

Am 28. November kam ich in Crevillente auf dem Campingplatz Alannia Costa Blanca an. Was für ein Platz ! 1200 Wohnwagen und Wohnmobile finden hier grosszügige Flächen, und darüber hinaus gibt es noch unzählige Bungalows.

Allein die Strassen und Strässchen zwischen den Fahrzeugen und Häuschen machen zusammengerechnet gut 11 Kilometer aus ! Alles ist gross hier: Kreisel, Strassen und Plätze – und dazu Autozeilen, so weit das Auge reicht.



Auf dem Platz stehen all die Riesen-Fahrzeuge, die auf regulären Campingplätzen nicht einmal um die erste Kurve kämen, geschweige denn auf einen Platz mit ihren 12 Metern Länge und oft seitlich ausfahrbaren Wohn- und Schlafzimmern, die das Gefährt glatte 4 Meter breit machen. Hier bin ich schon eher die Mini-Exotin.

Viele Wohnwagen und Wohnmobile sind umgeben von 2 bis 4 Zelten: einem Vorzelt zum windgeschützten Wohnen und Essen und einem Küchenzelt zum Kochen und Abwaschen. Dann gibt’s noch Materialzelte, seitenfreie Partyzelte für die windstillen Stunden und manchmal auch noch ein Garagenzelt für das Auto.
Solche Platzgrössen haben Vorteile. Zum Beispiel Anonymität, wenn man diese sucht.
Und wenn man keine Lust hat, braucht man nie vom Platz zu gehen, denn er bietet Bar und Restaurant, Supermarkt, Coiffeur, Animation, Fitness Center, Swimming Pool und vieles mehr..
So ein Platz hat allerdings auch Nachteile – nämlich irgendwie alle Punkte bei ‘Vorteile’: man sinkt sozusagen in ein gemütliches Sofa und tut nichts, weil man ja nichts tun muss. Und wegen der Grösse lernt man die Leute um einen herum nicht einfach deshalb kennen, weil man ‘auch hier ist’, sondern eher aus Versehen oder an der Bar.

Die Bar mit Wlan auf dem Campingplatz Alannia. Hier finde ich mich allabendlich ein für eine Stunde zum Lesen der Weltnachrichten, für WhatsApps von Freunden und Familie, für etwas Unterhaltung – und für ein Glas Wein . Das Personal ist sehr freundlich, und den Hauswein gibt’s in weiss, rosado und rot für 2 Euro pro sehr gut gefülltes Glas. Die besseren Versionen (Verdejo und Rioja) gibt’s für 2.50, und bei beiden lohnen sich die extra 50 Cents durchaus.
Dort bin ich doch gleich am ersten Abend mit einem jungen britischen Paar ins Gespräch gekommen. Sie betreiben in Henley/England ebenfalls einen Campingplatz und verbringen jeweils ihre Winterpause hier. Und da auch sie heute angekommen waren – im Gegensatz zu mir aber nach einer anstrengenden Saison – waren sie bald bettreif.
An einem anderen Nachmittag machte ich die Bekanntschaft von Elsbeth und Toni aus dem Kanton Uri, als wir alle kurz das Wlan bei der Bar benutzen wollten. Sieben Stunden später machten wir uns auf den Heimweg. Um genau zu sein sieben Stunden, mehrere Gläser Wein, typisch spanische Spaghetti Bolognese und Lasagne und einen kreuzfidelen Nachmittag später… 😊.


Im Moment ist der Platz bloss zur Hälfte belegt. Wie es hier wohl zugeht, wenn er voll ist ?
Einen Vorgeschmack (light) hatten wir, als am letzten Freitag kolonnen- und scharenweise Spanier mit ihren Wohnwagen aufkreuzten oder ihre permanent gemieteten Plätze bezogen. Dank viel Familie, Wein, Musik und Grillieren (gerne auch nachts um 23 Uhr) kamen wir in den Genuss von 20 verschiedenen Musikstilen und köstlichen Düften aus jeder Ecke. Wenn man weiss, dass diese laute Munterkeit nur ein paar Tage dauert, kann man ihr durchaus etwas abgewinnen.
Am Montag war für uns Samiklaus, für Spanien der Tag der Verfassung nach Diktator Francos Sturz, und am Mittwoch Maria Empfängnis. Und im Laufe dieses Feiertags fand ein unaufgeregter, stetiger Exodus statt, und plötzlich kehrte wieder Stille ein. Man muss es ihnen lassen: die haben das im Griff !

Dieser hintere Teil mit bestimmt 200 Plätzen ist traditionellerweise fest in britischer Hand um diese Jahreszeit.
Nun sind sie wegen Brexit nur noch während dreier Monate am Stück willkommen im Land, und die meisten haben Januar bis März gewählt für ihren Aufenthalt.
Gleichzeitig findet auch die britische Umstellung der Auto-Landeskennzeichnung für Reisen ins Ausland statt, welche neu statt GB für Great Britain einen UK Kleber für United Kingdom vorsieht. Nordirland gehört nämlich nicht zu Grossbritannien, wohl aber zum Vereinten Königreich. Diese Massnahme soll die Zusammengehörigkeit fördern und unterstreichen. Wie bei allen solchen Unternehmen sind sogleich zwei Lager entstanden und haben eine erbitterte Diskussion über Sinn und Unsinn solcher Beschlüsse gestartet. Die Verbal-Schlacht wütet besonders heftig, da die Leute inzwischen viel Übung haben darin dank Brexit und Corona…

Mir ist die schwache Belegung recht, stehe ich doch allein mit freiem Blick auf eine grosse Wiese und den täglich dramatischen Sonnenuntergang. Hier gefällt es mir viel besser als im Zentrum, wo sich Auto an Auto drängt. Einen kleinen Nachteil hat die schöne Stelle aber schon auch: die Sanitäranlage ist 320 Schritte entfernt; ich darf also nie warten, bis ich ‚wirklich muss’. 😊


Heute windet es gewaltig – auch ohne Meer in der Nähe. Die Leute sagen, dass der Wind in all den Jahren zuvor nie so heftig war.
Also doch: Klimawandel ! Entweder wie angedroht von Greta – oder weil das globale Klima tatsächlich alle paar tausend Jahre eine Art Reset macht, mit oder ohne unser Einwirken. Mir selber gefällt die letzte Variante deutlich besser.

Gestern beschloss ich, meinen Frischwassertank zu füllen. Das habe ich nie mehr gemacht seit dem Sommer 2020. Dummerweise habe ich mich lieber auf die Anzeige im Auto verlassen als hin und wieder einen Blick in den Tank zu werfen. Dass diese Anzeige offenbar kaputt ist, wurde mir erst bewusst, als das Wasser unter dem geschlossenen Küchenhahn hervor drückte, hinten über den Tank unterm Bett lief und unten aus dem Auto floss auf der ganzen Fahrzeuglänge… Iiiiiiks ! Alle Hahnen wieder aufgedreht und dabei zugesehen, wie 70 Liter Wasser unter das Auto plätscherten, ein Rinnsal zur Strasse bildeten und sich dort verteilten… Bei schönstem Sonnenschein fiel es mir schwer, inmitten der Riesenlache unter dem Auto unschuldig auszusehen… Ich bin immer noch ein Greenhorn in vielen Dingen: Auto, Maschinen, lokale Handy-Abos – sie alle haben gefälligst zu funktionieren ohne mein persönliches Wissen darum…. 😊
Und zum Schluss ein paar AUGEN-BLICKE aus der Umgebung






Laut meinem Karten-App liegt gleich um die Ecke der See El Hondo mit der Laguna del Fondo und mit einem Damm, den ich mit dem Velo überqueren wollte.
Links im Bild oben stehe ich planmässig am Wasser (ich bin der blaue Kreis), und rechts ist das Foto, das ich dort vom ‘Wasser’ gemacht habe… 😉 Schön war es dennoch, aber nicht besonders feucht.. Und der Damm-Weg selber war nach 100 Metern mit Metallgattern und Durchgangs-Verbotstafeln garniert.



Auf dem Rückweg von meiner trockenen Seefahrt kam ich in den Vororten von Catral an diesen dekorierten Bäumen vorbei. Die Frauen erklärten mir, es ginge um ein Nachbarschaftswerk und ein gemeinsames Hobby. Ich glaube, ich habe solchermassen dekorierte Bäume schon an einigen Orten gesehen in Europa, vielleicht auch in der Schweiz…? Eine hübsche Idee ist es alleweil.

Das sind Sonja und Sam. Sie stehen schon seit Jahren jeden Winter auf dem Platz C200 (ohne die Platznummer würde man hier niemanden finden) und geniessen den Winter, ihre Freiheit, die wöchentliche Happy Hour mit Freunden und die relative Wärme.

Wir haben zusammen in der warmen Nachmittagssonne meinen französischen Rosé aus Chanaz getrunken (er schmeckte übrigens sehr fein !), und wir kehrten gemeinsam ein beim Inder im Restaurant Bombay in Catral. Ich für meinen Teil habe Essen und Gesellschaft gleichermassen genossen. Habt Dank für eure Gastfreundschaft – es hat grossen Spass gemacht mit euch !

Am 10. Dezember war nach 12 Nächten auf dem Platz meine Weiterreise fällig. Mein grösster Platz bisher ist Geschichte ! Es hat mir gut gefallen hier, denn ich kann mich per se problemlos mit Luxus anfreunden 😉
Als nächstes suche ich mir aber trotzdem kleinere Wohnorte aus…
