
13.4.2020 Hier wird Ostern erst in einer Woche begangen, weil die orthodoxe Kirche den alten Julianischen Kalender anwendet statt unserer Neo-Variante.
Da es aber nicht so sehr darauf ankommt, WANN wir Ostern (nicht im grossen Stil) feiern, wünsche ich euch allen schon heute FROHE OSTERN ! bzw eben καλό Πάσχα ! /kal’ó Pás-cha/ 😊 (Nächstes Jahr feiern die ‘West-Christen’ übrigens am 4. April Ostern, die Orthodoxen aber erst am 2. Mai).
Für ein Osterei haben meine Zwiebelschalen gereicht. Danach ist mir aber prompt der Faden ausgegangen, mit welchem ich die Blüten auf weitere Eier gewickelt hätte… 😊.
Der Frühling aber, der blüht unbeirrt weiter..


Ein Blick zurück oder Stiller Nationalfeiertag in Griechenland

Der 25. März ist der griechische Nationalfeiertag.
Die Griechen gedenken an diesem Tag der Befreiung aus der fast 400-jährigen „Türkenherrschaft“ (Tourkokratía).
Die Freiheitsbestrebungen begannen auf der Peloponnes am 25. März 1821 mit dem Aufruf zum Aufstand.
Wenn uns nicht Google daran erinnert hätte, hätten wir nicht einmal bemerkt, dass eigentlich grosses Volksfest wäre ! Also der Tag der grossen Paraden, der blumigen Reden und der Lobgesänge auf die Heldentaten der Vorfahren. Der Tag verlief so still und unauffällig wie alle solchen Tage überall in dieser seltsamen Zeit.

Ich glaube, ich habe schon erwähnt, dass die Region hier ‘Lakonien’ heisst, nicht wahr ? Deren Hauptstadt ist Sparta. ‘Lakonisch’ wurde abgeleitet von der präzisen, schnörkellosen Art der Spartaner, sich auszudrücken.
Wahrscheinlich färbt das automatisch auf die Bewohner der Gegend ab; wir sind jedenfalls ‘voll entspannt in unserem Exil’, um es gebührend lakonisch zu formulieren.

Wir tun hier das, was ihr wohl alle tut (wenn ihr nicht gerade home office praktiziert):
– wir gehen spazieren, zum Beispiel am Strand. Von unserem Strand-Exemplar bin ich sehr angetan. Er erstreckt sich kilometerlang und menschenleer auf beiden Seiten des Campingplatzes
– wir essen viel und reden gerne über das zukünftige Weniger-Essen
– wir lesen und plaudern. Und wir duschen am besten nach dem Mittag, wenn die Solarpaneele das Wasser ausreichend aufgeheizt haben
– wir gehen abwaschen, und dazu scheppern wir mit einer Tasche voller Geschirr 200 Schritte weit hin- und zurück
– wir treffen uns mit Mit-Campern zum Apéro, wenn es noch gemütlich warm ist an der Sonne – aber am besten nach der Katzenfütterung, damit keine vorwurfsvollen Tiger um den Tisch herumstreichen und einem die Ohren volljammern.
Vor allem aber sind wir froh, dass wir nach einigen stürmischen Tagen nun himmlisches Wetter haben.
Und einander. Ich kann es bestätigen: zusammen ist man weniger allein.

Am schönsten ist der Kontakt mit Agnes und Werner, den Beiden, die schon seit vielen Jahren in Ungarn leben. An einem Abend war ich bei ihnen zu einem Raclette eingeladen. Was für ein Fest !

Das hat man dann davon: Meine tägliche Fütterung der Campingplatz-Katzen um 16.00h. Inzwischen kann man die Uhr nach ihrem Erscheinen stellen (Katzenuhren gehen im Allgemeinen etwa eine Stunde vor..).
Es ist jedoch schön zu sehen, wie die anfängliche Gier zu einer ruhigeren Gewissheit der täglichen Mahlzeit geworden ist.


Spazieren mit Rocky. Er ist froh, in mir einen ‘Tor-Öffner’ gefunden zu haben – und mich freut seine Begleitung am Strand.
Der Unterschied zwischen uns ist: ich sehe das Meer, ein Treibholz oder eine hübsche Blume, Rocky weiss aber inzwischen, wer alles auf den Dünen war während den letzten Stunden, was jeder Einzelne gemacht hat und wie es ihnen geht !


Werner kocht in der gemeinsamen Camper-Küche. Diese wird gerne benutzt, wenn etwas länger köcheln muss. Man kann so seinen eigenen, limitierten Gasvorrat schonen. Meine andere Platznachbarin Marylène im Hintergrund wartet darauf, dass ihre Gemüsesuppe weich wird..

Unser heutiges Ostermenu war ein waschechtes Ungarisches Gulasch und schlicht gesagt köstlich ! Doch, die Beiden können kochen, das muss ihnen der Neid lassen.
Mein Beitrag zum Fest war der Wein (zwischen ok und OK…) und ein Omnia-Zitronencake (er ist recht gut geworden, aber ich verstehe immer noch nicht, warum Leute freiwillig und in ihrer Wohnung mit so einem Ding auf dem Gasherd ‘backen’, wenn daneben ein Backofen zur Verfügung steht.

‘Zum Wohl !’ auf ungarisch heisst übrigens Egészségére! /Egesch’egere/
Diese Aussage ist ein guter Start in jede neue Sprache !
Auffallend bei diesem Wort: währenddem die Finnen mit Selbstlauten um sich werfen, tun’s die Ungarn mit dem accent aigu – vom é scheinen sie einen unerschöpflichen Vorrat zu haben. Ein Versuch in dieser Sprache dürfte durchaus spannend werden..

Das Wlan hier ist zäh wie Honig. Ich habe es deshalb nicht geschafft, meine Ostergrüsse rechtzeitig zu versenden.
Nun sind es halt griechische Ostergrüsse geworden und gelten für das kommende Wochenende: καλό Πάσχα !
Schlusspunkt:
2020 wird das Jahr sein, in welchem wir gelernt haben, die Hände zu waschen 😊


