Wässeriges von Lluvia zu Pluie, von Rios zu Rivières..

Nachmittags um drei Uhr zwischen verschwommenen Ginsterhängen

1.5.2022 – Der Grenzübertritt von Spanien nach Frankreich war ziemlich unauffällig, weil der Regen ganz ohne Sprachprobleme weiter fiel.. 😊

Da ich sowieso nichts sehen konnte, wählte ich die Autobahn; das macht den Regen zwar nicht besser, aber kürzer..
Ausserdem: wenn schon kein Besichtigungswetter herrscht, kann ich mir stattdessen ein Campingplatz-Bewohnungsprogramm machen. Falls das Wetter einmal mitmacht aus Versehen, könnte ich das Dorf in der Nähe besuchen, ist aber nicht obligatorisch. Reisen und Sein heisst die Devise !   

Festland-Frankreich ist seit 2016 in zwölf Regionen aufgeteilt (mit Korsika und Überseegebieten sind es achtzehn) und diese wiederum in jede Menge Départments.
In den letzten Tagen bin ich von der Region Occitanie im Süden in die Region Nouvelle Aquitaine, dann ins Centre-Val de Loire und schliesslich ins Burgund gereist. Hin und wieder war ich doch tatsächlich einen Tag lang schneller als der Regen, aber im Allgemeinen hat er mich zuverlässig wieder eingeholt nach einem oder zwei Sonnentagen…

Camping Le Domaine de Castex in Aignan

Meine Aussicht auf das Herrenhaus am Platz

Gemeinsames Nachtessen im alten Herrenhaus. Die Holländer Arie und Hannie haben den Campingplatz siebzehn Jahre lang geführt und ihn vor ein paar Wochen an Jérôme und Vanessa (hinten mit Tochter Fantine) verkauft, um nun doch endlich in den Ruhestand zu treten.
Die Übergabe ist in vollem Gange: Arie hat Jérôme beim Putzen des Swimming Pools unterwiesen, und Vanessa hat mein Checkin unter der Anleitung von Hannie gemacht. Die zwei Neuen sind seit letztem Herbst zurück aus Guadeloupe – und die geborenen Gastgeber. Sie werden das bestimmt super machen.

Bei kühlem Wetter stelle ich mich jeweils so hin, dass ich die schönste Aussicht vom Esstisch/Pult aus nach vorne habe. Bei Sonnenschein soll sie eher bei der Schiebetüre auf der rechten Seite zu sehen sein, da diese offen steht, wenn ich daheim bin.

Die Pyrenäen ! Etwas unklar zwar, aber trotzdem schön.  

Aignan ist eine sympathische Gemeinde. Sie leidet allerdings – wie viele andere – an Jugendschwund, da diese nach Möglichkeit in die Stadt ziehen, wo mehr los ist..

..deshalb sieht man auch hier mitten im Dorf solche Bilder. Dieses habe ich ein paar Schritte zurück vom obigen Kirchenfoto gemacht.
Warum eine Gemeinde es zulässt, dass Häuser über Jahrzehnte dem Verfall preisgegeben werden, ist mir nicht bekannt, aber schon etwas erstaunlich.

Dort, wo das alte Dorf belebt ist, hat es seinen eigenen, patinierten Charme.
In Spanien wäre dies die Plaza Mayor und autofrei; auf diesem Dorfplatz musste sich immerhin sogar der Carrefour Supermarkt (rechts) unter die Laube begeben, und sein Logo an der Stirnseite der Hausmauer ist nachgerade dezent.

Und ! In Aignan habe ich tatsächlich Konkurrenz für die Pasteis de Nata gefunden !

Diese ‘Croustade’ ist eine Spezialität aus dieser Gegend und wird hier von einem Bauernpaar hergestellt. Sie besteht aus von Hand seidenpapierdünn ausgezogenem Teig und enthält vor allem in Armagnac gebadete Äpfel und braunen Zucker.
Die caramelisierten Teigblätter knistern herrlich beim Schneiden, und diese süsse, lauwarme Croustade ist délicieux mit einer Kugel Glacé und Schlagrahm ! Folglich teilen sich die Pasteis aus Portugal fortan den Siegerplatz bei den ausländischen Gourmandises mit dieser Croustade 😊.

Gestern wurde ein zweiter Platz besetzt von einem holländischen Paar – und heute musste Arie deren Wohnmobil aus der regennassen Wiese ziehen mit dem alten Traktor. Ich war am nächsten Tag dran – und habe es geschafft, nach dem problemlosen Sprung auf die Strasse einen Betonklotz mitzuschleifen mit meiner bodennahen Stufen-Einfassung, die nun etwas lädiert aussieht. Wieder etwas auf der immer länger werdenden Todo-Liste..

‘Lost Places’ nennen die Sozialmedien solche Ruinen in der Landschaft.
Es gibt sie nicht nur in Ortschaften. Wenn ich zurückdenke, habe ich in Frankreich sogar mehr davon gesehen als in Spanien. 

Camping Castel du Château de Leychoisiers in Bonnac-sur-Côte

Campingplatz mit Château. Oder umgekehrt..
Ich bin im Moment die einzige Kundin auf den schönen Alleenplätzen

Der Schlossherr. Das Schloss gehört ihm tatsächlich, und den Schlosspark pflegt er mit Hilfe eines Gärtners selber.
Er betreibt den Campingplatz seit 32 Jahren und hat seinen Enthusiasmus für die Gastgeberei längst verloren. Leider fehlt ihm ein Plan B, und so sitzt er den ganzen Tag vor der Reception, trinkt Kaffee und raucht Zigarillos.
Die Leute schauen dann schon selber, wie sie’s hinkriegen mit dem Platz, nachdem er seine 20 Euro einkassiert hat. Seine Informationen vom Stuhl aus sind so vage, dass ein gestern spät angekommener Wohnmobilist sein Chemie-Klo in den Ablauf eines Trinkwasserbrunnens entleert hat. Wäh!

Unterwegs in lichten Wäldern..

 Camping Roussilles in Saint-Sylvestre

Auf dem Camping Roussilles wurde mir dieses feine Menu serviert (ich habe nicht ‘dieses gesunde’ gesagt !).

Foto recht: der Campingplatz wird von zwei holländischen Schwestern und ihren Ehemännern bewirtschaftet, und deren Hündchen Max findet mich toll, seitdem ich ihm das Spekulatius verfüttert habe, welches mit dem Espresso kam.
Auch diese Vier hatten den Platz im Vor-Coronajahr 2019 übernommen. Da er vorher sechs Jahre lang leer gestanden hatte – und nochmals zuvor ein Tierpark gewesen war – hatten sie auch während des Lockdowns alle Hände voll zu tun, etwa die ausufernden Bambushecken eindämmen, ebene Stellplätze am Hang schaffen und sich je ein Häuschen zu bauen auf dem Grundstück.

Auf diesem Platz ereilte mich das längste Wlan-Passwort meines Lebens..
Die Duschen sind blitzsauber – auch die Hundedusche ! Das Châlet rechts wird momentan vom Holzwurm bewohnt, soll aber nach dessen Zwangs-Ausweisung wieder in Betrieb genommen werden als Sommerbar.

Camping Gartempe in Châteauponsac

Das Dorf ist in ein paar Minuten durch den Bungalow-Park erreichbar – ein netter Spaziergang

Der freundliche Platzbesitzer Philippe öffnete die Bar extra für mich. Das Glas Rotwein aus der Gegend und die Aussicht hinunter auf den Fluss Gartempe passten ausgezeichnet zusammen..

Ein wenig Durchreise-Liberté-Egalité-Fraternité aus dem Ort Vartan

CampO’village an der Cher in Vierzon

Hier war es so gemütlich, dass ich zwei Nächte blieb. Pünktlich jeden Abend öffnet der (zur Abwechslung tatsächlich französische !) Platzbesitzer Frank die Weinbar und den Kochstand, und dann gibt es Pouilly-Fumé mit Cashews zum Apéro, danach Pouletflügeli mit Pommes. Herrlich !

Wenn man seine eigene Wolldecke mit auf die Terrasse brachte, stand einem ungetrübten Geniessen absolut nichts im Wege.

Der Platz liegt direkt an der Cher, an deren Ufer es sich wunderbar spazieren lässt.
Diese Brennessel-Plantage am Flussufer habe ich zu Fuss grossräumig umrundet – im Gegensatz zu demjenigen, welcher diese Spur in der Mitte hinterlassen hat..
Hier wusste ich es noch nicht….
..aber jetzt ! Die Loire ! Endlich ein Fluss, dessen Name ich schon vorher mal gehört hatte.. 😊

Camping Municipal Les Coullemières in Vermenton

Die Platz-Chefin oben wohnt mit ihrem Mann in einem Bungalow auf dem Platz. Ab April nehmen sie sechs Monate lang eine 7-Tage-Woche in Kauf, um ab Oktober ermattet aufs Sofa zu sinken bis zum nächsten Frühling. Diese Lebensweise teilen sie mit vielen Platzbetreibern, die mit möglichst wenig Personal auskommen (müssen). Der Platz war richtig schön gepützelt und sauber, und die Beiden den ganzen Tag beschäftigt mit Rasenmähen, Unkraut jäten, WCs putzen, Ein- und Auschecken von Gästen..

Dass dies ein Gemeinde-Campingplatz ist, erkennt man auch daran, dass dieser grosszügige Bau oben kein Restaurant ist, sondern ein Aufenthaltsraum für Zelt-Camper. Mir persönlich wäre ein Restaurant lieber gewesen, aber man kann manchmal nicht alles haben…

Dieser Fluss heisst ‘Cure’ und bot mir wonnige Abendaussichten direkt vom Auto aus  
Windmühlen.. Ich weiss, welche mir besser gefallen – vielleicht eine Frage des Alters ? Hm..

Camping Verte Rive in Cormary

Nach einigen Stunden Fahrt am gestrigen, dunstigen Samstag landete ich auf diesem kleinen Camping mit 20 Plätzen am Fluss Ognon.

Hier sind die Besitzer ausnahmsweise Belgier statt Holländer.. Ein Restaurant gibt es zwar auch nicht, aber der Brötchenservice hat mir heute Morgen einen kunsprigen, noch warmen Weggen beschert. Ich bleibe noch eine Nacht, um gemütlich zu entscheiden, wohin ich danach fahren will.

Denn eigentlich…

Eigentlich wollte ich mir dank meiner Mitgliederkarte von ‘France Passion’ ansehen, wie Foie Gras entsteht auf einem Hof, wo die Gänse frei herumlaufen. Ich wollte Weine degustieren in verschiedenen Kellereien, neben Auberges übernachten, die lokale Spezialitäten zubereiten – oder eine Büffel-, Trüffel- oder Schneckenfarm besuchen.

Dass dies so überhaupt nicht klappen wollte, liegt vor allem am sehr unsteten Wetter in diesem Frühling.
Man darf nämlich wohl auf den Höfen übernachten, steht dabei aber frei ohne Strom (=ohne Heizung) oder Sanitäranlagen, und dafür war es mir schlicht zu kalt die letzten Wochen. Schade. Vielleicht nächstes Jahr…?! 😊

Gestern kam ich in Nitry zum Beispiel direkt an der Auberge de la Beursaudière vorbei aus meiner ‘Das-wäre-doch-was-Liste’. Aber es war kühl und erst 11 Uhr morgens bald nach dem Frühstück, und so habe ich nur bedauernd hinübergesehen – und bin weitergefahren.

Ich bin doch tatsächlich schon beinahe in der Schweiz ! Das ging ja schnell.  
Vielleicht mache ich noch einen kleinen Abstecher in den Kanton Jura. Aber erst schaue ich heute Sonntag dem Wetter zu..

Nachdem ich heute Morgen bei 7°C erwacht bin (man schläft herrlich bei dieser Kälte !), habe ich inzwischen dank der Sonne 25°C im Auto (am Morgen 18°C dank meiner kleinen Elektroheizung). Perfekt ! Ich gehe jetzt duschen und abwaschen, ehe es wieder zu kühl wird dafür..  

Ich wünsche euch einen friedlichen, sonnigen 1. Mai ! 😊