
Alhambra, Granada. Im Hintergrund die Sierra Nevada; von hier aus geht’s Richtung Strand zum Baden oder Richtung Berge zum Skifahren (theoretisch ginge auch beides am gleichen Tag)
Ein Besuch der Alhambra lohnt sich ! Diesen absoluten Geheimtipp geben euch bestimmt auch gerne die anderen drei Millionen Besucher ab, die jährlich dort anzutreffen sind.. Ich habe mich gestern für €14.85 sechs Stunden lang herrlich verweilt.

Ich habe keine Führung gebucht, weil ich a) nicht alles wissen muss – und b), weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass viele Reiseleiter ihre immer gleiche Geschichte so gelangweilt an die Leute bringen, dass erwachsene Teilnehmer in eine Art Trance verfallen und gar nichts mehr sehen, Teenagers vor sich hingähnen und kleine Kinder auszubrechen versuchen und genervt zurückgepfiffen werden.
Das habe ich gestern bestätigt erhalten, als ich mich hin und wieder diskret einer Gruppe anschloss (vielleicht lerne ich ja doch etwas). Die neue Technik erweist sich dabei allerdings als ein Nachteil, denn die Gruppenteilnehmer tragen nun einen Knopf im Ohr und der Guide muss nicht mehr schreien, damit ihn alle Teilnehmer – und ich 😊 – hören können. Er geht einfach voraus und murmelt vor sich hin, und ich musste jeweils ganz nahe, ganz vorne und erst noch ganz zufällig mitlaufen..
Das habe ich ein paarmal gemacht, und eine deutsche Leiterin sagte vor einem wunderschön gekachelten Raum: «Ist dieser Raum nicht wunderschön gekachelt ? Und jetzt gehen wir weiter zu…». Die Beispiele in Englisch und Französisch tönten ähnlich spannend. Es gibt sie, die begeisterten Fremdenführer, aber heute hatten sie wohl alle frei.
Am Morgen regnete es noch, als mich das Taxi abholte. Nach 20 Minuten kamen wir bei der Alhambra an, und nach einer weiteren halben Stunde stand sie im Sonnenschein, und schon erlag auch ich dem Reiz dieser geschichtsträchtigen Perle.

Apropos Geschichte:
Die Alhambra von Granada ist eine mittelalterliche Festung aus dem 9. Jahrhundert und einem später hinzugefügten Palastkomplex aus der Zeit der maurischen ‘Nasrid – Sultane’, die während den Jahren 1232–1492 das Sagen hatten.
Sie ist die meistbesuchte Touristenattraktionen in Spanien und seit 1984 Weltkulturerbe. Die Burganlage ist etwa 740 m lang und bis zu 220 m breit, und besonders im Abendlicht leuchtet sie rötlich.

Wenn man ein Ticket hat, darf man auf dem ganzen Gelände alle Gärten, Festungsan-lagen und Museen besuchen, aber nur zu einer vorbestimmten Zeit wird man gruppenweise in den Nasriden-Palast vorgelassen.
Dort gibt es besonders schöne Zeugen maurischer Baukunst und Verzierungen zu sehen. Bogengesäumte Säulengänge, arabische Kalligraphie, Springbrunnen, meisterhaft angelegte Gärten, bunte Fenster, Marmorböden, filigrane Holzschnitzdecken, ‘Stuck-Gardinen’ und mystische Statuen kreieren eine Eleganz und ein Ambiente, die einen nicht unberührt lassen.

Der Höhepunkt dieses Rundgangs ist der ‘Patio de los Leones’ im Löwenhof-Palast aus dem Jahr 1377. Um einen grossen Hof herum befanden sich einst die privaten Räume des Sultans und die Harem-Gemächer seiner Gemahlinnen. Der Hof soll das Paradies versinnbildlichen: 12 wasserspeiende Marmorlöwen symbolisieren die Tierkreiszeichen. Sie tragen einen Springbrunnen und stehen in der Platzmitte zwischen 124 Marmorsäulen, die die Palmen der paradiesischen Oase darstellen. Vom Brunnen aus wird der Platz viergeteilt durch Wasserkanäle, die die vier Flüsse des Paradieses repräsentieren. Schön, nicht wahr ?

Ach ja: und das unten ist eine von bestimmt 100 Katzen, die innerhalb der Alhambra herumtigern..
Gestern waren mindestens sechs Schulklassen vor Ort, und alle haben ihre mitgebrachten Sandwiches verspiesen auf den niederen Mäuerchen auf einem der grosszügigen Plätze. Und dazwischen sprangen bestimmt 30 oder 40 Katzen hin und her, um die gerade freigebigsten Futterspender zu finden. Sie sahen alle recht wohlgenährt aus.

Auch auf Campingplätzen gibt es oft ein paar Katzen, die zum Terrain gehören.
Die getigerte unten ist trächtig, wie mir der alte Orangenverkäufer mitteilte, der hier jeden Tag ein paar seiner 5-Kilo-Netze verkauft. Die beiden machen sich gerade über scrambled eggs mit Rahm und Schinken her..

Ach übrigens: ich habe eine Alhambra-Orange unter einem Baum mitlaufen lassen – und mama mia, war die bitter ! Auch hier konnte mir der oben erwähnte Señor helfen: oft sind ‚Allee-Bäume‘ Bitterorangen-Varianten, weil diese widerstandsfähiger sind als die Bäume der süssen Saftorangen. Aha. Ich hatte also zweimal Glück bei ‚gefundenen‘ Orangen – und ab sofort Zweifel..
Da ich die Süsse von aussen nicht schätzen kann, habe ich dem Señor vorsichtshalber seine letzten fünf Kilos abgekauft.. 😊 Die dürften eine Weile reichen..

Und zum Schluss: Das ist mein gegenwärtiger Wohnsitz in Granada (bzw La Zubia).
Links die Treppe hoch gehts auf meine private Terrasse, wo ich bei Sonnenschein lese und meinen Kaffee trinke.. Eigentlich ist dort ja der Swimming Pool, aber da es noch eher frisch ist, interessiert sich kein Mensch dafür ausser ich.. Schick, nicht ?
