Sizilien: kleine Fähre, grosse Rebberge und des Ätnas kalte Schulter..

14. Februar 2023. In einem sehr erfreulich geschriebenen Reiseblog von einem Schweizer Rentnerpaar (i vagabondi – unterwegs auf Rentenvernichtungstour) hatte ich gelesen vom Hofcamping Etna Wine in Passopisciaro. Als ich feststellen musste, dass an der Nordküste um Messina herum so gut wie alle Campingplätze geschlossen sind, weil halt um diese Jahreszeit noch keine Boote verkehren zu den Liparischen Inseln (den Stromboli würde ich ja gerne mal aus der Nähe sehen), beschloss ich, es mit dem empfohlenen Weinhügel zu versuchen.

Hier ging es vom ‘Rudi’-Hügel hinunter nach Reggio di Calabria und Villa San Giovanni, von wo aus die Fähre dort hinüber fährt. Sizilien.

Es geht los. Rechts Villa San Giovanni bzw das Festland.. (Ich fand vor allem das sonnengelbe Schiff hübsch…)

Mit der Fähre von Villa San Giovanni nach Messina: 40 Minuten warten, 20 Minuten Reise durch die Strasse von Messina: 10 Kilometer Reisedistanz inklusive Aus- und Einfahrtschwenker bei den Häfen.

Die Wartezeit habe ich dazu genutzt, mir ein Billett zu kaufen und gemütlich ein mitgebrachtes Sandwich zu essen..  

Von Messina aus ging es südwärts Richtung Catania, wobei man dort während der Hälfte der Strecke weit hinaus aufs Meer sieht und die andere Hälfte in Tunnels verbringt. Bald führte die Strasse rechts in die Berge, durch Felder, Wälder und menschenleere Dörfer, und es wurde merklich kühler. Und schon war ich da, im Hofcamping Etna Wine.

Die Besitzer wohnen im Herrschaftshaus aus dem 19. Jahrhundert auf der Etna Wine Azienda Agrituristica in Passopisciaro.

Ich stand allein auf dem Hof in den Bergen – in 10 Hektaren Reben. Einerseits genial, andrerseits schade, denn bei so wenig potentieller Kundschaft hatte niemand ein Interesse daran, mir eine Wein-Degustation anzubieten.
Aber was für eine herrliche Gegend ! (Habt Dank für die Empfehlung, ‘I Vagabondi’ ! 😊)

Gleich vor meiner Schiebetüre: Das ist sie, die ‘kalte Schulter’. Alles da hinten mit Schnee drauf ist ‘Der Ätna’, halt von der ‘anderen Seite’ aus gesehen ! Diesbezüglich aufgeklärt wurde ich von einem jungen Rebenhelfer aus Napoli, welcher mit seinem VW-Bus auf den Platz gefahren kam zum Abwaschen und Duschen, und er hat mir erzählt, dass man die Rauchsäule bei einem Ausbruch jeweils von irgendwo dort – also von hinter den Bergen – aufsteigen sehe..

Ehe es draussen richtig kalt wurde am Abend, bekam ich im warm geheizten Restaurant ‘Bianca di Navarra’ feinen Wein ausgeschenkt (‘Etna Rosso’ genannt und aus Nerello Mascalese Trauben), dazu gab es Schnitzel und knusprige Pommes. Das junge Wirtepaar wird in ein paar Wochen in Acireale ein anderes Restaurant übernehmen; sie hoffen, dass dort etwas mehr los sein wird als hier.  

Für mich sind die oberen zwei Fotos ganz eigentlich ‘DAS Bild Süditaliens’: Stil, Klasse und Geschmack unter einer dicken Patina von Vernachlässigung. Ich bin mir nie ganz sicher, ob ich das besonders charmant finden soll oder besonders schade.

..Die Reben aber, die werden gepflegt !

Ich habe hier unter einem stillen, schönen Sternenhimmel prächtig geschlafen und beschlossen, dennoch dorthin weiterzuziehen, wo es etwas wärmer ist (heute früh hatten wir 3 Grad). Ich habe mich also reisefertig gemacht, währenddem sich in der Kellerei im roten Gebäude der Chef mit Fässern und Flaschen zu schaffen machte.

Von Passopisciaro über den Berg zur Nordküste Siziliens

Bald nach meiner Abfahrt stand diese Tafel an der Strasse: Fahrverbot ! Ausser für Anwohner..
Ich wollte auf keinen Fall zurück Richtung Catania, und wenn Anwohner durchkommen, komme ich auch durch, nicht ?
Ich habe also den Anwohner-Blick aufgesetzt, welcher ungefähr besagt, dass ich jederzeit eine Pizza aus dem Ärmel schütteln könnte, und mich auf die schmale Strasse gewagt – und dabei gleichzeitig gehofft, dass ich sowieso vor dem erwähnten Kilometer 31 abbiegen müsse (was natürlich nicht der Fall war). Aber mein Auto hat es knapp durch die enge Stelle geschafft, und die paar Busch-Kratzer waren ein kleiner Preis für das Vergnügen.  

Das war nämlich eine absolut hinreissende Reisestrecke !

Grasende Kühe im mageren Grünzeug an richtig steilen Hängen

Der Ätna wieder von der schicken Vorderseite aus gesehen

Olivenhaine lösen die Reben ab, wo es zu karg wird für Reben

Weite Täler, garniert mit Winterbäumen und kleinen Quellflüssen

Und immer wieder der Ätna, diese Drama-Queen !

Dieser schneeweisse Berg in der unbebauten, weiten, grünen Landschaft ! Gewaltig !

Auf 1100 Metern traf ich unvermittelt auf Schnee und war ebenso dankbar für die trockene Strasse wie für den gänzlich ausbleibenden Gegenverkehr..

Schliesslich ging es doch hinunter in schneefreie Höhen.. Uffa !

Im Dorf ‘Novara di Sicilia’ traf ich wieder auf Zivilisation..

..und auf weitere Verkehrsteilnehmer..

..und einige Lost Places’ an der Strasse.

Und schliesslich landete ich im Ort Campofelice di Roccella (zwischen Cefalù und Palermo) auf dem gleichnamigen Platz – und hier bin ich noch…😊