Die Gründung der Stadt Dubrovnik begann um das Jahr 614, als sich auf dem Stadtgebiet römische Flüchtlinge niederliessen.
Die Altstadt von Dubrovnik (bzw. der Republik Ragusa, wie sie damals hiess) mit der sie einfassenden Stadtmauer ist die besterhaltene mittelalterliche Befestigungsanlage in Europa.
Sie bewährte sich während zahlreicher Belagerungen, deren Anfang im Jahr 866 die Sarazenen machten; es folgte Venedig 948; die Serben kamen 1185, 1205 war wieder Venedig dran mit der Ritterarmee des Vierten Kreuzzugs. Dann verwüsteten die Mongolen Dalmatien, konnten Dubrovnik jedoch nichts anhaben. 1806 belagerten Russland und Montenegro die Stadt; die österreichisch-ungarischen Truppen versuchten ihr Glück 1814, und schliesslich auch die jugoslawische Volksarmee 1991.
Man sieht, dass Dubrovnik immer schon reich an Neidern war, die sich diese Perle an ihre Hutnadel stecken wollten. Einigen gelang es sogar eine Zeitlang, aber immer wieder befreite sich die Stadt von ihren Herrschern. Und obwohl auch diese Stadt rund um ihr Herzstück herum nicht sexier ist als andere grosse Städte, hat dieses uralte Herz am Meer einen sagenhaften Reiz.

Schon die Fahrt von Split nach Dubrovnik entlang der Küste war etwas Besonderes: die Alpen links, das Meer rechts, und immer erschlossen sich neue Ansichten der Küste und ihrer vorgelagerten Inseln (Brač, Hvar, Korčula, um nur ein paar zu nennen). Das war eine kurzweilige Fahrt, auch wenn sie 5 Stunden dauerte mit allen Aussichts-Pausen unterwegs 😊

Beinahe geschafft ! Das ist Dubrovnik bzw dessen Hafen jenseits der schönen Franjo Tuđman-Brücke (sie ist benannt nach Kroatiens erstem Präsidenten nach der Unabhängigkeit im Jahr 1991).

Hier sieht man besser, wie der Hafen angelegt ist. Der Campingplatz ist beim grünen Punkt, und an uns vorbei fahren alle grossen Schiffe in die Hafenbucht – und wieder hinaus in die grosse weite Welt.
Das kleine rote Halbinselchen unterhalb vom Stadtnamen ist die berühmte Altstadt, zu der die Touristen auch um diese Jahreszeit noch in Heerscharen pilgern. Neben den Geschichtsbeflissenen nun auch noch die ‘Game of Thrones’-Fans, denn die Altstadt war die Kulisse für Filmszenen in ‘King’s Landing’.
Ist das nicht ein traumhafter Ausblick direkt aus meiner Stube ?
(Ja, ok, es ist derselbe wie aus der Küche, der Lounge und dem Esszimmer…😊)


Ich wundere mich immer wieder, warum viele Leute lieber hinten unten im dunklen Schatten der Bäume (und ihrer Nachbarn) stehen als vorne auf der Terrasse. In Catania waren die Sturmwellen ein guter Grund, hier ist es wahrscheinlich die Tatsache, dass die WCs 270 Meter und eine 36-Stufen-Treppe weit entfernt auf dem Hügel oben liegen. Das geht aber nur als ‘guter Grund’ durch, wenn man im Sinn hat, sich täglich von Sauerkraut und Apfelsaft zu ernähren…

Ich war so begeistert von meinem Ausblick, dass ich gleich zwei Tage lang gar nichts tat ausser den Schiffen beim Ein- und Auslaufen zuzusehen.. (und ein wenig zu kochen, zu lesen und zu waschen, versteht sich..).




Erstaunlicherweise sind die grossen Kreuzfahrtschiffe die leisesten. Die Motoren der mittelgrossen ‘Inselhüpfer’ erinnern an gedämpfte Presslufthämmer, deren ‘Räggtäggtägg’ man noch vernimmt, wenn das Schiff schon beinahe nicht mehr zu sehen ist. Kleine Sportboote surren oft wie eine unter einem Lampenschirm gefangene Hummel, und die kleinen Fischerboote kehren heim aus dem schwarzen Nachtmeer mit einem sympathisches Summen und leisem Plätschern.
Aber diese riesigen Kreuzfahrtschiffe gleiten majestätisch und beinahe lautlos an uns vorbei, und von ihren gewaltigen Motoren hört man nur ein Seufzen, ein langgedehntes, dunkles ‚Haaaach‘ in einer Endlosschlaufe. Ich weiss zwar schon, dass diese Schiffe tonnenweise Dreck in die Luft blasen, aber ich kann mir nicht helfen: wenn sie in der Nacht festlich erleuchtet und wie von Geisterhand geschoben an uns vorbei gleiten, ist das einfach wunderschön.
Dubrovnik



Auf der Stadtmauer kann man das alte Dubrovnik in etwa einer Stunde umrunden, sobald man 30 Euro (oder 200 Kuna) Eintritt bezahlt hat.
Das tönt nach viel, aber wenn man bedenkt, dass man den Einwohnern auch im 2. Stock direkt ins Schlafzimmer sieht, dass die Leute in den Gassen jedem im Vorgärtchen herumtrampeln und dass unzählige Besucher einem die Wäsche an der Leine fotografieren, dann versteht man plötzlich, dass es auch leerstehende und verfallene Häuser gibt in diesem historischen Viertel… Ich hoffe, die Einwohner kriegen auch etwas ab vom Geldsegen – verdient hätten sie es !
Faszinierend ist dieses mittelalterliche Städtchen auf jeden Fall !





Dubrovniks Lazarette: 30 Jahre nach Ausbruch der Pest in Europa wurde 1377 eine Anordnung erlassen, wonach Händler, Reisende und Seeleute die Stadt nicht betreten durften, ehe sie sich nicht zuerst samt ihren Waren 30 Tage lang in ausgewiesenen Quarantänelagern aufgehalten hatten
(die im Bild angeschnittenen Gebäude ganz links auf der anderen Seite des Wassers sind solche Lazarette). Ein Absondern der (möglicherweise) Kranken von den Gesunden war fortschrittliches Denken zu einer Zeit, in der die Kirche behauptete, dass die Pest eine reine Gottesstrafe sei und keiner, welcher sie verdient habe, ihr entkommen könne – und dass die Frommen nichts zu befürchten hätten..

Dass ich hier noch eine Weile bleiben werde, hat damit zu tun, dass das Wetter einfach perfekt ist.
Ich glaube, ich bin noch nie verregnet worden, seitdem ich wieder unterwegs bin. Ich möchte auch gerne nochmals durch Dubrovnik flanieren, obwohl man irgendwie ständig auf Hügel klettern muss, und obwohl wir Touristen dort überproportional vertreten sind.
Und schliesslich suche ich mir wohl noch einen Zahnarzt, denn neuerdings ‘quietschen’ meine Zähne beim Aufeinandertreffen manchmal – als ob die Zahnreihen nicht mehr richtig aufeinander passen würden. Da ist wohl etwas schiefgegangen bei meinem Checkup im Sommer. Iiiiks !
Aber dann geht es weiter nach Süden mit den Etappen Montenegro und Albanien.

