
Meine Fähre ‘Marie Curie’ legte am 20. März in Las Palmas mit fünfeinhalb Stunden Verspätung ab Richtung Huelva, und ich fand das ganz wunderbar !
Unsere planmässige Ankunft in Huelva wäre ja zwei Tage später um 07.30h gewesen, also viel zu früh am Morgen ! Nun würden wir also erst um etwa 13 Uhr ankommen. Juhui ! In diesem Fall kann ich nämlich auch in der zweiten Nacht ausschlafen und nach dem Packen gemütlich frühstücken, um anschliessend beim Anlegen in Huelva zuzusehen. Perfekt !

Die Überfahrt war deutlich unruhiger als letztes Mal, und ich überlegte wieder einmal leicht schwankend, ob ich besser auf das Nachtessen verzichten sollte, als wir auch schon in Santa Cruz de Tenerife ankamen für einen vierstündigen Zwischenhalt. Vier Stunden für ein gemütliches Nachtessen ohne Schunkeln. Ich habe französisch geübt mit einer rüeblirothaarigen Belgierin, die mit ihrem alten Mischlingshündchen in einem Mercedes-Camper vom alljährlichen Winter-Aufenthalt auf Gran Canaria zurückreiste.

Ich verbrachte meine Zeit mit Spaziergängen an Deck und durch die leeren Aufenthaltsräume, mit Lesen an verschiedenen Orten – hier im Restaurant, mit Fernsehen in der Kabine und mit Siestas, wenn das Meer gar zu unruhig wurde. Nicht nur das Schiff war dasselbe wie letztes Mal, auch die gut gelaunte Crew war es. Die Mahlzeiten waren eine schöne Abwechslung und ich schlief herrlich in meiner Kabine.
Am zweiten Abend sah ich mir nach dem Nachtesssen einen Film an über die Bee Gees. Das war schon eine tolle Band mit ihren vielen Musikstilen: ‘Massachusetts’, ‘Staying Alive’ oder ‘Jive Talking’: coole Songs ! – oder vielleicht doch vor allem coole Erinnerungen ? Wegen dem Film wurde es ziemlich spät, aber macht ja nichts; wir haben noch viel Zeit. Gute Nacht.
Ich war etwas ungehalten, als ich mitten in der Nacht geweckt wurde durch lautes Reden im Gang. Moment. Hatte ich da eben das Wort ‘Bienvenidos’ gehört ? Sicher nicht; es war noch viel zu früh dafür. Ich öffnete schlaftrunken die Tür einen Spalt: «Ladies and Gentlemen, welcome to Huelva. Die Fahrer werden gebeten, jetzt zu ihren Autos zu gehen.»
Neiiiin ! Verdammt ! Es war 7 Uhr 20 ! Die hatten nicht nur die ganzen fünfeinhalb Stunden Verspätung wieder aufgeholt, sondern aus purer Gemeinheit noch zehn völlig unnötige Minuten gratis oben draufgelegt !
Ich zog mich hastig an, warf alles andere in die Reisetasche, joggte zum Auto (an zweiter Stelle direkt beim Ausgang !), liess den Motor an und war bereits auf dem Hafengelände, als der Schreck so richtig einfuhr. Wie konnten die nur ! Und ohne mich vorzuwarnen ! Ich brauchte einen Kaffee! Oder mehrere !
Und jetzt fiel mir erst auf, dass ich auch noch in dichtem Nebel fuhr, der nach und nach von Nieselregen abgelöst wurde. Na, toll ! Hier verpasste ich nichts und fuhr einfach drauflos mit der Idee, dieses Mal nicht der Küste entlang nordwärts zu halten, sondern durch das Inland.


Nach mehreren Kaffeehalts landete ich schliesslich in der Region Extremadura nahe der portugiesischen Grenze auf dem ‘Camper Stop Alegría’ (ungefähr beim gelben Punkt auf der Karte).

Das holländische Paar Yvon und Joop hatte den Stellplatz ausgerechnet ‘fünf Minuten vor Covid’ eröffnet und hoffen nun, dass das Geschäft endlich anläuft. An mir soll es gewiss nicht liegen.

In diesen Schuppen rechts werden dereinst WCs und Duschen eingebaut. Der Antrag dafür ist aber ‚erst‘ ein Jahr alt, und die Bürokratie in Spanien vom Feinsten (wer hätte das gedacht) ! Das wird noch eine Weile dauern..





Eine schöne Gegend ist das hier. Ich denke, ich bleibe ein paar Tage, bis entweder das Wetter besser wird – oder ich mich an die Kälte gewöhnt habe..😊
