Ich schlage vor, dass wir Alten auf die Frage nach unserem Alter die kokette Gegenfrage: «Rate mal !?» gänzlich unterlassen.

Meine Beobachtungen zum Thema haben nämlich ergeben, dass ausnahmslos JEDER (!) glaubt, ER/SIE sähe bedeutend jugendlicher aus als sein gleichaltriges (oder sogar jüngeres) Gegenüber. Na ? Ist dir auch schon passiert, nicht wahr ?
Die etwas brutale Wahrheit lautet: unser Gegenüber denkt genau dasselbe ! Dass nämlich er oder sie deutlich jünger aussieht als du.
Es gibt nur eine Lösung: wir müssen uns mit unserem Alter anfreunden.
Wer sich nämlich nicht durch den Faltenwurf im Gesicht verrät, tut es durch die etwas trübe gewordenen Augen unter schweren Lidern, das steife Bücken, den Plissee-Vorhang an den Oberarmen oder eine sachte unter Fettröllchen verschwindende Taille..

‘Tiefenpsychologisch’ gesehen weichen wir mit dieser Jugendlichkeit-Koketterie wohl der Frage nach unserer ‘Resthaltbarkeit’ aus.
Diese Illusion ist allerdings anstrengend, und wenn kein «Oh, ich hätte dich jünger eingeschätzt» kommt, auch etwas frustrierend.
Mein häufigster Kommentar zu Altersangaben von anderen ist jedenfalls ein höfliches: «Aha» („ich hätte dich älter geschätzt“ lasse ich tunlichst weg).

Und deshalb gibt es hier wieder einmal meine Lebensweisheit Nummer eins:
MAN IST SO ALT, WIE MAN IST – KANN ABER SO BLÖD TUN, WIE MAN NOCH KANN ! 😊😊😊
Und nein, man ist NICHT so alt, wie man sich fühlt ! (erinnert ihr euch, wie ihr mit vielleicht 18 Jahren alles, aber auch wirklich alles besser wusstet als der Rest der Welt – in alter, weiser Schwere ? Das war dasselbe Syndrom, einfach am anderen Ende der Skala..).



Also ! Lasst uns den griechischen Wein trinken und zu viele Souvlaki-Spiesschen essen; lasst uns aus voller Kehle mitsingen (auch leicht neben der Spur ist legitim); lasst uns tanzen mit dem alten Griechen in der Mythos-Bar, auch wenn wir keine Ahnung von seinem Tanz haben. Lasst uns feiern und freuen wir uns des Lebens ! Und am nächsten Tag ruhen wir uns den ganzen Tag lang aus. Das Leben ist schön !
PS Noch bin ich 66 Jahre alt, aber ich höre es schon förmlich: «Aha».

