Nochmals Kastrosikiá – Themelo – Drepanos – Igoumenitsa. Es wird Zeit..

Immer noch Kastrosikiá. Hier würde ich gerne noch viel, viel länger verweilen. Dieser Frieden !
Ich habe in den Tag gelebt, Spaziergänge gemacht oder in der Sonne gesessen und gelesen.
Wir waren gerade mal zu zweit oder zu dritt auf dem Platz.

Das Wetter war längst nicht immer schön, aber ‘es’ war einfach schön hier.  

Auf den Hügel kam ich für die Aussicht auf die Wellen – und bekam gratis einen etwas heruntergekommenen Hafen dazu.

Diese freundlichen Streuner waren sehr dankbar für meine gelegentlichen Hundebiscuits.   

Manchmal sah man ein wenig blaue Kontur von der Insel Korfu hinter dem Bergvorsprung links (das Auge sieht halt besser als die Handy-Kamera 😊),..

..und allabendlich bot die Sonne etwas Besonderes, etwa die violette Nachteinstimmung oder den letzten Funken des Tages (unten).

‘1. April 2025. Nach 11 Nächten bin ich aus Kastrosikiá abgereist. Auch deshalb, weil mein Bargeld etwas knapp wurde und hier cash gewünscht war.
Chefin Angelika schenkte mir doch tatsächlich eine Nacht als Mengenrabatt; ich bezahlte also EUR 150.- für elf Nächte auf dem Platz. In Ammoudia soll es einen Bancomaten geben, 25 km von hier. Na dann !   

Das ist Ammoudia am Fluss Acheron, welcher gemäss griechischer Mythologie auch der Schmerz-, Kummer- und Totenfluss ist.
Hier müssen die Seelen der Toten mit einem Boot übergesetzt werden oder den Fluss durchschwimmen. Alle anderen Flüsse der Unterwelt (wie der Styx) münden in den Acheron. Wer hätte diese düsteren Geschichten hinter diesem freundlichen Gewässer vermutet !

Auf die Öffnung des Bancomaten war eine Metallplatte verschraubt mit der Information, dass er von April bis Oktober offen sei. Auf mein vorwurfsvolles: «Aber es IST April !» (ja, gut, der erste Tag davon) meinte der alte Herr, der seinen Morgenspaziergang unterbrach für mich: «Sie wissen schon, dass wir hier in Griechenland sind, nicht wahr ?». Ach so ja: sigá, sigá…. Es ist noch lange April ! 😊

Ich habe folglich mein Glück im Nachbarstädtchen Parga versucht. Dort musste ich an einer – auch so schon engen – Stelle 100 Meter rückwärts an parkierten Autos und Motorrädern vorbei zirkeln wegen einer Baustelle und mich danach durch immer enger werdende Gassen quetschen (das ist sie, die Strasse im Bild rechts !).
Endlich sah ich den aktiven Bancomaten – aber weit und breit keinen freien Parkplatz, weil Griechen prinzipiell mit dem Auto unterwegs sind, gerne auch für Strecken von 300 Metern.. 😊.  Immerhin war das Wenige, was ich (inzwischen schweissgebadet) vom Städtchen sah, reizend (wenn ich mich recht erinnere..).    

Als Trost bekam ich auf dem Rückweg von Parga diese umwerfende Aussicht !
Der Ausflug hat sich gelohnt ! Auch ohne Cash.

Themolo. Ich hatte nur Gutes gelesen über den Camperstop ‘Café Platanos’, diesem türkisfarbenen Häuschen unter einer grossen Platane.
Hausherr Nico wies mich gleich vor dem Gärtchen auf die Strasse ein.

Themelo hat noch knapp 250 Einwohner, davon 5 bis 6 Schüler. Zahlen sinkend.
Es gibt halt nichts hier ausser Olivenanbau. Die meisten Jungen versuchen deshalb, eine Arbeit in Deutschland zu finden.
Auch Nico hat ein paar Jahre als Bauarbeiter in Deutschland verbracht und ist zurückgekommen, um den Hof seines Vaters zu übernehmen. Nun ist er wieder Bauer mit einigen Hektaren Olivenbäumen, ein paar Dutzend Hühnern, einer Maschinenreparatur-Ecke und sechs aufgenommenen Streuner-Hunden, die die Hühner vor den Raubvögeln und Füchsen schützen sollen. Und er ist gerne Gastgeber im Cafe Platanos.

Nicos Frau Nektaria hat sich auf das Herstellen von Bio-Konfitüren und Bio-Kosmetika spezialisiert (auf dem Tisch wird gerade ein Versand an eine treue Kundin in Deutschland vorbereitet), und sie kocht wunderbar ! Da das Stehen vor ihrem Haus gratis ist, kauft man natürlich gerne das Eine oder Andere.

Im Nachhinein habe ich festgestellt, dass ich noch nie so viel ausgegeben für eine ‘Übernachtung’! Und erst noch freiwillig !
Ich wählte halt von jeder Konfitürensorte ein Glas, dazu eine Hautcreme mit (unter anderem) Honig und in Olivenöl eingelegten Blütenblättern (zu verbrauchen innert zwei Monaten), und als Geschenk gab’s noch Lippenbalsam und selbstgemachte Zahnpasta.

Zum Frühstück brachte mir Nektaria diesen Degustationsteller von ihren Konfitüren: Zitronen, Orangen, Feigen, Kumquats, Aprikosen, dazu in der Mitte eine eingemachte Kumquat und ein Grapefruit-Gelée. Dazu trank ich meinen ersten Griechischen Kaffee mit der untersten Schicht aus purem Kaffeesatz – nicht ganz rassenrein weil mit etwas Milch. Er war überraschenderweise richtig gut ! Sowas !

Meine Nacht in Nektarias und Nicos endloser Gastfreundschaft war eine rundum erfreuliche Erfahrung !  
Und nun geht’s auf nach Igoumenitsa !

Nach einer herrlichen Fahrt durch eine wunderschöne Hügellandschaft fand ich im Hafen von Igoumenitsa endlich einen zugänglichen Bancomaten. Hurra !
Und nun weiss ich sogar ungefähr (sehr ungefähr…), wo ich hin muss, wenn es soweit ist mit der Abreise.

Hierher kam ich aber, weil mich die Lage des Camping Drepanos am Ende dieser Landzunge gereizt hat.

Eine gute Wahl ! Nicht nur bin ich nahe beim Hafen, es ist auch wirklich schön hier, vorne beim offenen Meer ebenso wie hinten in der Bucht. Im Hintergrund der Hafen von Igoumenitsa. Sehr malerisch !   

Unschönes gibt es natürlich auch hier: die hintere Hälfte des Platzes zur Spitze der Halbinsel hin besteht aus tristen, windzerzausten und momentan unbewohnten Dauercamps mit zerrissenen Beschattungsnetzen, und an der eigentlich romantisch-schönen Inselspitze liegt überall Abfall herum von unzähligen Gelagen dort. Schade.

Aber der Rest ist wunderschön – und da ist auch Korfu wieder als blaue Silhouette im Hintergrund.

Wenn man von weitem ein tiefes Brummen hört, kommt demnächst eine Fähre vom Hafen oder vom Meer. Die Schiffe stammen unter anderem von den Reedereien Superfast, Anek, Kerkyra oder Grimaldi Lines. Bei den ersten dreissig Schiffen bin ich jeweils aufgesprungen, um ihre Fortschritte genau zu verfolgen. Inzwischen geht mir das dauernde Grummeln vom Meer her ein klein wenig auf den Wecker, wenn ich draussen in der Sonne sitze. Jaja, so sind wir nämlich ! 😊

Apropos Grimaldi: ich habe eine Fahrt nach Brindisi gebucht für heute Nacht bei dieser italienischen Reederei, und kaum eine halbe Stunde nach der Bestätigung tauchte auf meinem Handy ein Youtube-Filmchen von deutschen Campern auf, die Grimaldi als die schlimmste aller Fährgesellschaften überhaupt einstuften ! Au, weia !
Dann fiel mir zum Glück ein, dass gar keine andere Gesellschaft nach Brindisi fährt in der Nebensaison. Schicksal also, kann man nichts machen.   
Diese Kritikusse waren allerdings auch 20 Stunden bis nach Ancona unterwegs; meine 9 Stunden nach Brindisi dürften auch so zu überstehen sein, vor allem in der Nacht und in einer Kabine. Wir werden ja sehen.

Da ich noch nicht weiss, wo ich morgen Abend hin möchte zum Übernachten, habe ich die 1-Uhr-Fähre gebucht mit Ankunft am Morgen statt die 14-Uhr-Fähre mit Ankunft gegen Mitternacht.
Das dürfte in eine ziemliche Warterei ausarten heute Abend, denn um 19 Uhr soll ich meinen Platz hier verlassen.
Ach was: das ist kein Problem, wenn ich im Hafen einen Parkplatz finde für das Warten. Restaurants und Läden gibt es dort nämlich genug, und ein ungelesenes Buch habe ich auch dabei. Easy ! 😊

Euch wünsche ich ein feines Wochenende in der warmen Frühlingssonne ! 😊