
Orgelpfeifenwand heisst diese Felsformation, Meteora die felsige Gegend, auf welcher einst 24 Klöster standen. Sechs davon werden noch genutzt und können besucht werden
30 Kilometer nach dem albanischen Gjirokastra war ich bereits in Griechenland. An der Grenze musste ich meine ID vier Mal vorweisen, nachdem ich jeweils 5 Meter weiter vorgefahren war und den Motor wieder abgestellt hatte.
Der Versicherungkartentrick ist auch hier noch nicht bekannt, obwohl Griechenland das Geld gut gebrauchen könnte, soviel ich weiss (vielleicht müsste ich ihnen das mal mitteilen ?).

Nach weiteren 170 Kilometern war ich (läppische vier Stunden später) bereits in Kastraki. Die Fahrt von Ioannina nach Kastraki über die Berge war ein Weitsicht-Fest, auch wenn ich bei Regen in Gjirokastra losgefahren war und mich auf über 1000 Metern vorübergehend durch dichten Nebel tasten musste.

Schon von weitem sieht man die Felsformation ‘Meteora’, welche hier zum Touristenmagneten wurde.
Der Campingplatz Vrachos liegt praktisch im Dorf Kastraki, also habe ich dort hungrig eine Taverne angesteuert.

Bei Efrosino wurde mir das Fleisch vom Grill empfohlen
Für 8 Euro gab’s eine grosse Portion Fleisch mit Pommes. Frittiert waren die Kartoffeln zwar ebenso wenig wie jeweils in Albanien, eher leicht angebraten, aber das Fleisch war butterzart und sehr gut gewürzt.

Im Dorf Kastraki hatte ich meine erste Begegnung mit streunenden Hunden und Katzen.
Sie schlafen vor Hauseingängen und auf den Trottoirs, und wie auf ein geheimes Zeichen sind plötzlich alle unterwegs gegen Abend.
Ich erwartete eigentlich, dass die Tiere scheu und bissig zugleich sein würden. Sie sind aber sehr zutraulich, und Katzen wie Hunde streichen einem gerne um die Beine oder traben lange neben einem her.
Die Tiere hier im Dorf sehen auch nicht halb verhungert aus; wahrscheinlich gibt es immer genügend Touristen, die sich ihrer vorübergehend annehmen. Und soweit ich das beurteilen kann, werden die Vierbeiner in Ruhe gelassen von den Einheimischen. Sie sind einfach da, wie bei uns die Spatzen, Tauben oder Eichhörnchen..

Gestern hat es den ganzen Tag geregnet, und die Campisti, die trotzdem frühmorgens losmarschiert waren, sahen ziemlich frustiert aus, als sie – frierend und bis auf die Haut nass – von ihren Ausflügen zurückkamen. Sie hatten kaum 5 Meter weit gesehen auf den Bergen.
Es ist schon ein Vorteil, wenn man die Zeit hat, auf gute Bedingungen zu warten. Ich machte einen kleinen Spaziergang im Regen, habe viel gelesen – und mir abends schmackhaft mit Reis gefüllte Peperoni schmecken lassen in einer Taverne.
Und am nächsten Morgen erwachte ich bei strahlendem Sonnenschein und bestieg bald den öffentlichen Bus vor dem Platz, welcher die ‘Meteora-Runde’ dreht.


Schon im 11. Jahrhundert lebten Eremiten in den vom Wetter ausgewaschenen Höhlen dieser mystisch anmutenden Felsen


Manche der Klöster sehen aus, als ob sie direkt aus dem Stein gewachsen wären.
Der Name Meteora stammt vom griechischen Wort meteorizo ab und bedeutet: ‘in die Höhe heben’. Ja, das leuchtet ein..

Bald nach der Trennung der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche (gemeinhin wird dafür das Jahr 1054 angegeben) wurden die ersten Klöster auf den Felsen erbaut Diese Kirchentrennung war eine Folge des päpstlichen alleinigen Autoritätsanspruchs, welcher ihm von den oströmischen Patriarchen verweigert worden war. Als dann Konstantinopel während des Vierten Kreuzzugs erobert und geplündert wurde, war der Bruch endgültig.

18 der ursprünglich 24 Klöster auf den Felsen sind grösstenteils zu Ruinen zerfallen, nachdem sie mangels Nachwuchs von den letzten Mönchen verlassen wurden. Die sechs zu besichtigenden Klöster werden inzwischen rege besucht.
Mit der Askese dürfte es dort allerdings nicht mehr weit her sein: die Mönche leben inzwischen vor allem vom Tourismus (nein, durch Verzicht ausgezehrt sehen die Beiden wirklich nicht aus… 😊 )

Die Engländerin Joanna habe ich gleich am ersten Abend in Kastraki getroffen. Sie hat vor einer Woche spontan ihren Rucksack gepackt und ist nach Thessaloniki geflogen. Sie hat eine relativ frustrierende Woche verbracht bei oft schlechtem Wetter, annullierten Anschlussbussen und teuren Hotels. Aber heute klappt alles, auch wenn sie am Mittag wieder den Bus nach Thessaloniki für den Heimflug erwischen muss.
Wohin sie auch reist, sie ‘erwandert’ immer ihre Umgebung (etwas mehr Gehen könnte mir ebenfalls nicht schaden..).

Joanna hat einer Nonne im Frauenkloster Roussanou gesagt, was für ein Glück die Schwestern hätten, dass ihr Kloster an dieser traumhaften Lage steht. Die Nonne selber empfindet die Lage eher als Fluch denn als Segen.
Eigentlich möchte sie ihre Überzeugung in Einsamkeit und Stille leben, nicht in einem Touristenrummel (dieser muss gewaltig sein im Sommer; auch jetzt im November sind noch erstaunlich zahlreich Besucher anzutreffen, und immer wieder fahren Tour-Busse vor). Es sei halt einfach so, dass Griechenland das Geld dort verdienen muss, wo es auch bereitwillig bezahlt wird, und dies ist so ein Ort.


Auf dem steilen Abstieg kam ich an einigen der Schreine vorbei, welche man auch an Strassenrändern findet; in den Öffnungen liegen jeweils Bittschriften und oft auch kleine Gaben wie Kerzen samt Feuerzeug, Heiligenbildchen oder ein Liter Olivenöl..

Schreine an der Strassenseite. Sie sind hübsch wie Puppenhäuser, verrostet wie alte Briefkästen oder edel wie kleine Kapellen

Griechisch für Erstklässler.. man lese: Taverna Stefanos
Mit meinem Griechisch ist es leider noch nicht weit her, obwohl ich mich immer mal wieder tapfer mit Alpha und Omega herumschlage – und mit allen 22 Buchstaben dazwischen. Wenn ich ein Wort lesen will, mache ich das wie jeder Erstklässler:
Beispiel καλημέρα – Ka-Kal-Kalu-nein-Kali-meeee-ra – Kalimera ! Guten Morgen !
Laut Tavernen-Menu gibt es auch ΠΙΤΣΑ: Pit-pit-sa – Pizza ! (Pitsa geschrieben..).

Eine Aρτοποιειο ist eine Bäckerei, Artopoieio geschrieben und Artop’io ausgesprochen. Das erinnert doch nachgerade an Finnisch – drei Vokale zuviel am Wortende – was für eine Verschwendung ! 😊

Ach ja. Noch etwas habe ich gelernt: wenn du nicht willst, dass dein Auto belagert wird während deiner gesamten Aufenthaltsdauer, dann füttere die Katzen erst beim Abreisen… 😊 Meistens hatte ich 6-8 der Tiere unter meinem Wagen, wo es in der Nacht nicht feucht wird. Wie gut, dass ich wieder abreisen – und mein neues Wissen am nächsten Ort anwenden – kann..

Hier geht’s nach Patras und auf die Peloponnes
Die Überquerung der Brücke hat mich doch glatt 20.30 EUR gekostet !
Hiermit ziehe ich das Angebot, die Griechen über die Versicherungsnachweis-Geldquelle zu informieren, zurück ! Die kommen auch so zu ihrem Geld. Ich habe heute für knappe 200 Kilometer Autobahnfahrt 61 Euro bezahlt !
Und dies in einem Land, in welchem viele Vollzeit-Angestellte knapp 500 Euro im Monat verdienen !
Ihren 500-Euro-Lohn hat mir eine Tankstellenangestellte verraten, die bei Abwesenheit des Chefs für den ganzen Betrieb verantwortlich ist. Bestätigt haben ihn eine Service-Angestellte in einer Taverne und ein Bus-Chauffeur im öffentlichen Verkehr. Unglaublich, oder ?
Man muss sich allerdings nicht wundern, dass Griechenland das Geld holt, wo es nur geht: ich erhalte nur dann eine Quittung für meine Übernachtungen, wenn ich mit Visa bezahlen kann, was nicht allzu oft der Fall ist. Überall wird möglichst viel am Fiskus vorbeigezügelt. Griechenland ist damit allerdings in guter Gesellschaft, denn das habe ich auch in anderen Ländern oft erlebt. Jeder muss halt sehen, wo er bleibt.

Mein Ausblick auf das griechische Festland hinüber
Ich bin also auf der Insel Peloponnes angekommen, die nur deshalb eine ist, weil der schmale, künstliche Kanal von Korinth sie zu einer macht. Er wurde gebaut, um die einst gefährliche Umschiffung der Peloponnes vermeiden zu können.

Die Insel ganz unten auf der Karte ist Kreta – dahin plane ich umzuziehen, falls sich der Winter als zu kühl erweisen sollte.
Für heute ist Regen angesagt, aber vorläufig haben wir noch sonnige 24 Grad.
