Calahonda bella und ‘El Camino del Rey’

Der Zugang zum Camino del Rey
Calahonda

Calahonda liegt ein paar Kilometer östlich von Marbella und ist auch im Winter ein belebtes Dorf mit Bars, Restaurants – und vielen Engländern !
Es gibt hier sogar einen British Supermarket, einen von Engländern geführten 2nd Hand Laden, den Royal Phones Handy Shop, Coffee Shops mit British breakfast und viele weitere Extras für die Briten hier. Diese Bevölkerungsschicht dürfte in Zukunft etwas dünner werden – ausser sie haben sich schon vor dem Brexit offiziell hier niedergelassen.

Dorthin bin ich gefahren nach dem ja eher ‘frischen’ Almócita, und ja, es stimmt: von 8 auf 16°C in 800 Höhenmetern ! Schon besser !
Untergekommen bin ich bei Monika, einer ehemaligen Arbeitskollegin, und ihrem Mann Daniel mit ihren zwei Labrador Retrievern Grace und Meghan. Ich wohne tagsüber ‚mit‘ in ihrem hübschen Appartment und schlafe auf dem sicheren Parkplatz in meinem Häuschen – die perfekte Mischung !

Monika und Daniel Hagemeier mit ihren Spürhunden Grace (links) und Meghan (rechts) Bei Grace sieht man gut: es herrscht ‘Leinentragpflicht’ 😊

Die beiden Hunde sind darauf spezialisiert, den Asiatischen Laubholzbockkäfer aufzuspüren, der ganze Alleen zum Absterben bringen kann, wie die Erfahrungen zeigten. Der baumstammfressende Eindringling wird aus China in Transportpaletten in die ganze Welt verschleppt. Im März ist wieder Frankreich dran für das Hundeteam.

Von Hagemeiers Balkon ihrer ‘Überwinterungs-Mietwohnung’ im zweiten Stock reicht der Blick weit über das Meer – und an klaren Tagen bis nach Afrika !

Ich habe mich sofort daheim gefühlt bei den Beiden (oder besser gesagt: bei allen Vieren) – und nicht nur die Aussicht und das stabile Wlan sehr genossen, sondern auch das Bekocht-Werden durch den begabten Küchenchef Daniel, dessen Werke ich durchgehend mit Gusto verzehrt habe.

Im Bild vom Balkon gab es übrigens warme Wachtelbrüstchen und Frischkäsekroketten auf Salat, darunter Dorade mit Broccoli-Kartoffelstock bzw Corvina (Seebarsch) mit Gemüse aus dem Ofen. Genuss pur ! Den Silvester haben wir mit Rindsfilet gefeiert und bald kennen wir alle Weine Spaniens, die im Supermarkt um die Ecke verkauft werden.

Dort ist es ja: Afrika !

Tatsächlich: die Küste Marokkos ist in gerade einmal einer Stunde mit der Fähre zu erreichen.
Als ich mir allerdings vage überlegte, ob ich vielleicht Richtung Tanger halten sollte statt mir eine 37-stündige Schifffahrt nach La Palma anzutun, erfuhr ich, dass momentan vom Reisen nach Marokko abgeraten wird wegen Unruhen. Ja dann…

In der Ferne passiert alle drei Minuten ein Kreuz- oder Frachtschiff die Strasse von Gibraltar auf seiner Route, etwas näher schwimmen manchmal Delfine vorbei, und frühmorgens tuckern beleuchtete Fischerboote dem Hafen zu. Und falls das jetzt sehr romantisch klingt: es ist romantisch ! Zumal entlang dem Strand ein 10 Kilometer langer Holzsteg zum Flanieren einlädt.

El Camino del Rey

Monika und ich hatten uns den berühmten ‘Königspfad’ vorgenommen. Er ist gute 7 Kilometer lang und lässt sich gemütlich erwandern in ein paar Stunden. Schon die Anfahrt nach Ardales zum Start bietet einiges an schönen Ansichten.

Anfahrt zum Camino del Rey: Ist das schön hier !

Ankunft in Ardales: das ist Hagemeiers Iveco 4×4 ‘Greenhorn’, mit welchem Monika und Daniel unterwegs sind, wenn sie nicht gerade eine Wohnung am Meer gemietet haben. Mit so einem Fahrzeug kommt man auch dort hin, wo mein Fiat längst weiche Knie bekommt oder hängen bleibt mit dem bodennahen Bauch..

Daniel hat in weiser Voraussicht Sandwiches gemacht, ehe wir losfuhren. Madre mía, haben wir einen Hunger bei der Ankunft in Ardales !

Wer übrigens mit Blick auf das ‘Greenhorn’ neugierig geworden ist, hier gibt es mehr dazu: www.Hagis-on-Tour.com

Und währenddem Monika und ich südwärts wanderten, erkundeten Daniel und die Hunde die Umgebung und trafen bei der Gelegenheit auf diese gut anderthalb Meter lange Viper (oder Natter ?), die gerade dabei war, die Strasse zu überqueren

Nordzugang des Camino. Hier muss jeder Wanderer einen Helm fassen (wozu der gut ein soll, ist nicht ganz klar; vielleicht, um uns ein Gefühl von Abenteuer und Gefahr zu vermitteln..😊 ), aber dann geht es immerhin los.
Die Bartgeier lebten hier schon lange vor dem Bau des Camino del Rey – die Schlucht heisst deshalb auch ‘Desfiladores de los Gaitanos’ (Bartgeier-Enge)

Gebaut wurde dieser Weg entlang der steilen, engen Schlucht ab 1901 als Material-Transportweg und Service-Zugang für ein geplantes Wasserkraftwerk, welches den Winterregen und einen Wasseranteil des Flusses Guadalhorce nutzen würde. Der Pfad auf gut 100 Meter über dem Talesgrund bestand vorerst vor allem aus Holzplanken auf Stahlträgern und wurde erst später mit Beton befestigt.

Als König Alfons XIII nach 20 Jahren Bauzeit anlässlich der Einweihung des Kraftwerks die Schlucht auf einer schmalen Brücke überquerte, durfte der Name ‘Königspfad’ oder ‘Camino del Rey’ übernommen werden.
Der Ingenieur, der den Bau des Kraftwerks angeregt hatte, wurde zur Belohnung mit einem Grafentitel beehrt und die Bewohner rund um die Anlage nannten den Weg ‚El Caminito‘ und benutzten die praktische Abkürzung fortan als Schul-, Arbeits- oder Einkaufsweg.

Der alte, ungesicherte Pfad wurde zum Bauen des neuen Caminito benutzt

‘El Caminito’ bröckelte und verfiel allerdings im Lauf der Jahrzehnte, und es kam immer wieder zu Todesstürzen, dort, wo statt Betonwege immer öfter nur noch nackte Stahlstützen aus dem Fels ragten.

Nach Jahren der Totalsperrung wurde 2015 der neue, sichere Camino del Rey eröffnet. Seine Begehung ist nun ein Kinderspiel, aber es ist auch jetzt noch eindrücklich, entlang der steilen Wände zu spazieren, sich an grossartigen Ausblicken zu erfreuen und die federnde Hängebrücke über dem stiebenden Wasserfall zu überqueren.

Auch überraschende Begegnungen gab es unterwegs
Für alle, die mich gefragt hatten, wie ich denn jetzt aussehe: ungeschminkt, mit schlecht aufgesetztem Helm und Haarnetz ungefähr so… 😊 Ich teile mir das Bild deshalb gerne mit der goldenen Sandsteinwand links..
Der alte, ungesicherte Caminito – darüber der Neue..

Was für ein herrlicher Ausflug das war !
(Und was habe ich nach dem Spaziergang die Waden gespürt ! Dort gibt es offensichtlich Muskeln, die man hie und da benutzen sollte..)

Wieder daheim in Calahonda: ein Sonnenaufgang
Gleich hier nebenan : das ‘Chiringuito El Capricho’ (Strandbar und Restaurant) und sein berühmtes Fritura Mixta: frittierte Fische und Meeresfrüchte mit Knoblauchbrot und dicker Kräutermayonnaise. Köstlich !

Ganz neu auf meiner ‚Wie wär’s mal damit..?‘ – Liste: eine Fahrt mit dem Zug ‘Al Andalus’. Wir haben ihn im Fernsehen in einer Andalusien-Dokumentation gesehen und waren begeistert.

Die historischen Wagen von 1928 im Stil der Belle Epoque dienten ursprünglich der Britischen Königsfamilie für ihre Reisen zwischen Calais und der Côte d’Azur.
Nun fährt einen der ‘Al Andalus’ mit Retro-Charme während 7-11 Tagen durch Andalusien mit Stops in Sevilla (prächtiger maurischer Königspalast Alcazar), Jerez (feiner Sherry und Pferdedressur-Show), Granada (Alhambra !), Ronda (Weisses Dorf über dramatischer Felswand) und weitere. Ab 4000 Euro ist man dabei (Full Board und alle Ausflüge inklusive).

Ich müsste allerdings noch ein wenig (viel) in meine Garderobe investieren, denn Jeans und T-Shirt sind nicht gerade das, was man normalerweise zum Gala-Dinner trägt in einem solchen Rahmen. Zum Glück muss ich nicht gleich los; der Zug fährt erst ab Mai wieder..

In Spanien hängt der Weihnachtshimmel übrigens traditionsgemäss voller Jamón Ibéricos..
In Fuengirola gefunden: ein Restaurant für alle Golf-Aficionados… Toll, oder ?

Und nun wird es Zeit für mich, weiterzureisen, damit ich keine Wurzeln schlage.
Es ist allerdings gar zu schön hier, und es fällt mir entsprechend schwer.

Ganz herzlichen Dank einmal mehr an wunderbare Gastgeber, dieses Mal an Monika und Daniel, für die genussvolle Zeit, die ich hier verbringen durfte.

Habt Dank für all die feinen Mahlzeiten, die schönen Spaziergänge und Ausflüge, und natürlich ganz besonders für die interessanten und lustigen Gespräche ! Es war toll mit euch !

Ein besonderer Dank gebührt euch natürlich auch für alle Bilder, die ich bei euch abgekupfert habe, vom Bartgeier über das Hirschlein bis zu einigen Caminito-Aufnahmen – das hat man dann davon, wenn man eine anständige Kamera hat… 😊

Und ganz am Schluss noch dies für alle, denen ich es nicht schon vorher gesagt hatte:

Ich wünsche euch allen EIN GUTES NEUES JAHR !

Möge es so stinknormal werden wie nur möglich, so dramafrei wie schon lange nicht mehr und so glücklich, dass ihr singen möchtet !