Dienstag, 16. November 2021
Heute Morgen Punkt 11 Uhr (geplant war ja spätestens 10 Uhr) bin ich losgefahren nach auf den Tag genau 16 Monaten in der Schweiz.
Wenn ich jetzt nicht gehe, gehe ich nimmermehr. Weil dann meine Wurzeln zu tief gewachsen sind in der angenehmen Gesellschaft meiner WG-Freunde und meiner Familie. Und weil ich zu faul geworden bin neben der wohlig warmen Heizung. Also los !
Meine ‘Wellness-Oase’ an Bord (also Dusche/WC) ist ziemlich genau 88cm lang und 77cm breit. Damit ich meine Dinge nicht auf dem Parkplatz unten an der Dorfkreuzung auslegen musste zum Verräumen, habe ich alles in Taschen gepackt und das Bad damit sauber aufgefüllt bis auf die halbe Höhe…
Mangels brillanter Alternativ-Ideen halte ich Richtung Frankreich mit dem vagen Ziel Spanien. Vor allem aber südwärts ! Heute merkte ich allerdings nicht viel vom Süden: die Aussentemperatur zeigte beharrlich 5 bis 6 Grad an, und alles war grau mit gelegentlichem Nieselregen.

Ich landete auf einem der wenigen offenen Campingplätze bald nach Genf – genauer gesagt in Chanaz, Region Savoie. Ein Dauercamperplatz, wie er im Buche steht: halb verfallene Vorzelte vor ganz verfallenen Zäunen, Laub auf moosigen Dächern, Deponien von Stühlen und Sofas hinter ramponierten Holzbauten. Beim dramatischsten Beispiel plärrte schon morgens um 8 Uhr ein Fernseher aus den beinahe undurchsichtigen Fenstern.
Aber die Damen an der Reception sind ausgesprochen freundlich, die weitere Umgebung sehr ansprechend – und vor allem ist der Platz offen ! Wir wollen mal nicht kleinlich sein.




Den dort gekauften Rosé aus Gamay und Pinot Noir habe ich noch nicht degustiert, aber der Kastanienhonig schmeckt nicht nur intensiv, sondern auch herrlich !

Das durchsichtige Kunststoffrohr hinten am Häuschen führt direkt nach draussen, und so können die Bienen, wenn sie denn wollen, Ausflüge machen bei schönem Wetter.

Ach ja: um 21 Uhr war Lichterlöschen bei mir, und ich habe durchgeschlafen bis 7 Uhr ! Daran erkennt man gut die dramatischen Folgen fehlender Körperertüchtigung ! 😊


Nach einer Stunde Fahrt war ich versucht, jedem Fahrer der wenigen kreuzenden Lastwagen zuzuwinken..

In Tournon-sur-Rhône (was für ein schöner Rebberg) gibt es einen Campingplatz mitten im Städtchen und direkt an der Rhone !
Den hatte ich mir ausgesucht, weil er noch bis Ende November offen hat (offene Campingplätze in dieser Jahreszeit sind rar in Frankreich). Aber denkste. Als ich nach 2 ½ Stunden Fahrt dort ankomme, steht am Eisentor FERMÉ ! So ein Frust.

Vor lauter Rhone habe ich das Ablichten des trügerischen Platzes verpasst..
Als Trost gibt’s einen Espresso im Bistro um die Ecke, in welchem ich gerne auch zu Abend gegessen hätte, dann geht’s auf zum nächsten möglichen Ziel.

Also nochmals 2 ½ Stunden Fahrt nach Castries in der Nähe von Montpellier. Nach der Tournon-Erfahrung kann der neue Platz aussehen, wie er will – er wird mir auf jeden Fall gefallen, wenn er offen ist.
Und hurra, er ist offen ! Auch hier scheinen viele Dauercamper zu wohnen, aber hier wird offensichtlich Wert auf Sauberkeit gelegt. Alles tiptop aufgeräumt rund um die Bungalows, geheizte, saubere Duschen, Stellplätze unter Olivenbäumen.
Allerdings gibt es auch hier keine Läden oder Restaurants in der Nähe, und deshalb ernähre ich mich schon den zweiten Tag in Folge von Brötchen und Kuchen, weil ich keine Lust auf Kochen habe.. Als Balance nehme ich ein Multivitamin-Präparat und bleibe prompt gesund !

Übrigens habe ich heute auf französichen Autobahnen 56.40 Euro bezahlt für die insgesamt 254 darauf gefahrenen Kilometer; das sind mehr als 22 Cents pro Kilometer !
Ich enthalte mich jeglichen weiteren Kommentars – ein wahrhaft heroisches Unterfangen…
Lichterlöschen heute erst um 22 Uhr – ich merke schon, dass ich ganz, ganz sachte wieder in den Unterwegs-Groove komme… In ein paar Monaten habe ich das bestimmt voll im Griff !

Donnerstag, 18. November 2021
Heute war ein herrlich sonniger Tag bei nachmittags 16 Grad, und ich habe meine Alleinlage in dieser Ecke genutzt für eine grandiose Auslegeordnung. Dann habe ich auf- und eingeräumt – und nun kann ich wieder ins Bad ! Andrerseits ist mein Kleider- und Warenlager unter dem Bett bis an den Lattenrost hinauf gefüllt.
Ich blieb hier auch deshalb, weil ich dachte, hier gäbe es wlan zwecks Herunterladens von einer Camping-App (von welcher ich erst jetzt weiss, dass sie praktisch wäre unter den Umständen). Das täuscht aber, denn nach 5 Minuten fällt man zuverlässig aus dem Netz.
Am Nachmittag bin ich durch meine Vorräte gegangen und habe einen Beutel Penne an getrockneter Bolognesesauce gefunden, abgelaufen im Dezember 2019. Da ich niemals ‚gedörrtes Hackfleisch’ kaufen würde: wo zum Kuckuck habe ich das her ? Grauenvoll, oder ? Dennoch entwickelte ich ganz plötzlich (und kurz nach einem Brownie) einen solchen Heisshunger auf etwas möglichst Scharfes, dass ich mir Penne an Arrabiata-Sauce gemacht habe. Leider hatte ich es doch tatsächlich versäumt, Reibkäse einzukaufen, also habe ich das Ganze stattdessen mit schwarzem Pfeffer zugedeckt und ass mit Tränen in den Augen. Vielleicht schon auch, weil es so gut geschmeckt hat nach all den Süssigkeiten – vor allem aber, weil es so scharf war…
21.45h Zeit zum Schlafen. Es ist echt kühl ab Sonnenuntergang. Da wird es so richtig gemütlich im Bett. Wenn ich aber dort bin, schläft ‘es’ mir halt.
Gähn… Gute Nacht allerseits !

Freitag, 19. November 2021
Heute hat es geklappt mit dem wlan, allerdings erst für den Computer – für das Handy mache ich wieder auf hastige 5 Minuten-Aktivitäten…
Vielleicht zögere ich meine Abfahrt hinaus, weil ich von hier aus noch überall hin könnte: nach Italien, Sardinien, Griechenland… Wenn ich erst einmal in Spanien bin, ist die Auswahl doch schon etwas enger… Es scheint, dass man sich auch an das Sich-entscheiden-Müssen wieder gewöhnen muss…
Jetzt gehe ich erst einmal duschen, dann sehen wir weiter.. Euch allen wünsche ich einen guten Tag 😊
