Geschafft ! Griechenland ! 😊

11.11.2024 Ich benötigte einmal mehr richtig lange für die paar Meter über die Donaubrücke (immer diese Donau !) und im anschliessenden Stau vor der Grenze zu Griechenland, aber dann ! Hurra !

Nach einer zum Glück nicht allzu langen Fahrt durch den dichten Stadtverkehr von Thessaloniki kam ich an auf dem ‘Camperstop Zampetas’ mit Werkstatt und grossem Camping-Laden.

Dass man auf diesem Stellplatz mit Strom gratis steht, fand ich erstaunlich, bis ich einen Staubsauger und einen Klappstuhl gekauft hatte – und mir klar wurde, dass ich damit deutlich mehr als eine normale Platzmiete bezahlt hatte. 😊 DAS ist cleveres Marketing !
Der Platz ist immer voll trotz sehr engen Stellplätzen (die Reihe in Bildmitte; die Parkplätze links sind reserviert für Ladenkunden und für Leute, die – wie ich – ein paar Stunden warten müssen (dürfen) auf einen engen Platz rechts..).

Am nächsten Tag durfte ich bereits über die Werkstattgrube fahren, und dort wurde im Nullkommazack meine verklemmte (angerostete?) Grauwassertankstange gelöst. Saubere Sache !

Meine Platz-Nachbarn Ute und Stefan mit ihren zwei Hunden im selbst ausgebauten Iveco. Die Beiden arbeiten im Sommer auf einem Campingplatz in Kroatien und sind auf dem Weg nach Athen, wo sie eine Wohnung gemietet haben für Besuch aus der Heimat.

Ich verliess die Stadt nicht ungern, denn da gibt’s einfach zu viel Verkehr und zu wenig Raum zum Spazieren. Der Stellplatz Matzope Street liegt knapp acht Kilometer ausserhalb von Thessaloniki.

Matzope Street ist locker der unordentlichste und gleichzeitig charmanteste Platz seit langem !
Bei der halb offenen Türe ganz links geht’s blechern quietschend in die Duschen, hinter der grauen Türe an der Ecke befindet sich die Waschmaschine, und durch das Holztürchen ganz hinten geht man wahlweise zum WC um die Ecke oder zum Restaurant hinunter..

Und dennoch wächst einem der Platz einfach ans Herz. Man kennt sich, trifft sich im Restaurant, steht an für die Waschmaschine und plaudert mit dem Chef Christos, der hier offensichtlich sieben Tage die Woche arbeitet. Oder man spaziert zur Bäckerei um die Ecke und kauft dort ofenwarme, duftende Gebäcke der würzigen und süssen Art oder das beste Vollkornbrot weit und breit.  

Bald nach mir trafen auch Ute und Stefan ein, und wir bildeten ein Camp mit gemeinsamem ‘Innenhof’

Der Chef Christos betreibt das Restaurant seit drei Jahren. Den Platz am Hang dahinter hat er letztes Jahr in einen Stellplatz umgebaut, und langsam aber stetig wird das hier. Er macht so gut wie alles selber, denn ihm fehlt immer mal wieder das Geld für ein zügigeres Vorgehen.   

Seinen Gästen vermittelt Christos jedoch jederzeit geduldig Computer-Fachläden, Autowerkstätten oder Tierärzte, und es gibt kein Problem, für welches er keine Lösung findet.

Da er etliche Jahre in Deutschland zur Schule gegangen ist, lockt er auch mit seinen Deutschkenntnissen Kunden an. Und natürlich nicht zuletzt mit dem Stellplatzpreis von 13 Euro pro Fahrzeug samt Strom und Benutzen der Waschmaschine ! Was für ein grosszügiger Gastgeber ! 

Mein ‘kleiner’ griechischer Salat war eigentlich als Vorspeise gedacht und wurde bei dieser Portion unversehens zum Hauptgang..  

Die beiden Vierbeiner gehören ebenfalls Christos, und manchmal dürfen sie zur Abwechslung auf dem Platz grasen.

Am 3. November gegen 19 Uhr habe ich hier mein erstes, ‘richtiges’ Erdbeben erlebt. Stärke 5.5 auf der Richterskala ! Eine erschütternde Erfahrung ! 😊
Das Wohnmobil hat gewackelt, als ob es von einem halben Dutzend Leute von der Seite her aufgeschaukelt würde.     
Das Ganze hat vielleicht 15 Sekunden gedauert, und danach sprangen wir alle (bis dahin vor Schreck gelähmt) aus unseren Autos und fragten einander aufgeregt, ob die anderen es auch gespürt hätten… 😊 Oh ja ! Hatten sie !

Hier verbrachte ich eine fröhliche, gemütliche Woche mit Ute, Stefan und dem Mathelehrer Christian, der Online-Nachhilfestunden anbietet. Er wohnt schon seit ein paar Wochen hier, weshalb ihn der rote Tiger zum vorläufigen Heim-Anbieter erkoren hat und ihm überall hin nachläuft.

Wir waren oft gemeinsam im Restaurant und genossen dort Gyros, Souvlaki, Hamburgers, Steaks und Pommes, und ich wäre gerne länger geblieben, wenn nicht auch hier die Temperaturen langsam, aber stetig sinken würden.

Der Deutsche René vorne links kam heute hier an, um sein Wohnmobil günstig einzustellen, ehe er morgen vorübergehend nach Hause fliegt. Die Französin Melanie trinkt Retsina und wartet auf die Lieferung ihres alten Campers mit neuem Keilriemen von der Werkstatt. Das hat zum Glück geklappt, sonst hätte sie kein Bett gehabt für die Nacht (einer der Nachteile, wenn das reparaturbedürftige Auto auch das Bett enthält.. 😊).    

Die Umgebung ist nichts Besonderes, und auch das Velofahren auf den Strassen hier kann man nicht empfehlen, aber es gibt sie, die schönen Ansichten.   

Für die Weiterfahrt musste ich mich wieder durch einen Teil von Thessaloniki drücken, ehe es zügig südwärts ging. 

Das Restaurant auf dem Camping Sylvia in Litochoro ist für den Winter geschlossen. Verständlich, denn ich stehe hier ganz allein 😊. Die Aussicht hat aber vieles wettgemacht, und ich habe eine Stunde lang genüsslich gelesen mit dem Meeresrauschen in den Ohren und den Füssen auf dem Mäuerchen.

Zum Glück habe ich die Sonne genossen, als sie noch zu sehen war ! Heute regnet es nämlich, und das soll noch ein paar Tage so bleiben. Da ich eigentlich gemütlich der Küste entlang fahren möchte, bleibe ich noch eine Nacht. Oder drei. Ich habe es ja nicht eilig.  

Ich wünsche euch eine gute Woche und etwas Sonnenschein 😊