

1.10.2024 Abschied von Karlsbad: letzter Spaziergang mit Michael zur schönen Holzbrücke über die Eger in Kyselka…

..danach feine Palatschinken im Garten (bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, dass das einfach nur unsere ‘Crêpes’ sind), gefolgt von einem letzten Essen mit Michael im Camping-Restaurant, wo eigentlich nur die vielen Jagd-Trophäen an den Wänden etwas stören..

Dann ging es auf die Strasse – Michael hielt Deutschland zu, ich ostwärts. Meine Reise sollte laut Navi 2 ¾ Stunden dauern. Dass ich über vier Stunden unterwegs war, habe ich einem Riesenstau vor Prag zu verdanken.

Ende gut, alles gut: ich bin gut 70 Kilometer östlich von Prag auf dem Camping Transit von Kutná Hora gelandet. Schön hier !
Kutná Hora (Kuttenberg)

In den Ort Kutná Hora hinein geht man über eine Brücke mit dieser Aussicht. Vor der Hütte links überqueren Fussgänger routinemässig die Schienen, und die originelle Graffiti-Wand gehört scheints zum ‘Planet Music Club’.

Die gewaltige Kathedrale Maria Himmelfahrt in Sedlec bei Kutná Hora wurde im 13. Jahrhundert erbaut, als die Abtei der Zisterzienser auf diesem Grundstück reich geworden war durch den Silberabbau. Sie war damals das grösste Sakralgebäde in Böhmen und Mähren und berühmt für ihre ‘Böhmische Kappe’, wie das freitragende Gewölbe genannt wurde.

Das Innere der Kathedrale ist überraschend schlicht und licht.


Kaum 80 Jahre nach dem Bau wurde das Kloster aufgehoben und der Besitz versteigert.
Erst wurde die Kirche als Mehlspeicher genutzt, ab 1806 wieder als Kirche eingesetzt – und 1812 richtete Philip Morris in den Klosterbauten eine Tabakfabrik ein (in allen braun bedachten Gebäuden ganz links ausser in der kreuzförmigen Kathedrale).
Die Fabrik hält sich nicht nur bis heute, sie wurde auch mächtig ausgebaut, wie man oben sieht.
Leider ist das vor dem Kloster angepriesene Tabak-Museum seit Corona geschlossen; das hätte ich mir gerne angesehen, haben wir doch in meiner Kindheit ebenfalls Tabak angebaut.

Das Beinhaus oder Ossarium im Untergeschoss der Allerheiligenkirche um die Ecke gehört ebenfalls zur Kathedrale.
Dank einer im Jahr 1278 verstreuten Handvoll Erde aus Jerusalem wurde dieser Friedhof einst zu einem besonders begehrten Bestattungsort und geriet in Platznot nach den Pest-Epidemien und den Hussitenkriegen.
Im 15. Jahrhundert wurden deshalb gut 40’000 Skelette in der unterirdischen Kapelle der Kirche eingelagert, fein säuberlich nach Knochenart sortiert von einem blinden Mönch.

Die fränkische Fürstenfamilie Schwarzenberg kaufte die Kirche und beauftragte 1870 einen Schreiner und Holzschnitzer mit dem Bau der Innenausstattung für das Beinhaus. Dafür verwendete der Handwerker die Knochen von etwa 10’000 Skeletten. Der Effekt ist erstaunlich. Und überraschend ästhetisch. Memento mori.


Ein sehr spezieller Kronleuchter..

Das Wappen der Familie Schwarzenberg, ganz aus Menschenknochen gefertigt.

Ein Detail aus dem Wappen: ein Knochen-Rabe auf dem Schädel eines gefallenen Soldaten..

Es ist wirklich Herbst geworden.
Heute Sonntag, 29. September, bin ich bei 6°C erwacht, und draussen tanzte trockenes Laub um mein Wohnmobil… Die sieben Wochenend-Nachbarn sind alle schon abgereist, und ich stehe allein im Park.
Es wird Zeit, ein wenig weiter südwärts zu reisen.

Zuvor wollte ich mir aber noch das Zentrum von Kutná Hora ansehen – oder vielmehr die dritte Kirche auf meinem Kultur-Pass.

Mein Foto vom gotischen Dom der Heiligen Barbara
(tschechisch Chrám svaté Barbory – ihr sollt ruhig auch etwas leiden an Ausspracheschwierigkeiten) ist hier etwas verzerrt durch Abstand-Mangel.. Dennoch: ein wirklich imposantes Bauwerk.

NICHT mein Foto vom Dom der Heiligen Barbara. 😊 Aber besser proportioniert ist es schon..
(ich glaube, auch Quasimodo hätte es hier gefallen zwischen all den Türmchen und Dächern).


Der Bau der Doms begann 1388 und wurde bereits 1595 provisorisch vollendet. Unterbrochen worden war er von den Hussitenkriegen, vorübergehendem Geldmangel und vom Tod etlicher seiner Baumeister (kein Wunder bei einer solchen Bauzeit…).

Vom Zentrum von Kutná Hora habe ich wenig gesehen. Was ich gesehen habe, war freundlich, relativ unspektakulär und Kopfstein-gepflastert. Ich aber radelte vom kühlen Wind zerzaust zurück auf den Platz, um dort hastig die Heizung anzuwerfen.
Brno / Brünn
Brno sagt man genau so, wie es hier steht: Brr-no ! Da wollten wir doch schon immer mal hin, nicht ?

Auf den ersten Blick sieht der Stellplatz ganz manierlich aus, und die Rasenflächen zwischen den Autos sind sehr gepflegt.

So sieht man ihn von etwas weiter entfernt: Ich stehe immer noch im gepflegten Rasenstreifen ganz hinten, aber links sieht man nun auch die grosse Lagerhalle für eingestellte Wohnmobile und auf dem ganzen riesigen Platz viele nicht benutzte WoMos.
Dass es mir hier trotzdem gefällt, liegt daran, dass wir nur zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt sind (easy mit dem eBike), dass die beiden Sanitär-Container zwar ältlich aber immer blitzsauber sind, und dass es nett ist, wieder ein paar Leute um sich herum zu haben.

Die St.-Peter-und-Paul-Kathedrale ist auch auf der tschechischen Zehn-Kronen-Münze verewigt (=ca. 40Rp.) . Und wenn mich mein 5-Wörter-Tschechisch nicht täuscht, ist das Kavárna u Kapucinú das ‘Café zum Cappuccino’… Man gewähre mir nochmals fünf bis zehn Jahre, und ich kann das !

Zelny trh: so heisst der Gemüsemarkt im Stadtzentrum mit den schönen Gebäuden ringsherum.
Mir hat es dort so gut gefallen, dass ich mir gleich je zwei Kartoffeln, Zwiebeln, Peperoni und Tomaten gekauft habe (für mehr war kein Platz im Rucksack).

Der barocke Parnas-Brunnen aus dem 17. Jahrhundert dominiert den Markplatz und stellt eine Höhle im Gebirge dar. Drei Figuren darin symbolisieren die antiken Imperien Babylon, Persien und Griechenland.

Der Freiheitsplatz wiederum war gerahmt von Bier- und Imbissbuden, und für einen gewöhnlichen Dienstag Nachmittag gab es dort recht viel Betrieb.

Ich verstehe zwar kein Wort, aber das Essen in den Riesenpfannen hat köstlich geduftet !


Das war ein schöner Spaziergang durch das Zentrum von Brünn (aussen herum sieht es übrigens so langweilig oder hässlich aus wie jede andere Stadt, also nichts Alarmierendes…)

Morgen reise ich weiter, wenn auch Regen angesagt ist. Mal sehen, wie weit ich komme..
Euch wünsche ich eine feine Restwoche – und wie immer: bleibt gesund und fröhlich 😊
