jpg

Ach ja: Christoph Columbus war definitiv zuerst da (1492), behauptete aber beharrlich, das Land gehöre zu Indien. Er galt inzwischen allgemein als fanatischer Spinner, da er so gut wie nichts vorzuweisen hatte nach seinen langen Reisen.
Amerigo Vespucci hat seine eigenen Aufzeichnungen nie aktiv getürkt, um Columbus den Ruf des Entdeckers streitig zu mache, er war jedoch der Erste, der das Land nicht asienverbunden vermutete, sondern es ‘Neue Welt’ nannte (novus mundus).
Genau das aber war das magische Wort zu einer Zeit, in der Europa nach Aufbruch und Hoffnung dürstete – und nach Ausbruch aus Armut und Knechtschaft. ‘Novus Mundus’ machte Furore, und damit auch der Name Amerigo Vespuccis.

Durch eine Verkettung von Irrtümern, Übersetzungsfehlern und dem Entscheid des erwähnten Provinzgeographen, das ‘Ding’ endlich zu benennen, kam es im Jahr 1507 schliesslich zum Namen Amerika, und dieser Name wurde von anderen Geographen auf deren Karten übernommen. Die Insel Amerika wuchs und wuchs mit jeder Entdeckung von mehr dazu gehörendem Land – und entpuppte sich schliesslich als Doppelkontinent Amerika.

Dass der Name nicht mehr zu löschen war, hat gemäss dem Autor auch mit dem Wort ‘Amerika’ selber zu tun, denn: «Das Wort schwingt an und aus mit dem volltönendsten Vokal unserer Sprache. Es ist gut für den begeisterten Ruf, klar für das Gedächtnis, ein kräftiges, volles, männliches Wort, wohlgeeignet für ein junges Land, für ein starkes, aufstrebendes Volk. Ein Bruderwort zu Asien, Europa und Afrika..».

Schön, nicht wahr? Egal, was man momentan von den USA hält, das Wort ‘Amerika’ ist zweifellos sexy.

Mir hat es schon immer gefallen, wahrscheinlich auch deshalb, weil mein Grossvater an der Washington Bridge mitgebaut hat und mein Vater immer mit unerfüllter Sehnsucht von Amerika sprach – er wäre zu gerne ausgewandert, als Erbe eines Hofs war das für ihn jedoch undenkbar. Es ist noch nicht so lange her, dass Amerika tatsächlich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten war im Vergleich zu den oft sehr ärmlichen Existenzen in Europa.

Übrigens: als der Irrtum schliesslich ans Licht kam, wurde der lange verhöhnte Columbus auf der Stelle verherrlicht (ihm selber wars egal; er war schon seit über 300 Jahren tot) und da steht er nun seit 1888 mitten im Hafenviertel von Barcelona und zeigt nach Osten – zumindest nehme ich das an. Vielleicht haben sie ihn aber auch um 180 Grad gedreht, damit alles seine Richtigkeit hat..

Und zum Schluss noch dies: wenn mir der legendäre (vorläufig noch unbekannte) reiche Onkel aus Amerika ein paar Millionen Dollars vermacht, verspreche ich hiermit feierlich, Amerika für alle Zeiten zu verteidigen, egal, was kommt.