Saint-Malo: die Altstadt ‘Intra Muros’ rechts hinten, von der langen Bucht aus gesehen
Saint-Malo
Am 5. Juli kam meine Tochter Lisa am Flughafen Rennes an für zwei Tage ‘Ferien’ (…Airline-Angestellte tun solche Dinge 😊. Allerdings nicht wie geplant um 12.25h, sondern erst gegen 14.45h nach mehreren Flugverspätungen in Paris Charles de Gaulle.
Das wundert mich ja nicht wirklich: der Flug Airfrance 7678 flog gleichzeitig für weitere sieben oder acht Airlines – das kann ja nicht alles gleichzeitig klappen. Mit mir warteten mehrere Geschäftsleute im Restaurant des kleinen Flughafens und ärgerten sich über den «Provinz-Flughafen» der Bretagne-Hauptstadt Rennes.

Alle diese Flüge von verschiedenen Fluggesellschaften sind ein und dasselbe Flugzeug – sie ‘alle’ sollten um 12.25h ankommen – und kamen um 14.45h an (ziemlich ungünstig für die Flughafenstatistik, nicht ?….)
Aber dann war Lisa endlich hier –hurra ! Wir beschlossen, uns gleich Saint-Malo zu widmen.

Saint-Malos Altstadt-Kern ‚Intra Muros‘ macht zwar nur gerade 20 Prozent der Stadt-Gesamtfläche aus, ist aber dank ihren schönen Stadtmauern eine vielbesuchte Touristenattraktion geworden.
Die Stadt wurde nach der Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg zu über 80 Prozent zerstört, danach aber rasch wieder originalgetreu aufgebaut mit Hilfe alter Pläne und Abbildungen.
Saint-Malo war zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert eine berühmte Seefahrer- und blühende Handelsstadt. Vor allem ihre Korsaren waren berüchtigt und trugen viel zum Wohlstand bei. Korsaren sind im Grunde genommen Piraten, die nicht auf eigene Rechnung, sondern mit königlicher Erlaubnis feindliche Schiffe kaperten. Außerdem gaben sie der eigenen Handelsflotte Geleitschutz.

Die Bucht von Saint-Malo, einmal vom Strand aus gesehen, eimmal von der Stadtmauer herunter

Robert Surcouf (1773-1827) war ein Korsar aus Saint-Malo, also ein Pirat im Dienste Napoleons (der kaiserliche Auftrag legitimierte die Freibeuterei)
Eine Anekdote erzählt, dass im Jahr 1800 ein britischer Offizier des von Surcouf gekaperten Handelsschiffes ‘Kent’ verächtlich zu ihm sagte:
„Ihr Franzosen kämpft des Geldes wegen, wir Engländer um der Ehre willen.“ Surcouf darauf: „Jeder kämpft für das, was er nicht hat.“
Ein schlagfertiges Kerlchen, dieser Korsar Surcouf 😊

Zum späten Mittagessen gab es Galettes Bretonnes in der Altstadt von Saint-Malo, das sind feine, gefüllte Buchweizen-Crêpes. Dass gerade dann ein richtig talentierter Musiker (mit einer richtig guten Anlage..) auf dem Platz vor dem Restaurant ein Konzert gab, war das i-Tüpfchen auf unserem Streifzug durch Saint-Malo.
Gegen neun Uhr abends kamen wir an bei unserem „Campingplatz mit eigenem Château“ ausserhalb Saint-Malo:
Dieses Schloss sollte abgerissen werden, wurde aber im letzten Moment samt dem ebenso vernachlässigten Campingplatz darum herum aufgekauft – und nun sind beide auf gutem Weg, ansehnliche Repräsentanten ihres jeweiligen Genres zu werden.

Lisas Appartment für eine Nacht auf dem Campingplatz von Saint-Malo

Frühstück in Saint-Malo vor der Abreise nach Le Mont Saint-Michel
Le Mont Saint-Michel, Normandie
Der höchste Berg der Bretagne ist 385m hoch, in der Normandie schafft es der höchste sogar auf 413m. Die Gegend ist zwar nicht flach, besteht aber vor allem aus sanft ‘wellenden’ Hügeln.
Der Berg des ‘Mont Saint-Michel’ ist 92m hoch (ohne die Abtei), und da alles ringsherum flacher ist, ist der erste Blick darauf tatsächlich ziemlich spektakulär.

Es gibt hier oft Nebel, der den Berg in einen mystischen Schleier hüllt
Die Gemeinde ‘Le Mont Saint-Michel’ gibt es seit dem Jahr 706. Sie liegt beinahe auf der Grenze der Bretagne/Normandie – gehört jedoch zur Normandie
Es gibt gerade einmal 20 permanente Einwohner (10 davon sind Mönche); die Insel hat 830m Umfang, und ein paar Mal im Jahr wird sie zu einer ‚richtigen‘ Insel, wenn eine Springflut die Zufahrtstrasse unter Wasser setzt
Dass der Klosterberg eine Reise wert ist, bestätigen die durchschnittlich 10’000 Besucher täglich (!). Dies dürfte locker eines der ungünstigsten Einwohner-Touristen-Verhältnisse der Welt darstellen…

Hm… Ich habe wieder leicht Schlagseite – zum Glück ist gerade Ebbe, da kann nichts auslaufen..

Die Hauptstrasse der Insel…




Ein’ typisch bretonisches’ Touristen-Gericht. Da wir hungrig waren, liessen wir es uns schmecken ! Immerhin gabs dazu echten bretonischen Saft ! (und zum Trost später eine Tarte aux Pommes..).

Die Kirche im vorromanischen Stil, die Abteikirche aus dem 11. und 16. Jahrhundert, die romanischen und gotischen Gebäude sowie die einzigartige Lage der Insel machen den Besuch hier zu einem besonderen Erlebnis.
Ebbe, wohin man schaut..
In der Bucht des Mont Saint-Michel herrschen die stärksten Gezeiten Europas. Bei Ebbe zieht sich das Meer bis zu 15 Kilometer von der Küste zurück.
Die Normannen sagen, dass die Flut in der Bucht „wie ein Pferd im Galopp“ auf die Küste trifft. Leider hatte bei unserem Besuch gerade die Ebbe eingesetzt, wir können also die Flut-Stampede nicht bestätigen. Schön war es aber auch so.
Am Samstag Morgen fuhren wir ganz gemütlich zurück zum Fughafen Rennes, machten unterwegs einen Halt im kleinen Dorf Gosné, fanden danach, dass wir vielleicht doch vorwärts machen sollten, setzten folgerichtig auf die Autobahn-Umfahrungsstrasse, gerieten in einen Mords-Stau, fingen an zu schwitzen, erreichten den Flughafen knapp vor Lisas spätester Einfindungszeit – und erfuhren nach ihrem Galopp zum Gate, dass der Flug eine Stunde Verspätung hat. Ja klar… 😊

Aber schliesslich hob die AF7639 nach Paris, die für 13.05h geplant war, doch noch ab um 14.11h. Ich blieb vorsichtshalber, bis ich die Maschine mit eigenen Augen starten sah.. (wir wären sonst wahrscheinlich kurzerhand nach Paris gefahren…)
Das war zwar viel zu kurz, aber wunderbar – Ich habe die Zeit mit dir sehr genossen, Lisa – herzlichen Dank für deinen Besuch !
Nach den Aufregungen in Rennes hatte ich keine Lust, dort zu veweilen und bin in den Norden der Normandie gefahren – dort, wo sich am 6. Juni 1944 ‘Der längste Tag’ abspielte mit der Alliierten-Invasion zur Befreiung Frankreichs am D-Day.
Aber zuerst kommt nun der Sonntag und das grosse Nichtstun nach den vielen Eindrücken, die Lisa und ich mitgenommen haben von Saint-Malo ud Le Mont Saint-Michel.
