Die andere Seite des Golfs von Neapel: Sorrento, Amalfi, Positano, Capri

Nach einer Reise von doch glatt 28 Kilometern ab Pompeji bin ich seit einer guten Woche hier in Sorrento und stehe unter Olivenbäumen.  Von hier aus gesehen liegt Neapel wie ein Halsband um den Vesuv und blinkt nachts als Lichterkette übers Wasser zu mir herüber.

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Mein Ausblick von oberhalb des Platzes und vom Platz Nube d’Argento – der Vesuv ist von überall in der Bucht zu sehen

Sorrento ist eine kleine Bilderbuchstadt – typisch für Touristen-Orte

2_sorrentoEs ist hell, freundlich, einladend mit grossen Fussgängerzonen – und gleich um die Ecke von meinem momentanen Wohnort.

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Im Moment ist viel los: ein Verkaufsstand reiht sich an den nächsten, und was verkaufen die als DIE Spezialität schlechthin ? Schokolade !
Der Anlass heisst ,Fiera del Cioccolato Artigianale’. Ein Wochenende lang steht die Strasse ganz im Zeichen von Schokolade. Ich habe mich zuerst geziert, aber dann musste ich sie halt doch degustieren. Und wisst ihr was ? Die war – ähm, ich sage es ganz vorsichtig – die war richtig, richtig GUT ! 😊 Cremig-zarter Schmelz, knackig geröstete Haselnüsse, keine Spur von dieser körnig-mehligen Struktur, die man manchmal in ausländischer Schokolade findet. Wow ! Ich habe mir eine kleine Ecke Bruchschokolade mit Nüssen einpacken lassen (160g oder so…), alles aufs Mal gegessen – und für eine Weile vermeide ich das Thema Schokolade nun ganz gerne..

4_Limoncello.jpgDas zweithäufigste Verkaufsgut in den Touristenläden ist der Limoncello !
Ausserdem weitere Produkte auf Zitronenbasis wie Seifen, Duftkonzentrate, Bonbons. In jeder Gasse findet man mindestens einen knallgelben Laden, der von einem frischen Sommerduft umweht wird.

5_BellevueSyrene.jpgKomposition in graublau – habe ich schon erwähnt, dass der Vesuv irgendwie immer im Bild ist ? Ach ja ? Hm….

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Auf dem Dach hier gab es eine hübsche Fotoausstellung zu den frühen Jahren von Sophia Loren. Leider durfte ich da nicht fotografieren, aber die Stimmung links erinnert einen schon sehr an die alten Filme, in denen sie mit den Händen in den Hüften ein freches Waschweib mit Herz spielte, nicht wahr ?

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Man wird hier automatisch ein bisschen Vesuv-narrisch, denn er ist immer da, wohin man auch sieht… (wahrscheinlich ist es Zeit für mich, weiterzuziehen, ehe ich nur noch Vesuv-Fotos bringe..). 😊

Black Friday 

Ich gebe es ja zu: ich habe mich mit vielen anderen darüber aufgeregt, dass wir schon wieder etwas aus den USA importiert haben: den Black Friday.
Es ist der Freitag nach Thanksgiving, welches am vierten Donnerstag im November gefeiert wird, und da viele Leute den Tag danach als Brückentag beziehen, wurde dieser Freitag der Auftakt zum Weihnachtsgeschäft und ist für viele Geschäfte der umsatzstärkste Tag des Jahres. Vor ein paar Jahren ist der Trend auch in Europa angekommen, (vorläufig) noch ohne den Truthahn am Vorabend..
‘Black Friday’ benannt hat ihn 1966 die Polizei in Philadelphia, denn für sie ist er einer der arbeitsintensivsten Tage des Jahres, der Tag der endlosen Staus, der völlig überfüllten Innenstädte, der Taschen- und Ladendiebe und der kurzen Nerven.

Ich habe mir am Freitag in Sorrento ein paar Wanderschuhe gekauft für 98.- statt 139.- Euro mit 30% Black Friday-Rabatt.
Ähm: Ich werde etwas eifriger über Halloween herziehen müssen, denn sooo schlimm ist dieser ‘Black Friday’-Import irgendwie gar nicht..  😊
9_Albero.jpgAm Freitag wurde in Sorrento auch der grosse Weihnachtsbaum an der ‘Piazza Torquato Tasso’ hoch offifziell unter Strom gesetzt. 

Natürlich kamen die Stadtbewohner in Massen; eine Guggenmusik und Volksmusikanten spielten auf, diverse Samikläuse bimmelten durch die Strasse – und dann der grosse Moment: alle zählten laut mit beim Countdown – Und nun blitzt und glitzert eine riesige Tanne aus mit Rasenteppich bezogenem Gestell in einem rasenden Lichter-Programm. Jawohl, die besinnliche Zeit ist angebrochen ! (rette sich, wer kann).

10_Enoteca.jpgZum Glück gibt es überall auch gemütliche, ruhige Eckchen…

11_EnotecaAlbero.jpgDer Rotwein in dieser Enoteca ist ausschliesslich aus der autochthonen Aglianico-Traube. Mein Gute-Nacht-Glas vor dem Heimwandern, währenddem der Baum Hula Hoop spielt…

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15_DAnton.jpgIn der Bar D’Anton kann man sich auf weichen Sofas oder alten Esszimmerstühlen niederlassen – und die ganze Einrichtung ist zum Verkauf ausgeschrieben – sogar mein Weinglas war ein schweres Einzelstück. Das Geschäft gehört einem Geschwisterpaar aus Argentinien mit viel Sinn für Deko und die Gastgeberei.
Mir hat es die Weihnachtsbaum-Alternative rechts angetan – ist sie nicht hübsch ? Wenn man erst einmal die Idee hat, sind den eigenen Varianten keine Grenzen gesetzt. 

Amalfis Küste und Italiens meistfotografierte Pinie

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Ich bin froh, dass ich der Empfehlung gefolgt bin, per Bus nach Amalfi zu reisen; die Strasse windet sich nämlich schmal und unter vielen engen Kurven über die Hügel, und ich bin mit einer grenzenlosen Hochachtung für die Busfahrer zurückgekommen – und mit noch immer leicht gesträubten Haaren.

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Schöne Costiera Amalfitana. Die Wolkenschlieren entstanden durch das im Busfenster eingelassene ‘Lochgitter’, das wahrscheinlich ein Splittern des Glases verhindern soll im Falle eines Falles. Das und die Busbewegung. Dramatischer Effekt, nicht wahr ? Er nimmt dem Türkis des Meeres etwas von seiner leuchtenden Intensität, aber man kann nicht alles haben.

18_Amalfiküste.jpg20_Felswand.jpg21_Gischt.jpgOft senkrechte Felswände auf der einen Strassenseite – und auf der anderen die Wellen, die tief unten mit Wucht auf die Küste treffen und in Wolken aus Gischt zerstieben, ehe sie – von weit oben gesehen völlig lautlos – zu einem weissen Schäumchen zerrinnen.

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Positano wird auch als die Perle der Amalfiküste bezeichnet

Amalfi ist ein schmuckes Touristen-Städtchen mit einem kleinen Hafen – und natürlich mit einem Dom..

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23_Amalfi.jpgIch habe festgestellt, dass mir Kloster-Kreuzgänge mit ihren Hofgärten eigentlich überall gut gefallen.. (rechts)

24_AmalfiDom.jpg ..wohingegen mir der Prunk in solchen Kathedralen immer ein etwas schlechtes (Fremd-) Gewissen verursacht, denn solche Prachtgebäude wurden auch mit Geld wirklich armer Leute gebaut, die sich dieses vom Mund absparten in der Hoffnung auf eine bessere Aufnahme im Jenseits. Schön sind die Dome aber wirklich.
Hier sind die Wände rosa angehaucht und schaffen eine warme, friedliche Stimmung (die sind sicher schaurig froh, dass ich die Farbgebung für gut befunden habe..).

Höllenritt nach Ravello..

Da ich bereits anderthalb Stunden gefahren war, kam es auf nochmals eine halbe Stunde auch nicht mehr an, und ich bin in den nächsten Bus nach Ravello gestiegen.
Die schmale Strasse wurde bald noch schmaler, der Bus benötigte nun zwei Drittel der Strassenbreite. Schon hupte der Fahrer kurz – und fuhr ganz nach links hinüber für die nächste Rechtskurve, die er haarscharf am rechten Mäuerchen vorbei schaffte. Von nun an ging es so weiter: der Fahrer hupte immer mal wieder und fuhr mit ungedrosselter Geschwindigkeit um Kurven und Kürvchen, und entgegenkommende Autos klappten augenblicklich ihren Seitenspiegel ein und verdrückten sich in winzige Buchten oder auf Trottoirs, wenn es eines gab. Oder sie fuhren rückwärts, bis sie eines von beidem fanden. Wir selber waren ebenfalls öfters rückwärts unterwegs, vor allem dann, wenn uns ein anderer Bus entgegen kam und an einem breiteren Strassenstück mit ein paar Zentimetern Spielraum vorbeizog. Und der Fahrer pfiff auch noch die ganze Zeit vergnügt vor sich hin ! Unglaublich !

25_Pinie.jpgSie steht in Ravello: die wahrscheinlich meistfotografierte Pinie Italiens !

Sie ziert jede Broschüre dieser Gegend; sie wird zur Hochsaison von Hunderten täglich fotografiert – und ich hätte sie beinahe verpasst, weil ich mir meiner Sache wieder einmal so sicher war, dass ich nicht zweimal hinschaute. Also irrte ich ‘Stägeli uf und Stägeli ab’, sah die Kirche einmal von oben, dann wieder von der Seite, aber immer mit einer Gassenmauer oder einem Gitter dazwischen. Beinahe hätte ich aufgegeben, als ich einen netten alten Herrn traf, der mich zum richtigen Eingang führte.

Prompt gab es da eine Eintrittskasse zur 800jährigen ‘Villa Rufolo’, auf deren Grund die Pinie steht.
«7 Euro», sagte die Dame dort. «Ja, und wenn ich bloss husch die Pinie mit Kirche fotografieren möchte?». «Dann sind es 7 Euro.». Ja dann ! (das war auch wirklich eine völlig überflüssige Frage – den Preis bezahlt man ausschliesslich für DIE PINIE, alles andere gibt’s gratis dazu – das weiss man allerdings erst nach dem Besuch..). 😊

26_PinieVorher.jpgEben: das war vorher, als ich noch dachte, das Finden DER Pinie könne ja nicht so schwierig sein. Doch, doch, kann es sehr wohl..

Wenn bei Capri die rote Sonne…

27_Capri.jpgDie Insel dort hinten ist Capri. Sie liegt fünf Kilometer vom Festland entfernt, was 25 Minuten Bootsfahrt entspricht. Und die Sonne ist um 15.30h halt noch nicht ganz so rot, dass sie deswegen versinken möchte..

Capri ist der Name der Insel mit 14’000 Einwohnern und des Hauptortes darauf. Das Städtchen Capri thront oben auf einem Berg und ist so schmuck wie all die Orte hier, die beinahe ausschliesslich vom Tourismus leben (etwas Anbau von Wein, Obst und Oliven auf Terrassenkulturen ergänzen die immergrüne Landschaft).
Die Insel ist 6.3 km lang und 2.7 km breit. Der höchste Berg ist der Monte Solaro mit 589 Metern. Und auch Capri gehört zur Metropolitan-Stadt Napoli.

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Da schau her: Das Funicolare von Capri ist doch tatsächlich in Olten gebaut worden. Es bringt einen vom Hafen ‘Marina Grande’ rasch hinauf in die Stadtmitte von Capri.

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Capri in meiner Erinnerung ist blau, grün und weiss, alle Farben leuchtend und intensiv. Das war ein schöner Ausflug.

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Zurück in Sorrento

Dieser stolze Pfüdi-Besitzer hat sich gefreut über mein überraschtes Kompliment zu seinem Abarth-Tuning. Er ist danach unter lautem Hupen und in einem Höllentempo an mir vorbeigesaust. Das zeigt doch schön, wie sich Statussymbole eigentlich immer zuerst aus dem Nützlichen heraus entwickeln, ehe sie jedes Mass verlieren..

34_OSoleMio.jpg Diese Beiden schmeissen das ‘O Sole mio’ allein – sie ist für das ‘Anschleppen’ von Kunden und den Service zuständig, er für die riesigen, ovalen Pizze, die in gigantischen Schachteln mit nach Hause genommen werden von den Take-Away-Kunden.

In Italien ist es üblich, dass jemand mit der Menükarte vor dem Restaurant steht und potentielle Gäste anspricht. Die Pizza vor dem Fernseher war auch tatsächlich vorzüglich, bloss das Lokal macht den Eindruck, als ob es schon seit Jahren ein wenig überholt werden müsste… Aber die Beiden sind süss, und die Signora sagte mir mindestens fünf Mal: «Grazie del cuore» und hat mich an unsere Frau Konrad im Volg Winkel erinnert..

 

Tierische Bekanntschaften

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Meine ‘Eroberung’ auf dem Sorrento-Campingplatz: eine extrem anhängliche Katze, die am liebsten bei den Gästen wohnen würde.
Ich sitze am Morgen mit dem ersten Kaffee in meine Wolldecke gepackt auf meinem Treppchen und – zack – sitzt die Katze auf mir.

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Tauben sind sich extrem futterneidisch und behindern sich beim Picken gegenseitig und rücksichtslos mit Flügelschlägen. Die hätten es nie und nimmer zum Friedenssymbol geschafft, wenn sie damals nicht einen wichtigen Titel-Vergeber bestochen hätten ! Ehrlich verdient haben sie diese gehobene Stellung nämlich auf keinen Fall ! Immerhin gurren sie hier tatsächlich ein ‘Ruggedigu’ wie es sich gehört laut ‘Aschenbrödel’, kommen also etwas melodiöser daher als die spanische Drei-Silben-Version ‘Gu-huu-hu’.

Das Rotkehlchen hingegen war von Anfang an ein Charme-Bölzchen,
das sich zuerst ein paar Tage lang tänzelnd zierte. Aber mit Brosamen schafft man sich leicht Freunde, und diese erinnern einen auch gerne an die Freundespflicht durch einen kleinen Hausbesuch..   

35xVesuv.jpgHabe ich schon erwähnt, dass der Vesuv…. Ok, ok, ist ja gut.. 😊

Mir ist natürlich klar, dass der Berg sich nicht gross bewegt hat zwischen den einzelnen Bildern…. Morgen entziehe ich mich deshalb der Gefahr, mich in weiteren Bildwiederholungen zu ergehen, versprochen !

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