Vier auf einen Streich – Inselhopping..

Abreise aus dem Hafen von Santa Cruz de La Palma um 06.30h am 25. Februar 2022

Also gut: nicht ganz auf einen Streich. Es fühlte sich aber so an, als wäre ich ständig auf einer Fähre – und das zählt ja auch irgendwie.. 😊 Aber der Reihe nach..

23.2.22: Ich verlasse Fuencaliente nur ungern. Wenn ich aber bleibe, gäbe es bald nochmals ein paar Dutzend Leuchtturm-Fotos, und eigentlich habe ich ihn ja schon in beinahe jeder möglichen Stimmung gesehen.. Ausserdem wird es wirklich Zeit für eine Dusche und Haarwäsche. Und spaziermässig gesehen habe ich es auch hier.

Bei diesem Wind wären richtig kurze Haare genau richtig. Was wäre ich hier froh um den einstigen Schnitt der griechischen Coiffeuse, die damals auf meine lange Wunschliste (zum Beispiel ‘hier etwas länger’) «Short !» sagte und entschlossen zur Schere griff..

Die touristische Route an der Westküste. Nicht sooo erbaulich  
Damit man bei der Durchreise nicht im Elend versinkt, gibt es immer wieder mal einen Aussichtspunkt (Mirador) mit einem etwas weiteren Blick.  

Auf dem Weg zum Hafen komme ich am Aussichtspunkt des erloschenen Vulkans San Antonio vorbei. Bis vor ein paar Monaten war er der zweitjüngste der Vulkane auf La Palma nach Teneguía und dessen Eruption 1971. Mit dem neuesten Ausbruch am Cumbre Vieja im September 2021 ist er an die dritte Stelle gerückt.

Den Kraterrand kann man begehen. Auch wenn seine Geschichte nicht mehr ganz ‚backwarm‘ ist, ist dies immer wieder eine interessante Erfahrung.

Die Malvasia-Traube stammt ursprünglich aus Kreta (interessant !) und gedeiht hier kriechend auf grober Vulkanasche. Man findet sie an San Antonios Vulkan-Hang namens ‘Llanos Negros’ (schwarze Ebenen). Die Reben werden durch Trockensteinmauern vor dem Passatwind geschützt.. Um an Wasser zu gelangen, durchdringen die Wurzeln das oft fünf Meter hohe Substrat und breiten sich weit aus.

Der dunklere Fleck zum Meer hin (ca. Bildmitte) ist vom Süden her die erste Lava-Spur des September-Ausbruchs. Ab dort ist die Strasse entlang der Westküste vorläufig gesperrt.
24.2.22 Abends ein letztes Glas Weisswein in meiner ‘Stammbar’ Tiuna in Los Cancajos (immerhin war ich drei Nächte lang hier und drei Mal zu Besuch)

25.2.22: Mein Wecker klingelte mich wach um 04.45h. Eigentlich wollte ich gestern direkt im Hafen ein Ticket nach Fuerteventura kaufen. Ich dachte, am Schalter wüssten sie besser Bescheid als ich online. Aber es gab keinen freien Parkplatz weit und breit, also buchte ich nach mehreren vergeblichen Runden vom Einfahrt-Kreisel zu den Piers und zurück halt doch ein Online-Ticket von einem Busparkplatz aus. Es gibt von hier aus keine Fähre direkt nach Fuerteventura, aber nach Teneriffa. Also gut, da wollte ich sowieso mal wieder hin.. 😊

Die Linie Benchijigua – fährt für Fred Olsen von La Palma nach Teneriffa innnert zweieinhalb Stunden

Abfahrt um 06.30h Die Hälfte der Überfahrt findet im Dunkeln statt.  Es sind wenig Passagiere an Bord, aber als es hell wird, läuft das Geschäft in der kleinen Cafeteria doch noch etwas an.

Die Insel La Gomera zieht auf unserem Weg an uns vorbei. Oder war das umgekehrt… ?

Ankunft in Teneriffa um 9 Uhr morgens. Dann mal los ! Zuerst verfuhr ich mich mehrmals in Hafennähe von Santa Cruz und umrundete drei Mal denselben Kreisel aus verschiedenen Richtungen; das letzte Mal, nachdem ich auf einer Art Wanderweg unterwegs gewesen war neben der Autobahn. Und dann bemerkte ich bereits, dass ich ‘ohne Autobahn‘ eingegeben hatte im Navi.  

Die Dörfchen am Meer sind hübsch anzusehen. Bis am Nachmittag hatte ich deshalb 150km hinter mir und während den letzten beiden Stunden einen Camping- oder Stellplatz gesucht. Vergebens: es gab ein paar schmuddelige Parkplätze voller schmuddeliger Oldies-Bewohner, die die Aussicht ans Meer verstellten vor den herausgeputzten Häuserzeilen dahinter. Wenn ich hier wohnen würde, gäbe es halbjährlich eine Petition von mir..

Als ich endlich beim einzigen Campingplatz weit und breit, dem ‘Montaña Roja’, nach einem Plätzchen fragte, wurde ich nach seiner Absage angepfiffen vom Receptionisten, als ich von oben am kleinen Hang (ganz allein) auf die paar Plätze hinunterschaute, weil offenbar aus Corona-Gründen nur Platzmieter hinunterschauen dürfen. Ok, das war’s. Ich fahre zum Hafen.

Die nette Dame am ‘Navieras Armas’ – Schalter (mit Parkplätzen davor !) im Hafen von Teneriffa teilte mir mit, dass die Fähren von hier aus nur nach Gran Canaria verkehren; für Fuerteventura müsste ich nach Los Cristianos zurück. Nein, sooo schön war die Strecke nun auch wieder nicht.

Also buchte ich Gran Canaria, ass ein Sandwich im Hafenrestaurant und schipperte dann zwei Stunden lang nach Las Palmas.  
Dort war es inzwischen dunkel, und Navi-Yannick sagte, meine Campingplatz-Eingabe ergäbe keine Strassen am Zielort (die Parkt4Night–Koordinaten sind wohl falsch). ich fuhr also nach Agüimes ins Dorf, bis mir einfiel, dass der Campingplatz etwas mit Playa hiess.

Eher zufällig fand ich den Platz ‘Playa de Vargas’ dann doch noch…. Home, sweet home. Ich trank ein Glas Wein im hübschen Camping-Restaurant und ging schlafen. Das war ein langer Tag heute. Und morgen wird geduscht, aber so richtig !

Mein Nachbar Christoph, ein gebürtiger Pole mit deutscher Frau, nahm sich meiner Schiebetüre an, welche wegen kaputter Zuziehhilfe mit einem heftigen Rums geschlossen werden muss. Er wusste davon, weil ich mich jeweils bei den direkten Nachbarn schon im Voraus entschuldige für etwelches Rumsen von meiner Seite. Er war der Erste, der tatsächlich eine Sicherung innerhalb des Küchenblocks fand. Da sie aber intakt war, half das auch nichts.

Nett war die Begegnung trotzdem. Bei einem Kaffee erzählte er mir, dass er und seine Frau Natalia aus Deutschland auswandern wollen und dabei sind, sich ein Haus zu kaufen auf Gran Canaria. Dann wird Christoph Ausflüge anbieten auf seinem Boot. Das hat er vor Jahren schon einmal erfolgreich gemacht in Florida.
Jedenfalls weiss er, wovon er spricht. Das ist längst nicht bei allen Auswanderern der Fall, wie einschlägige Fernsehsendungen zeigen. Ich denke, er wird das hinkriegen – und wünsche den Beiden viel Glück !

Ein Fest für Airline-Fans: zweimal am Tag läuft hier so richtig etwas, denn wir sind direkt in der Anflugschneise des Flughafens von Las Palmas.

Die vier Burschen, denen der Wohnwagen mit den offenen Dachluken gehört im Bild oben, seien für zwei Wochen in Las Palmas, hat mir eine deutsche Bierrunde nebenan gesagt und war überhaupt nicht zu haben für meinen Vorschlag, die Fenster für sie zu schliessen (selber schuld und so).
Da es heute jede Stunde zehn Minuten lang heftig regnete, meldete ich mich schliesslich bei der Platzchefin. Auf ihren Anruf hin waren die vier Jungen innerhalb von einer Stunde hier und luden diverse tropfende Teppiche und Duvets in ihr Auto, ehe sie wieder abzogen – dieses Mal mit geschlossenen Oberlichtern…

Innerhalb vom Campingplatz gibt es auch ein kleines Dorf von Zeltbewohnern. Die oft winzigen Zelte stehen im Windschatten, und deren Bewohner leben hier zum Teil seit Monaten, einige völlig abgebrannt. Gelegenheitsjobs gibt es halt momentan nicht allzu viele bei relativ wenigen Touristen.

Playa de Vargas vom Campingplatz aus. Hier ist Kitesurfing angesagt. Manchmal tummelten sich ganze Schwärme von ihnen über der dunklen Bucht.

Playa de Vargas von nah. Ziemlich schwarz, oder ? Aber die vom Meer abgerundeten Steine sind gleichzeitig auch sehr dekorativ.

Ich blieb am Ende drei Nächte auf dem Campingplatz, ehe ich aufbrach zum Hafen von Las Palmas für die Fahrt nach Fuerteventura.
Vorher machte ich einen Abstecher nach Maspalomas. Doch, sehr hübsch ! Sehr touristisch und sehr hübsch. Wahrscheinlich hübsch weil touristisch.
Auf der Fahrt dorthin kam ich allerdings an Hunderten von Windrädern vorbei, und diese finde ich beinahe ebenso unsexy wie die Treibhäuser.. Die hätten doch jede Menge Sonne hier – Solarpanele verstehe ich noch am ehesten. Aber mich fragt ja keiner..

Rush hour am frühen Abend im Armas-Hafen von Las Palmas
Auch der Catamaran neben uns ist eine Fähre. Ich habe gehört, dass es einem auf diesen schneller übel wird als auf den traditionellen Schiffen. Wie die Erfahrung dann zeigte, ist das nicht unbedingt so…
Abfahrt von Las Palmas de Gran Canaria nach Fuerteventura um 23.30h am 28. Februar 2022

Unsere Fahrt soll sieben Stunden dauern, und das Schiff war voll. Dutzende Lastwagen hatten elegant gewendet und waren rückwärts an Bord gefahren. Dann folgten viele PW, und schliesslich ein paar wenige Wohnmobile und Camions.

Kaum waren wir unterwegs, begann der junge Schwede auf der Sitzreihe neben mir zu würgen. Nach dem unausweichlichen Teil würgte er weiter mit einem nachgerade geschrieenen Uääääääh. Ich dachte, wenn das so weitergeht, wird er ohnmächtig (was ihm wahrscheinlich den Krampf lösen würde).
Dann holten ihn zwei uniformierte Angestellte ab, und nach einer Weile hörte man gar nichts mehr. Er wurde offensichtlich ruhig gestellt, wie auch immer. Da auch ein paar andere ihre Tüten benützten für einschlägige Einsätze, hatte ich keine grosse Lust auf Essen, obwohl dieses gar nicht schlecht aussah – die Lüftung lief auf Hochtouren, die Luft blieb also frisch. Und in diesem Fall halfen bestimmt auch die Masken..

Die Chauffeure waren da weniger zimperlich und ritten mit den Wellen, hielten ihre rutschenden Teller auf dem schwankenden Tisch fest und genossen Pouletschenkel, Pommes und Bier.

Ich wurde dieses Mal verschont, habe aber gehört, dass man sich nicht auf seine Seefestigkeit verlassen kann, weil sogar langjährige Schiffbesatzungen hin und wieder von der Seekrankheit heimgesucht würden.

Wir kamen noch im Dunkeln an in Puerto del Rosario, der Hauptstadt von Fuerteventura, und mangels anderer Pläne machte ich mich auf in den Norden zu den Wanderdünen, wo ich der Sonne beim Aufgehen zusah.

Vier auf (beinahe) einen Streich: La Palma – Teneriffa – Gran Canaria – Fuerteventura…. 😊